Fahrbericht Honda Varadero XL 1000: Die Limousine unter den Reisemaschinen - Magazin von auto.de

Fahrbericht Honda Varadero XL 1000: Die Limousine unter den Reisemaschinen

Von Ingo Koecher – Große Fahrt, das ist ihre Bestimmung: Insbesondere dann, wenn die Honda Varadero XL 1000 mit zwei Seitenkoffern und Topcase voll ausstaffiert vor einem steht. Da fängt es schnell an, in den Fingern zu kribbeln. Ob die Japanerin allerdings nur Schaum schlägt, oder am Ende halten kann, was sie verspricht, wird unser Test zeigen. Behaupten muss sich die Honda Varadero zwischen einer Triumph Tiger 1050 SE ABS oder der Yamaha Z1000SX.

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Fahrbetrieb

Angetreten ist die Honda Varadero XL 1000 als Reiseenduro. Doch schon nach dem ersten Aufsatteln hat man eher das Gefühl, auf einem Sports Tourer zu sitzen. Das liegt zum einen am recht langen Radstand von 1.555 Millimetern, zum anderen an der entspannten Art und Weise, mit der sich die Japanerin bewegen lässt. Sie liegt wie ein Brett und stellt an den Fahrer keine besonderen Anforderungen. So erlebten wir auch die Varadero als typische Honda mit leichtem Handling und guten Fahreigenschaften.

Mit dem 69 kW/94 PS leistenden V2-Viertaktmotor fährt die Honda Varadero XL 1000 bestens motorisiert vor. Das Triebwerk, kombiniert mit einer 6-Gang-Schaltung, lässt sich im mittleren Drehzahlbereich Stunde um Stunde über die Autobahn bewegen. Überzeugend, weil komfortabel, ist die aufrechte Sitzposition sowie die breite

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Sitzbank, auf der auch dem Sozius ausreichend Komfort zur Verfügung steht. Lange Touren sind so ausgerüstet, kein Problem.

Das Fahrverhalten der Honda Varadero können wir durchweg mit Gut bewerten. Herausforderungen galt es bei der Japanerin nicht zu meistern. Vielmehr ist sie ein gefälliges Bike, das schnell beherrschbar und leicht in der Handhabung ist. Kleinere Probleme könnten lediglich dann auftreten, wenn es nötig wird, die Honda rückwärts manövrieren zu müssen. Denn mit einem Gewicht von 276 Kilogramm vollgetankt und fahrfertig, sowie einer Sitzhöhe von 838 Millimetern, ist das nicht immer ganz einfach. So kann die Überwindung einer kleinen Schwelle oder das Bezwingen eines seichten Gefälles schnell zum schweißtreibenden Unterfangen werden. Da diese Belastungsproben aber eher selten auftreten, schmälert das den Fahrspaß mit der Honda Varadero nicht im geringsten.

Die Varadero machte nicht nur auf langen Strecken eine gute Figur. Auch im Stadtverkehr ist sie angenehm zu fahren. Ihr Vortrieb, wird der einmal abgerufen, ist ordentlich. Dabei überzeugt die Japanerin durch exaktes Spurverhalten. Insgesamt ist die Gasannahme, wie auch der generelle Auftritt der Japanerin, komfortorientiert und limousinenhaft. Die Varadero fühlt sich offenkundig auf großer Fahrt am wohlsten. Dabei ist es unwesentlich, ob es ums Kilometerfressen oder Kurvengenießen geht – sie liebt beides. Für

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angemessene Einbremsung sorgt die Doppelscheibenbremse vorne mit 296 Millimeter Durchmesser und die Einscheibenbremse hinten mit 265 Millimeter Durchmesser. Natürlich an beiden Achsen in Kombination mit ABS.

Einzig der von uns ermittelte Verbrauch von 8,7 Litern auf 100 Kilometern ist eindeutig zu hoch. Das sind Bereiche, in denen Autos unterwegs sind. Bei einem Motorrad sollte höchstens eine Sechs (oder weniger) vor dem Komma stehen – noch dazu bei moderater Fahrweise. Während in der Autoindustrie an immer verbrauchsgünstigeren Motoren gearbeitet wird, müsste auch bei Motorrädern Entsprechendes geschehen. Denn die aufgerufenen Preise der Hersteller sind ja bereits in der Neuzeit angekommen. Dann sollte nun doch bitte auch die Motorentechnologie nachziehen. In unseren Augen ist es dafür höchste Zeit. Der Fairness halber müssen wir an dieser Stelle allerdings anmerken, dass die Problematik nicht nur Honda, sondern alle Motorradhersteller in gleicher Weise betrifft.

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Cockpit & Ausstattung

Als limousinenhaft bezeichnet Honda selbst das Cockpit der Varadero. Und das nicht nur in seiner Gestaltung. Auch die Funktionalität zeigt Parallelen. So präsentiert sich der Arbeitsplatz in zwei Funktionsebenen. Zum einen das Display des Bordcomputers mit allen Kontrollleuchten des Systems. In gleicher zentraler Lage darunter angeordnet, zwei klassisch-analoge

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Rundinstrumente für Geschwindigkeitsanzeige links und Drehzahlmesser rechts. Unsere Testmaschine verfügte zudem über ein Navigationssystem von Garmin. Das schlägt mit 910 Euro, die dafür notwendige Stromversorgung mit weiteren 28 Euro, zu Buche.

Im Display des Bordcomputers lassen sich Informationen über Gesamtlaufleistung und Tageskilometer, sowie den verbleibenden Kraftstoffvorrat ablesen. Letztere Anzeige ist umso praktischer, sobald die Honda Varadero im Langstreckbereich zum Einsatz kommt. Funktional und dem Komfort einer Limousine entlehnt, ist das abschließbare Handschuhfach, in dem kleinere Dinge ihren Platz finden. Während das Handschuhfach zum Lieferumfang gehört, finden sich weitere Staumöglichkeiten auf der Optionsliste. So etwa die beiden Seitenkoffer für 703 Euro und das Topcase für zusätzliche 532 Euro. Zugegeben, nicht ganz billig, aber, wie sich während unseres Tests herausstellte, ungemein praktisch. Komfort fördernd ist auch die Griffheizung, die für weitere 245 Euro buchbar ist.

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Sie ist stufenlos regelbar und in Verbindung mit dem Handschutz, besonders bei Regen oder kälteren Temperaturen, ein Genuss.

Fazit

Angetreten ist die Honda Varadero XL 1000 als Reise-Enduro mit dem Ziel, auf große Fahrt zu gehen. Dem Anspruch wird die Japanerin jedoch nur bedingt gerecht. Während sie sich zweifelsfrei auf großer Tour am wohlsten fühlt, bietet sie eher Sports-Tourer Feeling denn Enduro Spaß. Dabei löste der Durschnittsverbrauch von 8,7 Litern auf 100 Kilometern am Ende unseres Tests keine Jubelstürme aus. Hier wäre von Herstellerseite nachzubessern.

Dennoch bietet die Honda Varadero reichlich Fahrspaß und der gebotene Komfort ist im oberen Segment der „Limousinen“ anzusiedeln. Die Fahrleistungen waren durchweg überzeugend und die Ausstattung, wenn preislich auch nicht unerheblich, sehr umfangreich. Dabei bietet die Varadero die gewohnte Honda-typische Leichtigkeit im Handling. Alternativen zur Japanerin bietet etwa Triumph mit der Tiger 1050 SE ABS ab 12.690 Euro oder Yamaha mit der Z1000SX ab 13.295 Euro.


Bewertung –
Honda Varadero XL 1000


Auftritt 1,9
Cockpit 1,7
Fahrbrieb 1,8
Verbrauch 3,5
   
Kosten pro Jahr*  
   
Anschaffungspreis Testfahrzeug 14.512,01 Euro
Kraftstoffkosten** 1.0205,82 Euro
Steuern 73,31 Euro
Wertverlust 2.902,40 Euro
Gesamtkosten pro Jahr:   
4.181,53 Euro
   
Testergebnis/Gesamtprädikat:  
2,2
   

*Kosten pro Jahr setzen sich zusammen aus Kraftstoffkosten, Kfz-Steuer (bei Ganzjahreszulassung), errechnetem Wertverlust (20 Prozent p. a. —  Wertverlust herstellerabhängig)
**Kraftstoffkosten bei 1,54 Euro/Liter Superbenzin und einer jährlichen Laufleistung von 9.000 Kilometern

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Datenblatt Honda Varadero XL 1000
   
Länge/Breite/Höhe: 2.305 mm/925 mm/1.465 mm
Radstand: 1.555 mm
Bodenfreiheit: 180 mm
Sitzhöhe: 838 mm
   
Gewicht (fahrfertig, ohne Kraftstoff): 269 kg
max. Zuladung: 201 kg
Tankinhalt: 25 Liter
Rahmenbauart: Stahlgitterrahmen
Lenkkopfwinkel: 27 Grad
   
Motor: V2-Viertaktmotor, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum: 993 ccm
Leistung: 69 kW/94 PS bei 7.500 Umdrehungen pro Minute
max. Drehmoment: 98 Newtonmeter bei 6.000 Umdrehungen pro Minute
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
 
Testverbrauch: 8,7 l/100 km im Mittel
Getriebe: 6-Gang
Sekundärantrieb: Kette
   
Radaufhängung  
Vorderrad: 43 mm Teleskopgabel
Federweg: 155 mm
Hinterrad: Pro-Link-Schwinge, Zentralfederbein
Federweg: 145 mm
   
Bremsen  
vorn: ABS, 296-mm-Doppelscheibenbremse mit Dreikolbenbremszangen
hinten: ABS, 256-mm-Einscheibenbremse mit Dreikolbenbremszange
   
Reifen  
vorn: 110/80R19 59H
hinten: 150/70R17 69H
Räder  
vorn: 19 x MT2.50
hinten: 17 x MT4.00
   
Preis:  
Basis: ab 12.090 Euro (inkl. 19 Prozent MwSt.)
Testmaschine: 14.512,01 Euro (inkl. 19 Prozent MwSt.)

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3 Kommentare
  • Gast auto.de

    Der von Ihnen angegebene Testverbrauch von durchschnittlich 8,7 Liter ist mir unerklärlich. Ich fahre seit nunmehr vier Jahren eine Varadero XL 1000 Traveler, Bj. 2006 (SD 02). Selbst bei Autobahnfahrten mit Durchschnittsgeschwindigkeit 160 in voll beladenem Zustand mit Seitenkoffern und Topcase habe ich noch nie mehr als 6,5 Liter verbraucht. Auch abseits der Autobahn und härterer Gangart bin ich bisher nicht annähernd in die von Ihnen ermittelten Verbrauchsregionen vorgestoßen. Im Gegenteil: Bei gemütlicher Fahrt habe ich mit einer Tankfüllung schon mehr als 500 Kilometer geschafft, womit beim Verbrauch eine 4 vor dem Komma stand. War mit Ihrer Testmaschine vielleich etwas nicht in Ordnung?

    Lothar Braun, Alsfeld

  • M. Butterfly

    Den Verbrauch halte ich für absolut falsch!! ich fahre eine SD02 mit scharfer Gangart, und habe einen Verbrauch zwischen 5,2- 5,9l/ 100km. wurde hier vieleicht ein alter Vergasermotor getestet???

  • Tom

    Hey.dem kann ich nur zustimmen von hr.butterfly.ich fahre auch die s02 Bj.2004.höchster Verbrauch bei sehr Strafe Fahrweise 6.3 l/100 km .sonst zwischen 5.5/100’bis max 6..o/100km.für Gewicht und Motor völlig i.o.bei dem kofort das das Motorrad bietet.danke.gute Fahrt 2016