Gefährdung des Bahngüterverkehrs durch Gigaliner?

Gefährdung des Bahngüterverkehrs durch Gigaliner?

Lange geisterten die sogenannten Gigaliner als Lkw-Schreckgespenster durch die Medien, nun wird es ernst: Ab Januar 2012 läuft in mehreren Bundesländern ein fünfjähriger Feldversuch für die Lang-Lkw mit bis zu 25,25 Metern Länge und 44 Tonnen Gewicht an.

Da sie deutlich wirtschaftlicher als herkömmliche Lkw operieren, gefährden sie zentrale Märkte des Bahngüterverkehrs, so das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung. “In dem Maße, in dem die Wirtschaftlichkeit im Straßengüterverkehr steigt, verschärft sich der Wettbewerb zwischen Schiene und Straße”, so Dr. Claus Doll, Studienleiter am Fraunhofer-Institut. “Die Einführung von Lang-Lkw würde die Diskussionen über die Zukunft des Einzelwagenverkehrs, die bereits jetzt in einigen europäischen Staaten im Gange sind, noch weiter zuspitzen”, so Doll.

Was auch die Fraunhofer-Experten zugestehen:

Bei optimaler Auslastung ersetzen zwei Lang-Lkw drei herkömmliche Lkw und reduzieren damit auf einen Schlag Transportkosten, Kraftstoffbedarf, CO2-Emissionen und Stau. Und da sich die Last auf mehr Räder verteilt als bisher, sollen nach Expertenmeinung sogar die Belastung der Straßen und damit die Folgekosten für die Volkswirtschaft abnehmen.

Aber die Situation ist komplizierter, als es zunächst erscheint: Was Umwelt-, Klima-, Sicherheits- und Lärmkosten je Ladungstonne angeht, sind die Gigaliner etwa zehn Prozent effizienter als herkömmliche Lkw – jedoch immer noch vier- bis fünfmal teurer als Transporte per Bahn. Mit der Zulassung von Lang-Lkw mit 44 Tonnen Gewicht und 25,25 Metern Länge entstünden mit den ermittelten Verlagerungen von der Schiene auf die Straße zusätzliche externe Kosten des Verkehrs von 110 Millionen Euro pro Jahr.

Zwar werde es im Straßengüterverkehr auch Effizienzgewinne geben, diese würden jedoch durch die Verlagerung von der Bahn zu großen Teilen neutralisiert werden, so Doll weiter. Die EU-Kommission hat im Weißbuch 2011 angekündigt, die negativen externen Effekte des Verkehrs bis 2030 drastisch zu reduzieren – mit einer generellen Zulassung von Lang-Lkw sei dieses Ziel jedoch schwerer erreichbar. Deshalb, so die Forscher, solle die Einführung überlanger Lkw kritisch hinterfragt werden.

Eine erneute Stellungnahme von Gigaliner-Förderer und Bundesverkehrs-Minister Peter Ramsauer (CSU) war zur Stunde nicht zu erhalten.

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