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Fahrbericht Jaguar S-Type 2,7 V6d: Auch mit Diesel schnurrt die Katze

Wie z. B. beim Eiskunstlaufen gibt es den Bekanntheits- und Popularitäts-Bonus, der in der Regel auch nach den ersten knappen Fahreindrücken nicht wesentlich geschmälert wird. Erst später bei der längeren Nutzung stellt sich dann heraus, ob der erste Eindruck wirklich der Richtige war. Oder sich doch noch Schwachstellen, aber auch anfangs nicht so recht gewürdigte Stärken zeigen. Meist sind es ärgerliche Kleinigkeiten, die einem erst im Alltags-Betrieb auffallen – seltener umgekehrt. Wie zum Beispiel jetzt beim Jaguar S-Type mit 2,7-Liter-V6-Dieseltriebwerk, der seit Mai in Deutschland angeboten wird.
Jaguar S-Type. Foto: Auto-Reporter/Jaguar
Vorausgesetzt, man ist Anhänger einer Fahrweise, die einen sportiv, sicher und komfortabel zugleich von A nach B kommen lässt und ist in der glücklichen Lage, sich zum Transport sperriger Güter auch einmal einen Kombi ausleihen zu können, für den ist die 1999 eingeführte und jetzt überarbeitete mittlere Baureihe von Jaguar mit dem erstmals eingebauten Dieseltriebwerk mehr als eine Alternative. Vereint das Fahrzeug nach fünfjähriger Bauzeit doch nun mehr oder weniger alles, was die britische Edel-Limousine vor 20, 30 Jahren auszeichnete und was ihr damals zu einem Alltagsauto noch fehlte. Neben grenzenlosem hohen Image, britisches Understatement-Design und Fahrspaß pur jetzt eben auch Motor-Standfestigkeit, saubere Verarbeitung und Zuverlässigkeit sowie – noch vor kurzem wäre das mehr als "shocking" gewesen – einen Selbstzünder, der die Raubkatze jedoch fast so schnurren lässt, als ob ein V6- oder V8-Benziner unter der neuerdings aus Aluminium bestehenden Motorhaube untergebracht wäre.
Wobei "Schnurren" vor allem auf die Laufruhe gemünzt ist, während beim Beschleunigen und im Fahrbetrieb der 152 kW/207 PS starke V6 mithilfe von vier oben liegenden Nockenwellen, 24 Ventilen, zwei elektronisch gesteuerten Turboladern mit variabler Geometrie und Common Rail-Technologie der zweiten Generation mit schneller Piezo-Einspritzung und dank eines Drehmoments von 435 Newtonmetern – 80 Prozent sind bereits ab 1500 Umdrehungen verfügbar – den Jaguar durchaus zur Raubkatze macht. Erst allmählich stellt man fest, das bei der vorhandenen Durchzugskraft auch Halbgas ausreicht, um selbst schnelle Überholvorgänge locker bewältigen zu können. Den Dank für diese Erfahrung erhält man dann an der Zapfsäule, wo der von uns gefahrene Jaguar mit dem harmonisch abgestimmten ZF-Sechsgang-Automatik-Getriebe zwar nicht an die angegebenen acht Liter herankommt, sich mit durchschnittlich knapp über neun Liter aber dennoch als sehr sparsam erweist.
Und diese Kraft bringt der S-Type auch bei den unterschiedlichsten Straßen- und Witterungs-Bedingungen auf den Asphalt bzw. Schotter, da die britischen Techniker mit einer weiteren, mehr europäischem Geschmack angepassten Aufhängungs-Modifizierung, einer strafferen Abstimmung und einer recht direkten Lenkung, die ein gutes Gefühl zum Straßenbelag gibt, ganze Arbeit geleistet haben. Die "Kollegen" aus München und Ingolstadt sind in dem Punkt zwar noch agiler und dynamischer, aber in der Summe der ausgewogenen Fahreigenschaften setzt der S-Type doch schon beachtliche Maßstäbe. Auch wenn ihm Jüngere das wegen seines Retro-Designs auf Anhieb vielleicht gar nicht zutrauen.
Gehobenes British Understatement herrscht trotz Executive-Ausstattung auch im Innenraum, in dem man sich aber auch als Kontinental-Europäer auf Anhieb wohl fühlt und vor allem dank der ergonomisch sinnvoll angeordneten Bedienhebel und Funktions-Schalter sofort zurecht kommt. Die Sitze entpuppen sich trotz einem anderen, ersten Eindruck als bequem und bieten guten Seitenhalt und auch die optische Enge im Fond erweist sich im Alltag bei vier durchschnittlich großen Menschen als nicht üppig, aber immer noch so bequem, dass eine Fahrt von Hannover nach München alles andere als zur Strapaze wird. Lediglich das Volumen des Kofferraums mit 400 Litern wird auch in der Praxis nicht größer, zumal die Ladekante zwar niedrig ist, aber die Nutzbarkeit durch die zu geringe Innenhöhe doch arg eingeschränkt ist. Ein anderer vermeintlicher Schwachpunkt, die schlechte Übersicht nach hinten, ist allerdings nach zwei Tagen vergessen. Gewöhnung an ein Fahrzeug macht eben bei der Beurteilung der Alltagstauglichkeit doch eine Menge aus.
Von Frank Braun
27. September 2004. Quelle: Auto-Reporter

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