Ford

Ford und der Focus: Gesund geschrumpft und angepasst

Mit dem neuen Ford Focus sind die Kölner bei Modell Nummer 43 angelangt, und die soll eine ganz große Nummer werden. Dieses hohe Ziel verfolgt auch der Konzern, der auf dem Weg dorthin ein gutes Stück vorangekommen ist.
Der neue Ford Focus. Fotos: MJ
Optimismus verbreitet der deutsche Vorstandschef Bernhard Mattes, der den Konzern gut für die Zukunft aufgestellt sieht: "Wir arbeiten fast mit 100 Prozent Auslastung und haben in elf aufeinander folgenden Quartalen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Egal wo wir produzieren, wir sind an allen Standorten wettbewerbsfähig." Ford hat sich mit seiner "45 in 5" Strategie reorganisiert und bereits das hinter sich, was Opel in Deutschland noch bevorsteht: die umfassende Gesundschrumpfung und konsequente Anpassung der Produktionskapazitäten an die Markterfordernisse. Seit dem Jahr 2000 hat Ford die Produktionsstätten von elf auf sechs in Europa reduziert, in Deutschland allein durch Vorruhestandsregelungen 1250 Arbeitsplätze abgebaut und in den verbliebenen Werken gehörig investiert. Allein in die Modernisierung des Kölner Werkes flossen 500 Millionen und in das deutsche Focus-Werk in Saarlouis 734 Millionen Euro.
In diesem Jahr werden noch die letzten zwei Modelle der "45 in 5" Offensive folgen. Doch auch nach Abschluss der europäischen Transformation will sich Ford nicht selbstgefällig zurücklehnen. Mattes: "Bei den Kosten für Material, Strukturen und Prozessen ist noch Luft, da gibt es noch Einsparpotenzial." Denn trotz der Rosskur schreibt Ford in Europa immer noch rote Zahlen, wenn auch nicht mehr so tief rot wie noch vor einem Jahr: Das Defizit von 400 Millionen Dollar im dritten Quartal 2003 ist auf 33 Millionen Dollar im dritten Quartal 2004 geschrumpft. Wenn sich der Focus gut verkauft, könnte Ford im nächsten Jahr sogar wieder schwarze Zahlen schreiben.
Dabei spielt der Erfolg des neuen Focus eine Schlüsselrolle. Die erste Generation, die im Jahr 1998 an den Start ging, avancierte mit mehr als vier Millionen Einheiten schnell zum meistverkauften Modell von Ford, wurde 1999 "Auto des Jahres" und gewann weitere 50 europäische Preise. Nun steht die zweite Generation ab dem 13. November bei den Händlern. Allerdings erst einmal nur als drei- und fünftürige Limousine. Anfang 2005 folgen dann der Turnier sowie die viertürige Stufenheckversion.
Das Grunddesign des Ur-Focus haben die Verantwortlichen bei Ford nur behutsam verändert. Es ist bei den ausgestellten Radkästen ebenso geblieben wie bei der starken Neigung der Frontscheibe und den hoch angesetzten Rückleuchten. Somit ist auch der neue Focus unschwer als solcher zu erkennen, wenn er auch glatter daher kommt als der auf Ecken und Kanten getrimmte Erstling. Die Bodengruppe teilt sich der neue Focus mit den Konzernschwestern Mazda3 und Volvo V40, wodurch der Focus II auf 4,34 deutlich um 17 Zentimeter zugelegt hat. Der Radstand ist im Vergleich zum Vorgänger um 25 Millimeter auf 2,64 Meter verlängert, die Spur um 40 Millimeter breiter. Das Wachstum in die Breite verhilft dem ohnehin schon soliden Kurvenmeister zu einer Agilität, die in diesem Segment fast unerreicht ist. Die geschwindigkeitsabhängig operierende Servolenkung gibt dem Fahrer jederzeit präzise Rückmeldung. So lässt sich der Focus jederzeit auch bei hohen Tempi und auf kurvenreicher Strecke kontrollieren.
Neben den bekannten Duratec-Benzinmotoren mit 1,4-Liter und 59 kW (80 PS) sowie dem 1,6-Liter mit 74 kW (100 PS) und dem Zweiliter mit 107 kW (145 PS) hat Ford einen neuen 85 kW (115 PS) starken Vierzylinder im Angebot. Der 1,6-Liter Duratec Ti-VCT (Twin Independent Variable Camshaft Technology) verfügt über eine Doppelnockenwelle mit variablen Steuerzeiten. 10,8 Sekunden nach dem Start liegt Tempo 100 km/h an, erst bei 190 km/h endet jeder weitere Vortrieb. Dabei begnügt sich der agile Focus mit 6,4 Litern Super pro 100 Kilometer (nach 80/1268/EWG). Alle Benziner erfüllen die Euro-4-Abgasnorm.
Das gilt nicht für die beiden Duratorq-Diesel, den 100 kW (136 PS) starken Zweiliter und den 1,6-Liter-TDCi mit 80 kW (109 PS). Beide erfüllen nur Euro-3 und schaffen erst mit dem aufpreispflichtigen Partikelfilter Euro-4. Eine nicht ganz verständliche Angebotspolitik, denn Dieselfahrzeuge ohne diese sauberste Technik – Euro-4 mit Filter – werden sich als Gebrauchtfahrzeuge künftig, wenn überhaupt, nur noch mit hohen Verlusten vermarkten lassen.
Frontairbags für Fahrer- und Beifahrer gehören ebenso zur Serienausstattung wie Seitenairbags und Kopf/Schulter-Airbags und ABS samt ESP und Sicherheitsbremsassistent EBA. Gegen Aufpreis gibt es sogar eine individuell justierbaren Pedalerie. Scheibenbremsen rundum sorgen für die angemessene Verzögerung.
Innen wirkt der neue Focus hochwertig verarbeitet, das Sicherheitsniveau mit Front-, Seiten- und Kopf/Schulter-Airbags sowie ABS samt ESP und Sicherheitsbremsassistent EBA befindet sich auf dem Stand der Technik. Fünf Ausstattungsvarianten bietet Ford an: Ambiente, Trend, Sport, Ghia und Titanium. Während der Focus Ambiente innen eher spartanisch, aber mit kompletter Sicherheitsausstattung daher kommt, besitzt der Trend schon eine Klimaanlage, elektrisch verstellbare Außenspiegel und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Den Ausstattungsvarianten sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. So ist mit dem "KeyFree-System" schlüsselfreies Ver- und Entriegeln des Autos und das Starten des Motors möglich. Auch adaptive Scheinwerfer, die dem Lenkeinschlag der Vorderräder folgen und so Kurven besser ausleuchten, bietet Ford auf der Extraliste an.
Die Preise beginnen bei 14 375 Euro für den dreitürigen Ford Focus 1,4 Ambiente, der damit 300 Euro preiswerter ist als sein Vorgänger. Das Spitzenmodell Ford Focus Turnier 2,0 TDCi kostet 24 425 Euro. Damit hat der Focus gute Chancen, weiterhin die Nummer 1 bei Ford zu bleiben.
Von Rolf-Peter Bleeker/MJ
3. November 2004. Quelle: Auto-Reporter

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