Digitales Museum

Seat „Digital Museum“: Virtuelles Rampenlicht in der Wolke

Der spanische Autobauer Seat hatte sich bereits 2015 vorgenommen, ein digitales Marken-Museum zu erschaffen. Zu diesem Zweck luden die Katalanen im Sommer 2015 je 20 der begabtesten spanischen und deutschen Architekturstudenten zum „Seat Archithon“-Designwettbewerb nach Barcelona ein. An diesem Wochenende gewann das Konzept „Cloud Museum“: Ein digitales Museum in Form einer Wolke, erdacht von drei deutschen Studenten. Unter dem Namen „Seat Digital Museum“ wurde die Gewinneridee inzwischen auf seat.com virtuelle Realität.

Seat Digital Museum: Virtuelle Außenansicht.

Seat Digital Museum: Virtuelle Außenansicht.
Copyright: Seat

Der Begriff „Archithon“ setzt sich zusammen aus Architektur und Marathon. Unter diesem Titel bestritten die Nachwuchsarchitekten im Sommer vergangenen Jahres ein Kreativ-Wochenende zur Entwicklung verschiedener Designkonzepte. Über 48 Stunden tüftelten sie in Gruppen an Ideen zur Verwirklichung der Vorgabe: die Erstellung eines modernen und interaktiven, digitalen Automobilmuseums für Seat. Mit großem Ehrgeiz entwickelten die Teams im „One Ocean Club“, einem modernen Gebäude im Port Vell Yachthafen, bei wenig Schlaf ihre Konzepte. Daneben bot Seat seinen „Archithon“-Teilnehmern die Gelegenheit, an Workshops und Konferenzen zum Thema „Connectivity“ teilzunehmen. Demonstriert wurde das Beispiel eines Seat Leon X-Perience.

Den Siegerentwurf entwickelten die drei deutschen Architekturstudenten Anton Sahler, von der Technischen Universität Darmstadt, Ksymena Borczynska, Studentin der Universität Kassel und Patricia Loges, die an der Technischen Universität Berlin studiert. „Die Form des digitalen Museums bildet eine Wolke, die frei von Stadt zu Stadt reisen kann.“, beschreibt Christian Stein, Seat Marketing Direktor, der auch Jury-Mitglied war, das virtuelle, automobile Museum. Zusätzlich zu einem Geldpreis durften die Ideengeber die Details ihres Konzepts weiter ausarbeiten. Patricia Loges vom Gewinnerteam erklärt für ihre Teamkollegen: „Mit diesem Preis können wir endlich unsere Architekturfähigkeiten in einem realen Projekt unter Beweis stellen. Es ist wunderbar, dass Firmen wie Seat solche Wettbewerbe organisieren und talentierten Studenten eine Chance geben.“

Das digitale Seat-Museum bildet die gesamte Unternehmensgeschichte seit 1950 ab und gewährt einen Ausblick auf die Zukunft. Die dort präsentierten Exponate werden mit ihren Entstehungsgeschichten, besonderen Charakteristika, sowie technischen und historischen Daten vorgestellt. Dem Onlinebesucher ist es dabei möglich, gezielt und interaktiv auf die Seat-Historie zuzugreifen. Neben der digitalen Dauerausstellung in Schrift, Bild und Video gibt es auch wechselnde Sonderausstellungen zu erkunden. Lebhaft inszeniert rücken hier wechselnde Aspekte der Firmengeschichte und symbolträchtige Modelle, samt ihrer Schöpfer, ins virtuelle Rampenlicht.

Seat Digital Museum: Virtuelles Exponat Seat Ibiza (1984).

Seat Digital Museum: Virtuelles Exponat Seat Ibiza (1984).
Copyright: Seat

Die Grundlage für das digitale Museum bildet die historische Sammlung „Colección de Coches Históricos de Seat“ im Südwesten Barcelonas. Dort liegt das Industrie- und Gewerbegebiet Zona Franca mit der unscheinbaren Lagerhalle A-122. Sie ist das Heim der im Verborgenen gelegenen und weltweit größten Sammlung historischer Seat-Schmuckstücke. Die Klassiker sind Zeugen von mehr als 60 Jahren bewegten Firmenhistorie.

Am 9. Mai 1950 wurde hier die „Sociedad Española de Automóviles de Turismo S.A.“, kurz Seat, gegründet. Im Jahr 1953 rollte mit dem 1400 das allererste Fahrzeug der spanischen Autoschmiede über das Fließband. Die große und luxuriöse Limousine wurde durch ihr elegantes Design schnell zu einer Ikone ihrer Zeit. 925 Mitarbeiter produzierten damals täglich fünf Einheiten. Nach der Massenmotorisierung Spaniens, Ende der 1960er Jahre und einem rasanten Wachstum zur Zeit des Wirtschaftswunders, wurde ein gelber 124er zum nächsten Meilenstein in der Firmengeschichte. Im Mai 1968 wurde er als einmillionster Seat der Öffentlichkeit präsentiert. Bei der Show “Eine Million für den Besten” des spanischen Fernsehsenders RTVE wurde er an Rosa Zumárraga verlost, die jedoch leider keinen Führerschein besaß.

In den darauffolgenden 1970er Jahren nahm das Technologie-Zentrum in Martorell, 30 Kilometer nordwestlich von Barcelona seine Arbeit auf. Heute befindet sich hier der Hauptsitz und neben Barcelona das zweite Seat-Stammwerk.

Foto aus dem Seat Digital Museum: Start der Ibiza-Produktion (1984)

Foto aus dem Seat Digital Museum: Start der Ibiza-Produktion (1984)
Copyright: Seat

In der Halle A-122 hingegen führt heute Isidre López Badenas, der gelernte Industriemeister und Chef der historischen Sammlung, ausschließlich angemeldete Fachbesucher durch die Sammlung. Er versteht es, mit seinen Ausführungen die Gäste in den Bann der historischen Seat-Preziosen zu ziehen. So auch beim 1984 gebauten Rallye Ronda. Dieser war nicht nur Rallye-Sportwagen, sondern auch der erste offiziell exportierte Seat. Sein Auftritt fiel in eine für den spanischen Autobauer wichtige Zeit. Denn 1982 unterzeichnete Seat mit Volkswagen ein Produktions- und Wirtschaftsabkommen, wonach 120.000 VW-Modelle pro Jahr – Polo, Santana und Passat – in Katalonien produziert wurden. 50.000 Einheiten davon waren für den Export bestimmt.

Fast zur gleichen Zeit rollte mit dem Seat Ibiza im April 1984 der erste in Eigenregie entwickelte Wagen vom Band. Mit einem Design von Giugiaro, einem Motor “System Porsche” und der Fahrgastsicherheitszelle von Karman konnte Seat dafür erfahrene Partner um sich sammeln. 1986 übernahm Volkswagen mit 51 Prozent die Mehrheit an Seat und erhöhte die Beteiligung im Dezember gar auf 75 Prozent. In Folge wurde der sechsmillionste Seat auf die Räder gestellt. Der Mitarbeiterstamm wuchs auf 22 197 Personen, und die Motorsport-Abteilung “Seat Sport“ wurde gegründet.

„All diese Daten, Fakten und Geschichten rund um die Firmenhistorie möchten wir für die zunehmend digitale und mobile Gesellschaft aufbereiten und endlich erlebbar machen,“ erläutert Seat Marketing Direktor Christian Stein. Als Automobilhersteller mit einer Markenpräsenz in 27 Ländern der Erde sieht Stein das „Digital Museum“ als „besten Weg zur Überwindung aller Grenzen“ und zur weltweiten Präsenz. „Dort ist unser Publikum und dort wollen wir hin.“

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