Gastkommentar: Manager haben mehr Vertrauen verdient
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Der Bundestag hat am Donnerstag ein Gesetz verabschiedet, das Managern ihren Handlungsspielraum beschneiden soll. Manager sollen im Grunde weniger Gehalt bekommen können, die Unternehmensstrategie langfristig ausrichten und mehr Verantwortung für getroffene Entscheidungen übernehmen. Was so einleuchtend klingt, ist in weiten Teilen purer Populismus und allein dem Wahlkampf geschuldet. Denn die in Paragrafen gegossene Misstrauensbekundung gegenüber „Managern“ schränkt auch jene Manager ein, die hervorragende Arbeit leisten. Und das ist zweifellos die große Mehrheit.

Aber angesichts der Krise macht es sich gut, dem Unmut der Wähler wenigstens an dieser Stelle zu entsprechen und Gesetze zu machen, die eigentlich nur die schwarzen Schafe der Manager verdient haben. Weil aber Politiker gern dem Volk aufs Maul schauen, sind sie auch bereit, unsinnige Gesetze als großartige politische Leistung zu verkaufen. Hier zeigt sich einmal mehr, dass unsere politischen Vertreter eigentlich keine Ahnung haben, wie Wirtschaft und wie Unternehmen funktionieren. Kein Wunder, haben doch die wenigsten Politiker unternehmerische Erfahrung, geschweige denn schon mal in einem wirklichen Betrieb gearbeitet, in dem nicht nur bedrucktes Papier, sondern wirkliche Produkte produziert werden.

Deutlich wird angesichts der verabschiedeten Regelungen für Manager, dass die Politik dem Führungspersonal in den Unternehmen misstraut. Das ist keine gute Basis, die Krise zu meistern und danach zu neuen Höhenflügen anzusetzen. Die Politik sollte sich auch in dieser Krise aus der Wirtschaft heraushalten. Es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Wirtschaft entfalten kann. Wer glaubt, Managergehälter beschränken zu können, indem er das Entscheidungsgremium im Aufsichtsrat per Vorschrift vergrößert, liegt falsch. Schon immer wurden Managergehälter auch von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat mit abgenickt.

Die Regelung, die Vorstandsvorsitzenden eine Wartezeit von zwei Jahren abverlangt, bevor sie in den Aufsichtsrat ihres Unternehmens einziehen dürfen, ist ein klares Misstrauensvotum. Die Unterstellung, der Automatismus, dass dem Chef nach seinem Wechsel in den (Pseudo-)Ruhestand automatisch auch der Chefposten im Aufsichtsrat gebührt, führe zu Fehlentwicklungen, ist nur mit Vorurteilen zu begründen. Es ist nicht richtig, dass er damit seine eigene Arbeit der Vergangenheit kontrolliert. Denn die Entscheidungen seiner Amtszeit als CEO sind bereits von einem Aufsichtsrat kontrolliert und abgenickt worden. Wechselt der CEO in seinen Aufsichtsrat, hat er kaum einen Grund und kaum eine Gelegenheit, irgendetwas zu vertuschen. Es sei denn, schon sein Aufsichtsrat hätte etwas gedeckt, was nicht in Ordnung war.

Die neue Regelung lässt den größten Vorteil eines CEO-Wechsels direkt in den Aufsichtsrat außer Acht: die einzubringende Erfahrung und Kontinuität in der Unternehmensstrategie. Wenn erst mal mit dem Unternehmen unzureichend vertraute AR-Vorsitzende Entscheidungen konterkarieren, werden Fehlentwicklungen nicht auszuschließen sein. Wenn der Gesetzgeber schon langfristiges Denken von den Unternehmensführern erwartet, dann hätte er diese Langfristigkeit auch bei der Regelung zum Wechseln in den Aufsichtsrat zum Kriterium machen müssen. Ein von außen kommender Aufsichtsratschef, der sich erst in die Unternehmensgeschichte und -entwicklung einarbeiten muss, ist kein Garant für Kontinuität und Langfristigkeit. Die Manager haben mehr Vertrauen verdient, als die Politik mit den am Donnerstag verabschiedeten Regelungen zum Ausdruck bringt.

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes „PS-Automobilreport“)

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