Kommentar: Der Komödien-Stadler
mid Groß-Gerau - Audi-Chef Rupert Stadler steht angesichts der Diesel-Affäre vor einer ungewissen Zukunft. Derzeit sitzt er wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft.
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Audi-Boss

Kommentar: Der Komödien-Stadler

Die Schere innerhalb unserer Gesellschaft geht immer weiter auseinander. Und die Entwicklung nimmt zum Teil groteske und bedenkliche Formen an. Jüngstes Beispiel: Audi-Vorstand Rupert Stadler wird wie ein Schwerverbrecher einkassiert und zur U-Haft weggeschlossen. Doch was kommt als Nächstes? Ein Kommentar.

Ist Stadler wirklich der Bösewicht?

Der Mann ist ein mächtiger Manager und lenkt seit vielen Jahren die Geschicke der Marke mit den vier Ringen. Und das mit großem Erfolg. Rupert Stadler ist Aufsichtsrat beim Deutschen Fußball-Meister Bayern München und überall respektiert. Nun wird man den Eindruck nicht los, als handele es sich bei dem Vorstand um einen finsteren Bösewicht à la Hollywood. Als sei er bei Rot über die Kreuzung gefahren und habe mit seinem A8 ein kleines Kind totgefahren. Oder hat er eine Bank überfallen und Geiseln genommen? Pustekuchen! Verdunkelungsgefahr in der unsäglichen Diesel-Affäre, heißt es.

Irgendwie stimmen in der deutschen Rechtssprechung die Relationen nicht mehr, mag man dabei denken. Das mussten vor Rupert Stadler auch andere Säulen der Gesellschaft am eigenen Leib erfahren. Postchef Klaus Zumwinkel beispielsweise oder der einstige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, den der Knast krank und kaputtgemacht hat. Auch an Tennis-Vater Peter Graf oder Bayern-Boss Uli Hoeneß wurde ein solches Exempel statuiert.

Warum werden nicht die Konzerne bestraft?

Warum hat man sie weggesperrt? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, ihnen eine doppelte Geldstrafe aufzubrummen und die vielen Millionen einer guten Sache zukommen zu lassen? Nein, denn der kleine Mann will, dass die da oben jetzt bezahlen müssen, egal wofür. Der Spaltpilz vergiftet unsere Gesellschaft jeden Tag ein bisschen mehr. Und die Gerichte hecheln scheinbar nur noch hinterher. Es bereitet so manchem offenbar eine Freude, wenn Wirtschaftsbosse bei Nacht und Nebel von schwerbewaffneten Beamten abgeführt werden.

Auch für Rupert Stadler ging der Daumen jetzt nach unten. Das ist, wenn man die Fakten sprechen lässt, sicher vertretbar. Die deutschen Autobauer, allen voran der VW-Konzern, haben nun mal im großen Stil getrickst und geschummelt. Warum allerdings packt die Politik diese Konzerne nicht da, wo es am meisten wehtut: am Geldbeutel? Die Autobauer übernehmen die kompletten Kosten für die Umrüstung der betroffenen Diesel-Fahrzeuge, Software und Hardware versteht sich. Dazu gibt es noch einen gigantischen Bußgeld-Fonds von 100 Milliarden Euro, dessen Aufgabe es ist, Umweltprojekte zu fördern.

Aber nein, auf diese Idee kommt ja niemand. Dabei wäre es so einfach. Stattdessen werden weiterhin einzelne Manager an den Pranger gestellt. Nur: Das macht keinen Diesel sauberer. Rupert Stadler sitzt dennoch in Untersuchungshaft und ist solange von allen Vorstandsaufgaben beurlaubt. Warten wir mal ab, wie dieser Komödienstadel ausgeht.

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