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Fahrbericht Daewoo Lacetti: Annährung aus Fernost zum Kampfpreis

Mit dem jüngsten Spross der Koreaner im hart umkämpften Segment der Kompakten – dem Lacetti – beweist Daewoo, dass der Abstand fast nicht spürbar ist und bietet sein Produkt zum fast schon Hersteller- üblichen Kampfpreis an. Im Test der 1,8-Liter-Benziner mit 90 kW/122 PS, der zugleich das Spitzenmodell der Baureihe bildet.
Daewoo Lacetti. Foto: Auto-Reporter
Rein äußerlich kommt der Lacetti (Lateinisch: kraftvoll, muskulös) flott gestaltet daher. Der italienische Designer Giugiaro legte Hand an – und das nicht schlecht. Die ein wenig an ein Coupé anmutende Linie mit Mandelaugen in Klarglasoptik ist gelungen. Mit fast 4,30 Metern Länge übertrifft der Lacetti den Golf um fast zehn Zentimeter (4,20 Meter). Das kommt in erster Linie den Fondpassagieren zu Gute, dort bietet der Koreaner für diese Klasse viel Platz. Der Kofferraum ist klein (275 Liter) für einen Kompakten und kann durch umlegen der Sitze auf 1045 Liter erweitert werden. Hier haben Golf (330) oder Astra (350) mehr zu bieten.
Der getestete 1,8-Liter ist ausschließlich in der Top-Version CDX lieferbar, die ein wenig Luxus ins Autofahrerleben bringt. Eine kleine Auswahl: Klimaautomatik, CD-Kassettenradio mit Fünffach-CD-Wechsler und acht Lautsprechern, Nebelscheinwerfer, Regensensor sind mit an Bord. So ausgestattet kostet der Lacetti inklusive Metallic-Lack 16 100 Euro. Dafür ist ein ESP allerdings gar nicht erst lieferbar – ein Manko, dass mit Geld kaum aufzuwiegen ist. Vier Airbags sind mindestens zwei weniger als bei den Mitbewerbern. Auch wenn die Sicherheitsausstattung ansonsten komplett ist, zeigt eben doch, dass die Preise der Koreaner nicht zuletzt auch durch solche Sparmaßnahmen möglich sind. Dafür hat der stärkste Lacetti eine Traktionskontrolle mit an Bord.
Der Motor ist ein munterer Geselle. 90 kW/122 PS reichen aus, um auf der Autobahn immerhin 194 km/h schnell sein zu können und in 9,5 Sekunden auf Tempo 100 zu spurten. Das macht den Koreaner noch nicht zum Sportwagen, aber es reicht, um flott voran zu kommen. Aber der Lacettti will geschaltet werden. Die fünf Gänge rutschen problemlos durch die Gasse, das erleichtert die Sache. Das maximale Drehmoment von 165 Newtonmetern liegt erst bei 4000 Touren an, das Fahrzeug braucht hohe Drehzahlen für eine kräftige Beschleunigung. Zwischen 3000 und 4000 Umdrehungen – also in dem Bereich, indem die Autobahnfahrt sich vorzugsweise abspielt – ist das Aggregat recht dröhnig. In der Praxis heißt das: Entweder 140 oder 180 km/h fahren, dazwischen wird es merklich lauter. Außerdem erfüllt es nur Euro 3 – das ist nicht zeitgemäß. Erfreulich der Verbrauch, den Daewoo mit 7,5 Litern Normalbenzin angibt und die der Testwagen fast einhielt (7,8). Auf Wunsch liefern die Koreaner eine Viergang-Wandlerautomatik, einen Diesel haben die Koreaner nicht im Programm – so bringt man sich um Kunden.
Innen dominiert hingegen tristes Hellgrau in Grau. Hier erreicht der Lacetti (noch) nicht das Niveau vor allem der deutschen Mitbewerber. Was aber nicht bedeutet, dass er nicht solide gemacht ist: Die Sitze sind bequem, die Bedienung klar und einfach. Fünf Rundinstrumente, das reicht für einen soliden Überblick. Selbst auf längeren Strecken stützen die Sitze den Lendenwirbelbereich befriedigend. Das Fahrwerk ist deutlich an europäischen Maßstäben ausgerichtet: relativ straff, aber ausreichend komfortabel. In schnell gefahrenen Kurven schiebt der Lacetti über die Vorderräder und bleibt leicht beherrschbar. Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung ist direkt und vermittelt ordentlichen Kontakt zur Straße.
Fazit: Der Daewoo Lacetti ist ein solides Auto ohne große Schwächen. Er erreicht nicht ganz sein Vorbild Golf, dafür ist er ausstattungsbereinigt aber auch erheblich billiger. Für die Koreaner ist dennoch ein Quantensprung, denn er zeigt, dass der Abstand mit jeder Fahrzeuggeneration kleiner wird. Und was wäre, wenn Daowoo irgendwann ein absolut gleichwertiges Auto zum wesentlich günstigeren Preis anbieten würde und dazu noch ein ESP mitliefert?
Von Stephan Bähnisch
19. Oktober 2004. Quelle: Auto-Reporter

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