Mercedes-Benz

Mercedes R-Klasse: In der Nische liegt der Profit

Mitnichten, lehren uns die Kreativabteilungen der Hersteller und erfinden immer neue Nischen die mit Modellen gefüllt werden wollen. Und wo ein Angebot entsteht, da generiert sich bei entsprechender Öffentlichkeitswirkung auch eine Nachfrage. Treffliches Beispiel: die neue Mercedes R-Klasse, der erste "Grand Sports Tourer" der Welt.
Mercedes-Benz R-Klasse. Foto: Auto-Reporter/Mercedes-Benz
Mit ihr wollen die Stuttgarter die mobile Gesellschaft weiter flexibilisieren und ganz nebenbei auch das eigene Markenprofil schärfen, das durch die Vermassung der Marke in A, B, C und E-Klasse schon weit fortgeschritten ist. So haben sich die Stuttgarter einer – zumindest partiell richtigen – Erkenntnis besonnen: In der Nische liegt der Profit. Wer den Erfolg will, der muss in die Nische, denn dort liegen jene Elemente, die für den Wert einer Marke unverzichtbar sind und ihn wesentlich mitbestimmen: Image und Profit. Nischenfahrzeuge gehören mittlerweile zum Selbstverständnis vieler Hersteller, endlich hat das auch die Marke Stern erkannt, denn Nischenmodelle sind für die Markenidentität unverzichtbar. Heute muss der Markeninhaber ein Vielfaches mehr tun, um von der Zielgruppe wahrgenommen zu werden. Untreue der Verbraucher und Vermassung der Marken fordern für Erfolgsmarken ein permanentes Feuerwerk auf allen Kanälen der Kommunikation. Für den Erfolg einer Automobilmarken ist ein eindeutiges Markenprofil unverzichtbar. Durch Nischenprodukte wie die R-Klasse schärft sich dieses Profil und erhöht die Wahrnehmung. Allein dadurch erhält die R-Klasse schon ihre Lebensberechtigung.
Die R-Klasse ist ein bulliger Vertreter seiner (neuen) Art. In der kurzen Version 4,92 Meter und in der langen Version 5,16 Meter lang, eignet sie sich nicht für die Fahrt durch europäisch-enge Innenstadtstraßen. Dafür ist das Platzangebot auf allen drei Reihen üppig. Egal ob mit kurzem (2,98 Meter) oder langem (3,22 Meter) Radstand. Mit der R-Klasse hat Mercedes das Reisen weiter kultiviert. Ungeachtet der Tatsache, dass sich Großfamilien eine R-Klasse wahrscheinlich nicht leisten können, hatte die Stuttgarter Marketingabteilung bei der Planung des Raumriesen eben jene Klientel im Visier. Denn in kaum einem anderen Auto lassen sich vier oder fünf Kinder so kommod vom Kindergarten oder aus der Schule abholen. Aber auch die neureichen Jungdynamiker mit Platzbedarf für das Mountainbike, die Surfausrüstung oder die Golfbags für die besten fünf Freunde lehnt Mercedes als Kundengruppe nicht ab, die mindestens 51 504 Euro für den Basisbenziner R350 mit 200 kW/272 PS zahlen müssen. Dafür gibt es dann ein äußerst variables Auto: Die vier Sitze im Fond lassen sich einzeln umklappbar und stellen dann einen Laderaum zwischen 244/314 und 1959/2385 Liter (kurzer/langer Radstand) zur Verfügung.
Für adäquaten Vortrieb sorgt jeder der drei angebotenen Motoren, deren Leistungsspektrum von 165 kW/224 PS bis 225 kW/306 PS reicht. Serienmäßig sind alle Triebwerke mit dem Siebengang-Automatikgetriebe 7G-Tronic kombiniert, die Kraft geht permanent an alle vier Räder. Wirtschaftlichstes Aggregat mit durchschnittlich 9,3 Litern Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer ist der V6-Diesel R320 CDI mit 165 kW/224 PS und einem maximalen Drehmoment von 510 Newtonmetern.
Damit ist die R-Klasse in Verbindung mit ihrer – zugegeben – eingeschränkten Geländetauglichkeit die eierlegende Wollmilchsau für Besserverdiener. Vor allem jenseits des Altantik, denn dort wird die R-Klasse in Tuscaloosa, Alabama, produziert und dort findet sie auch die entsprechend großzügigen Platzverhältnisse zur freien Entfaltung. Europa braucht so ein Auto nicht zwingend, aber für Mercedes als Premium-Marke und "Global Player" ist ein solches Nischenmodell unverzichtbar. Angesiedelt irgendwo zwischen sportlicher Limousine, Kombi, Van und "Sports Utility Vehicle" (SUV) bietet die R-Klasse Platz für sechs Personen in drei Reihen, permanenten Allradantrieb und – gegen entsprechendes Entgelt – alle Annehmlichkeiten, die man so braucht, selbst in der Nische. (ar/mj/RPB)
Von Markus Jantzen / RPB
13. Dezember 2005. Quelle: Auto-Reporter

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