Glocks Bahrain-Resümee: Der Sinn der langen Reise

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(adrivo.com) Im Fahrerlager war es ruhig wie selten. Nur zwei Teams verliefen sich auf dem gigantischen Areal des Bahrain International Circuit in Sakhir vor den Toren Manamas, der Hauptstadt des kleinen Insel-Scheichtums.
Ferrari und Toyota testeten, während die Gegnerschaft ihre Hausarbeiten in der Fabrik absolvierte. Und als die anderen Teams diese Woche in Jerez de la Frontera zu ihren versammelten Probefahrten ausrückten, kamen die Roten und die Rot-Weißen gerade aus Arabien zurück.

Der alternative Weg, den Toyota mitging, stimmt Timo Glock zufrieden. "Es hat auf jeden Fall etwas gebracht, in Bahrain testen zu gehen", versichert das Aushängeschild der Deutsche Post Speed Academy. "Allein schon wegen der Temperaturen. Da hatten wir morgens um halb Neun schon 17 Grad und absolut null Regenwahrscheinlichkeit. Das einzige Problem war ein bisschen sandiger Wind im ersten Testblock."

Die sommerlichen äußeren Bedingungen haben laut Timo einen klaren Vorteil: "Man kann morgens loslegen und wirklich den ganzen Tag voll konzentriert testen, ohne aufs Wetter achten zu müssen. In Europa kann man die ersten Stunden eines jeden Morgens meist vergessen, weil es noch viel zu kalt für die Reifen ist. Und nachmittags muss man oft schon zum Himmel gucken, ob es nicht doch zu nieseln anfängt."

Die hohen Temperaturen brachten gerade für das Verständnis des neuen Toyota eine ganze Menge, weiß Timo. "Denn wir haben eine neue Kühleranordnung, als direkte Folge des neuen aerodynamischen Konzepts. In Bahrain konnten wir abschließend überprüfen, dass die neue Kühlung funktioniert. Und wir erhielten auch ein sehr realistisches Bild dessen, was die Bremstemperatur macht."

Bahrain, Teil II

Der zweite Bahrain-Test von Toyota stand im Zeichen der Renn-Simulationen. Der Odenwälder war dabei in der Qualifikation schneller als sein Teamkollege Jarno Trulli, hatte aber über die Renndistanz das Nachsehen. Denn Timo arbeitet noch daran, den TF108 für seinen Geschmack hinzukriegen. "Mit wenig Benzin an Bord ist das Auto genau so, wie ich es brauche", befindet der 25-Jährige. "Aber mit mehr Benzin und damit auch mehr Gewicht habe ich noch Mühe, um die Kurven zu kommen, ohne dass sich ein Untersteuern einstellt."

Timo fuhr in der Wüste Sakhirs allerdings auch zum ersten Mal eine ganze Renndistanz für die Kölner Mannschaft. Bislang hatte er nur kürzere Turns gedreht. "Man muss das Auto anders hinstellen", berichtet Timo. "Vor allem die Gewichtsverteilung ist dabei ein wichtiges Thema. Mit mehr Gewicht an der Vorderachse kriegt man zwar die Vorderreifen für eine schnelle Runde rasch auf Temperatur. Doch wenn man zu viel Gewicht nach vorn packt, kann es passieren, dass ein Formel 1-Auto aus der Balance fällt, wenn es vorn nicht auch genug aerodynamischen Abtrieb generiert. Dann gerät man ins Untersteuern und macht sich über die Distanz hinweg die Vorderreifen kaputt. Auf diesem Gebiet haben wir in Bahrain viel dazu gelernt."

Nach den zweimal drei Tagen im Scheichtum urteilt Timo: "Wir haben die Mechanik des Autos jetzt voll und ganz durchblickt. Da war nix Überraschendes dabei. Das Auto reagiert auf Änderungen sehr gut. Wir sind derzeit am Limit, so lange, wie wir keine neuen Aerodynamik-Teile bekommen. Noch ist der Wagen konstruktionell leicht untersteuernd angelegt. Aber das wird sich hoffentlich ändern, wenn die neuen Aerodynamik-Teile kommen."

Nicht ablenken lassen

Aus Anadalusien schwappte jeden Tag eine Woge von Test-Nachrichten nach Deutschland. Aber Timo Glock schaute nach seiner Rückkehr aus Bahrain nicht auf das, was die anderen Teams in Jerez abspulten. "Es interessiert mich zwar. Aber es betrifft mich nicht direkt, denn ich habe ja ohnehin keinen Einfluss darauf. Wo wir wirklich stehen, sehen wir ohnehin erst beim Saisonauftakt in Melbourne. So lange konzentriere ich mich darauf, das Beste aus meiner Saisonvorbereitung rauszuholen. Da können die anderen Teams mich nicht ablenken."

Um sich persönlich so schnell wie möglich zu machen, rückte Timo schon am Tag nach seiner Rückkehr wieder in die Sportklinik Bad Nauheim ein. "Ich hatte die freien Tage zwischen unseren beiden Bahrain-Testblöcken dazu genutzt, in Arabien ausgiebig zu trainieren", erzählt Timo. "Es war erstaunlich zu sehen, was das wirklich gebracht hat. Wir sind zwar alle ohnehin schon topfit. Aber am ersten Tag in Bad Nauheim habe ich gemerkt, dass ich beim Intensiv-Training in den sommerlichen Bedingungen Bahrains noch mal einen ordentlichen Schritt gemacht habe. Da geht es zwar nur um Kleinigkeiten, um Verbesserungen von einem hohen Niveau. Aber wenn man genau in seinen Körper reinhorcht, dann kann man das sehr wohl merken."

Nach eineinhalb Tagen in der Sportklinik Bad Nauheim besuchte Timo wieder das Toyota-Team in Köln-Marsdorf. "In erster Linie ging es darum, ein paar Medien-Termine zu koordinieren. Aber wo ich schon einmal da war, schaute ich natürlich auch bei den Ingenieuren vorbei, um mit denen noch mal meine Eindrücke von den Tests zu besprechen. Auch das neue Aerodynamikpaket hat mich natürlich brennend interessiert, denn mit dem fahren wir nächste Woche in Barcelona zum ersten Mal. Da wollte ich schon mal einen Blick drauf werfen."

Eine neue Aerodynamik

Die Basisarbeit dafür ist erledigt. Toyota zündet die zweite Stufe des Testprogramms: Neues Luftleitwerke an den Cockpitseiten, andere Brems-Verkleidungen, modifizierte Aufhängungsteile und ein ganz neuer Frontflügel läuten die Aufrüstung auf jedes Aerodynamik-Paket ein, das in Melbourne am Wagen sein soll.
Toyota wird die neue Aerodynamik in zwei Stufen bringen. "Der neue Frontflügel kommt später als der ganze Rest, denn man hat ihn so lange es ging im Windkanal weiterentwickelt", enthüllte Chefingenieur Dieter Gass in der Motorsport aktuell. "Dabei haben wir noch die Erkenntnisse des ersten Jerez-Tests abgewartet. Aus Bahrain konnten wir aber keine Erkenntnisse mehr einfließen lassen. Sonst hätten wir’s von der Produktion her nicht mehr geschafft."

Die neue Aerodynamik soll laut Gass das Untersteuern ausmerzen, über das Timo Glock und Jarno Trulli nach den ersten Tests noch geklagt hatten. Eine "kleine Diskrepanz an der Vorderachse", nennt Gass das. "Wir sagen beide dasselbe", weiß Timo: "Wir brauchen mehr Downforce und mehr Topspeed." Gass ist überzeugt: Nach den ersten Zahlen aus dem Windkanal erfüllt die neue Aeordynamik dieses Anforderungsprofil.

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