Gastkommentar: US-Verbrauchspläne – eine Chance für deutsche Hersteller
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Es ist schon seltsam, wie sich Meinungen und Überzeugungen führender CEOs der Automobilindustrie innerhalb kurzer Zeit wandeln können, wenn es opportun ist. Jahrelang hatte zum Beispiel General Motors gegen alle Versuche noch unter Präsident Bill Clinton gewettert, die Verbräuche amerikanischer Autos deutlich zu senken.

Der regierungsamtliche Versuch, zur Jahrtausendwende in Kalifornien zwei Prozent Elektroautomobile vorzuschreiben, war sang- und klanglos wegen Aussichtslosigkeit einkassiert worden. Und alle Bemühungen, die Verbräuche per strengere Regeln zu senken, wurden mit lautem Protestgeschrei bekämpft. Umso verwunderlicher nun, dass Barack Obamas neuer und für amerikanische Verhältnisse ziemlich drastischer Vorstoß in diese Richtung weltweit für einen richtigen Schritt gehalten wird. Ja, es klingt sogar Begeisterung durch, wenn man die Autobosse über die neuen Vorschriften reden hört. Selbst Daimler-Chef Dieter Zetsche war ins Weiße Haus gekommen, um mit dem amerikanischen Präsidenten über seine Pläne zu reden.

Den durchschnittlichen Flottenverbrauch für die Modelle ab Jahrgang 2016 auf rund 6,6 Liter pro 100 Kilometer zu senken (35,5 Meilen pro Gallone), ist eine Revolution. Für Benziner entspricht dies einem CO2-Wert von 155 g/km. Für deutsche Hersteller auf dem US-Markt mit vielen Modellreihen schon heute erreichbar und auch, bezogen auf die Flotte, leicht zu schaffen, zumal die europäischen Vorschriften ja viel strenger ausgelegt sind. Für die US-Hersteller stellen die neuen Vorgaben allerdings eine echte Herausforderung dar, die nicht nur technischer Natur ist. Denn die amerikanischen Kunden wollen noch immer geräumige, sprich große Fahrzeuge kaufen. Das SUV oder der leichte Truck soll also nach wie vor groß sein, darf ab 2016 aber im Flottenschnitt nicht mehr als 6,5 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen. Die Autoindustrie muss nun entweder die Kunden „umerziehen“ oder große Fahrzeuge mit niedrigen Verbräuchen bauen. Beides ist nicht leicht.

Ford-Chef Alan Mulally hat bereits erklärt, dass die Regeln „nicht notwendigerweise“ kleinere Autos bedingten. „Wir werden auch in Zukunft die Autos bauen, die der Kunde wünscht. Aber das ändert nichts an dem Ziel, dass sie jedes Jahr sparsamer werden müssen.“ Kim Hill, Direktor des Centers of Automotive Research in Ann Arbor, sieht das ganz anders: „Es wird nicht leicht werden. Die Hersteller werden um kleinere Fahrzeuge nicht herumkommen. Die Investitionen in Fabriken für kleinere Autos werden sich aber nur schwer auf die Produkte umlegen lassen. Das wird eine echte Herausforderung.“

Das Weiße Haus geht davon aus, dass 2014 in den USA 16,8 Millionen Fahrzeuge verkauft werden. Gleichzeitig schätzt die Administration Obamas die Mehrkosten pro Fahrzeug auf durchschnittlich 1300 US-Dollar. Das macht zusammen fast 22 Milliarden Dollar Mehrkosten pro Jahr, die dann von den Autokäufern aufgebracht werden müssten. Diese Kosten würden schon innerhalb von drei Jahren durch niedrigere Spritkosten ausgeglichen, argumentiert die Regierung.

Dass Amerikas Big Three die Vorgaben nun ebenso lautstark begrüßen wie sie diese früher beklagt haben, hat natürlich viele Gründe. Einer davon ist der, dass gegenüber der neuen Administration gut Wetter gemacht werden muss. Schließlich erwartet die US-Autoindustrie großzügige finanzielle Hilfen vom Staat. Allerdings geben sie sich auch optimistisch in Bezug auf die technische Realisierung. Allein bei den leichten Nutzfahrzeugen, den Light Trucks, gebe es noch viel zu tun, sagt sogar US-Toyota-Chef Jim Lentz. Angesichts eines der größten Light Trucks auf dem Markt, des Toyota Tundra, der gerade mal 15 Meilen (ca. 16 l/100 km) pro Gallone schafft, eine verständliche Äußerung.

GM will den Verbrauchsdurchschnitt auch mit Elektrofahrzeugen senken, dazu sollen Hybride und kleinere Motoren kommen, die per Aufladung die von den Kunden weiterhin erwartete hohe Leistung generieren sollen. Bill Ford gibt sich einsichtig: „Obamas Pläne sind eine schnelle Reaktion, um Schaden von der Autoindustrie abzuwenden.“ Er habe das schon seit Jahren so gesehen, „es wurde aber national nicht genug beachtet“, sagt der Mann, der ein paar Jahre Chef in der Firma war, die seinen Namen trägt.

Da jetzt alle begrüßen, was sie einst bekämpft haben, könnte die automobile Wende zur Sparsamkeit beim Verbrauch nun tatsächlich auf dem US-Markt eintreten. Eine Chance mehr für die deutschen Hersteller, den bereits herausgearbeiteten Vorsprung auf dem Weg zur sparsamen Mobilität auszunutzen.

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