E10-Einführung - Warum es in den anderen EU-Staaten besser läuft - Magazin von auto.de
E10-Einführung - Warum es in den anderen EU-Staaten besser lief

E10-Einführung – Warum es in den anderen EU-Staaten besser läuft

Nachdem die Einführung des Biosprits E10 in Deutschland sich zu einem Riesenflop entwickelt hat, wurde diese nun erst einmal auf Eis gelegt. Ölindustrie und Politik beschuldigen sich gegenseitig, an dem Debakel aufgrund mangelnder Informationspolitik schuld zu sein, die Verbraucher sind ratlos. Fest steht, die EU hat die Notwendigkeit der Einführung zur Verringerung der CO2-Ausstösse vorgegeben. Doch in Berlin herrscht weitgehend Ratlosigkeit, wie die Einführung in einem zweiten Versuch diesmal erfolgreicher und ohne Verbraucherboykott umgesetzt werden soll.  Interessant ist deswegen ein Blick in unsere Nachbarländer. Gibt es das E10-Drama nur in deutschen Landen oder ringt man an französischen oder tschechischen Tankstellen ebenfalls um den Biosprit?

Frankreich: Informiert und günstig zum Biosprit

Wie es richtig laufen sollte mit der Einführung des E10 machen uns unsere Nachbarn in Frankreich deutlich vor: Bereits seit April 2009 ist das E10 hier an französischen Zapfhähnen neben zwei anderen Bio-Kraftstoffen, dem E87 und B7 erhältlich. Mit der Einführung von E10 veröffentlichte das französische Verkehrsministerium eine Liste aller Fahrzeuge, die bedenkenlos mit dem Biosprit betankt werden können. Immer wieder wird diese Liste aktualisiert. Zur allgemeinen Regel wurde ausgegeben, alle Fahrzeuge ab Baujahr 2000 könnten problemlos mit dem neuen Kraftstoff betankt werden, was etwa 60 Prozent der in Frankreich zugelassenen Autos und Motorräder sind. Doch nicht nur die Informationspolitik unserer Nachbarn ist vorbildlich, nein auch die Preise: Anders als in Deutschland legte man die Mehrkosten in der Produktion nicht direkt auf die ohnehin leidgeprüften deutschen Verbraucher mit Preiserhöhung um, sondern sogar um durchschnittlich 3 Cent pro Liter zuherkömmlichen Kraftstoff gesenkt. Insgesamt wurde der Kraftstoff von der Bevölkerung akzeptiert, nur der erhöhte Spritverbrauch wurde bemängelt.

Niederlande: Langsamer Übergang

Deutlich ruhiger angehen mit der EInführung von Biokraftstoffen lässt man es in den Niederlanden. Hier ist der E10-Kraftstoff seit Januar 2011 erstmal nur an einigen wenigen Tankstellen erhältlich. Der Übergang ist ganz ruhig geplant und integriert die Erfahrungen mit dem Kraftstoff ein. Online gibt es verschiedene Ratgeberseiten, die über die Geeignetheit des eigenen Fahrzeugs für E10 informieren.

Tschechien: Schrittweise zum höheren Bioanteil

Auch in Tschechien entschied man sich für eine langsame Einführung des Biokraftstoffes und erhöht deswegen in mehreren Schritten den Ethanol-Anteil in herkömmlichen Sprit. Nach einer ersten Beimischung von 3,5 Prozent Ethanol wurde der Anteil im Juni 2010 auf 4,1 Prozent erhöht, was problemlos verlief. Die tschechischen Autofahrer, die bereits jetzt schon ganz Bio tanken wollen, können ihr Fahrzeug an ausgewählten Tankstellen mit E87 betanken, einem Biosprit, der bis zu 85 Bioethanol enthält und gute 30 Cent günstiger ist als Benzin ohne Biosiegel.

Großbritannien: Mag es ebenfalls gemütlich

Für eine schrittweise Einführung ähnlich wie in Tschechien entschied man sich auch in Großbritannien. Allerdings wird man dort erst im kommenden Monat die Stufe von vier Prozent Bioethanol im Benzin erreicht haben. Bisher ist allerdings noch nicht entschieden worden, ob sich die Erhöhung bis auf E10 steigern wird oder ein anderes Modell gefunden wird, um der EU-Vorgabe, dass 6,25 Prozent des verkauften Kraftstoffs auf pflanzlicher Basis sein müssen, zu entsprechen.

Eine Idee wäre ja so ein britisches Modell auch für Deutschland. Denn so kaufen die britischen Verbraucher den Kraftstoff mit Bioethanol in geringeren Prozentanteilen immerhin, tanken also zum Beispiel E6 anstelle von E10. Anders als in Deutschland, wo den Verbrauchern zum Boykott vorübergehend nur der Ausweg zum noch teureren Super Plus blieb. Denn davon hat ja niemand was – Prozentsatz nicht erreicht, Umwelt nicht geschont (wobei ja selbst das angesichts der Notwendigkeit des Mehrverbrauchs fragwürdig ist), Verbraucher sauer. Außer natürlich die Mineralölkonzerne – denn die bekommen ihr Geld, egal mit oder ohne Schein-Ökosiegel!

 

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