Sättigung bei Kfz-Neuzulassungen erreicht? - Magazin von auto.de

Sättigung bei Kfz-Neuzulassungen erreicht?

Jürgen Winkler — Seit dem Jahr 2000 stagniert in Deutschland die Zahl der Neuzulassungen privater Kfz. Das Berliner »Büro für Zukunftsfragen f/21« interpretiert diese Tendenz in einer Studie als »Peak Car«. In Anlehnung an den Begriff »Peak Oil«, der den Zeitpunkt des weltweiten Ölfördermaximums bezeichnet, sehen die Autoren der Studie den Höhepunkt der privaten Kfz-Neuzulassungen in Deutschland überschritten.

Für diese Entwicklung werden in der Studie mehrere Ursachen analysiert. Das Auto ist für die jüngere Generation – vor allem in städtischen Regionen – kein Statussymbol mehr, es verliert an Attraktivität und wird finanziell als Belastung empfunden. Demgegenüber nimmt der Anteil der über 60-Jährigen am Autoverkehr kontinuierlich zu. Diese Generation wurde mit dem Auto sozialisiert und hält ihm die Treue.

Dagegen haben sich bei jüngeren Menschen die Prioritäten verlagert. Nicht das Auto steht an erster Stelle, sondern Ausbildung und Studium. Der durch die langjährige Ausbildung verzögerte Berufseinstieg, die Unsicherheiten am Arbeitsmarkt und die meist späte Familiengründung führen dazu, dass der Fahrerlaubniserwerb und der Kauf eines eigenen Autos immer weiter aufgeschoben werden.

Begünstigt wird dieses Aufschieben durch preiswerte ÖPNV-Tarife für Auszubildende und Studenten und die enorme Verkehrsdichte in deutschen Städten. Beide Faktoren lassen ein eigenes Auto überflüssig erscheinen – man stünde ohnehin im Stau oder vergeude seine Zeit mit der Parkplatzsuche, während man den öffentlichen Personennahverkehr kostengünstig nutzen kann.

Sättigungsgrenze bei Neuzulassungen privater Kfz erreicht?

Sättigungsgrenze bei Neuzulassungen privater Kfz erreicht?
Copyright: istock.com

Als weitere Gründe für die Stagnation der Kfz-Neuzulassungen nennen die Autoren die scheinbar unablässig steigenden Kraftstoffpreise und Fixkosten der Fahrzeughaltung (Anschaffungspreis, Wertverlust, Kfz-Haftpflichtversicherung). Allein die Fixkosten verzeichneten zwischen 2005 und 2011 einen Anstieg von elf Prozent.

Die Autoren machen beim Thema Automobilität einen deutlichen Wertewandel in der Gesellschaft aus. Die jüngere Generation definiert sich heutzutage weniger über das eigene Auto, sie sieht das Auto eher als eine mobile Möglichkeit unter mehreren – neben Fahrrad, ÖPNV oder Carsharing. Laut einer Umfrage können sich 28 Prozent der Deutschen vorstellen, auf ein eigenes Auto zu verzichten; bei jüngeren Personen zwischen 18 und 34 Jahren sogar 34 Prozent. Von den Befragten würden 86 Prozent den ÖPNV benutzen, 85 Prozent das Fahrrad und 33 Prozent Carsharing.

Sättigungsgrenze bei Neuzulassungen privater Kfz erreicht?

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Der Wertewandel löst auch ein Umdenken beim Konsumverhalten aus. Mobilität wird zunehmend mit Ressourcenschonung und Umweltschutz verknüpft. Entsprechend steigt die Akzeptanz von Elektro- und Hybridautos sowie des Carsharings. Ein mit anderen Nutzern geteiltes Auto ersetzt nach Angaben von cambio vier bis acht Privatfahrzeuge. Zudem erleichtern Smartphones und Apps die Ortung verfügbarer Fahrzeuge und machen das einst private Auto zum vernetzten Auto.

Carsharing erlangt deshalb eine immer größere Bedeutung – ob als unternehmerisches Angebot (cambio, Flinkster), Mitfahrgelegenheit, privates p2p-Carsharing (Privatpersonen verleihen ihr Auto gegen eine geringe Gebühr an Dritte) oder als Sharingflotte der Autohersteller (Daimler car2go, BMW DriveNow). Der Zuwachs des Caresharings lässt sich mit Zahlen verdeutlichen: 1997 standen in Deutschland ca. 1.000 Fahrzeuge für 20.000 Carsharer zur Verfügung; 2012 teilten sich 220.000 Menschen ca. 5.500 Fahrzeuge.

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