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Müller: „Volkswagen ist viel mehr als Krise“
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Kaum jemand wird heute mit Matthias Müller tauschen wollen. Der Vorstandvorsitzende der Volkswagen AG sah sich heute bei der Bilanz-Presse und -Analysten-Konferenz des Konzerns in der Autostadt in Wolfsburg hunderten internationalen Journalisten gegenüber, die alle mit vielen kritischen Fragen angereist waren.

Dennoch versuchte Müller, seine Kernbotschaft ständig aufs Neue zu stützen: „Volkswagen ist viel mehr als Krise. Aber wir kommen nicht umhin zu sagen: Die aktuelle Situation verlangt uns alles ab – in jeder Hinsicht, auch finanziell“.
Seit dem ersten Blick in die Zahlen von 2015 wissen wir, was Volkswagen für die in Wolfsburg „Dieselthematik“ genannten Vorgänge auf die hohe Kante gepackt hat: 16,2 Milliarden Euro. Da konnten auch die guten Operativen Ergebnisse aus dem Absatz von rund zehn Millionen Fahrzeugen im vergangenen Jahr wenig daran ändern, dass der VW-Konzern das schlechteste Ergebnis seiner Geschichte melden muss. Aber es gehört zur guten Übung im Management, nur die Bilanz eines Jahres mit solchen Sondereinflüssen niederzuknüppeln. Deswegen drückt die Bilanz 2015 auch die Hoffnung aus, damit die „Dieselthematik“ finanziell bewältigen zu können. Müller: „Der Volkswagen-Konzern ist robust genug, um die finanziellen Sondereinflüsse zu verkraften:“ Allein im vergangenen Jahr sei die Nettoliquidität des Konzernbereichs Automobile um knapp 40 Prozent auf 24,5 Milliarden Euro gestiegen.

Müller erinnerte daran, er habe im Oktober des vergangenen Jahres fünf Maßnahmen angekündigt, mit denen das Unternehmen den Diesel-Schaden beheben wolle: Dazu zählten die technischen Lösungen für die betroffenen Fahrzeuge. Die Umrüstung begann termingerecht für den VW Amarok, bei Audi und bei Seat. Bei anderen holpert es. So hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) offenbar erst heute dem Plan für den Golf zugestimmt. In den USA hat das Gericht einem Vergleich zugestimmt, über den das Gericht die Beteiligten zum Stillschweigen verpflichtet hat. Wie man hört, beinhaltet die Vereinbarung eine Entschädigung von 5.000 US-Dollar pro Fahrzeug.

Zu den fünf Punkten gehört auch die lückenlose Aufklärung der „Dieselthematik“ nicht nur durch die interne Revision, sondern durch die externe Kanzlei Jones Day. Die Kanzlei geht davon aus, dass sie im vierten Quartal ihren Bericht vorlegen kann.

Die Punkte 3 bis 5 beziehen sich auf die Arbeitsweise des Unternehmens. Eine leistungsfähigere Struktur mit mehr Selbstständigkeit der Modellreihen und der Regionen zählen dazu, eine neue Unternehmenskultur, die mehr Offenheit, Mut und Kooperation zulässt ebenso wie die Entwicklung einer Strategie für die kommenden 15 Jahre. Müller will den Paradigmenwechsel. Was er innerhalb der neuen Strategie vorhat, will er im Juni erläutern.

Neben den Umstrukturierungen sieht Müller auch die Einrichtung von drei „Volkswagen Group Future Center“ in Potsdam, in Peking uns in Belmont (Silicon Valley). Konnektivität, autonomes Fahren, neue Formen der Mobilität – auch der Elektromobilität – und neue Wege der Entwicklung von Fahrzeugkonzepten werden nun auch bei Volkswagen höher gehängt.

Es lag also nicht an der frisch verkündeten Kaufprämie für Elektroautos, wenn Müller der Elektromobilität in seiner Rede vor den Journalisten und den Bank-Analysten so breiten Raum gab. Heute habe der Konzern neun reine Elektroautos und Plug-in-Hybride im Programm, führte er aus. Bis 2020 sollen mehr al 20 neue, zusätzliche Modelle hinzukommen. „So wollen wir das Elektroauto zu einem neuen Markenzeichen von Volkswagen machen“, sagt Müller.

Als wichtige Meilensteine auf diesem Weg sieht Müller den „Mission E“ von Porsche und das batterieelektrische Flaggschiff der Marke Volkswagen, dem „Nachfolger“ des VW Phaeton und das Audi E-tron Quattro Concept, dem Vorläufer für das künftige Elektro-SUV von Audi mit Reichweiten oberhalb 500 Kilometer, das bereits ab 2018 in Brüssel vom Band rollen soll. Mit einem Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) sollen neue Fahrzeuge mit mehr als 500 km Reichweite möglich werden. Die ersten Modelle auf MEB sollen noch in diesem Jahrzehnt laufen.

Jetzt geht es erst einmal darum, dieses schwierige Jahr 2016 zu meistern. Beim Absatz rechnen die Wolfsburger fürs Gesamtjahr mit rund fünf Prozent weniger. Dennoch sagt Müller: „Wir sind in Anbetracht der schwierigen Bedingungen mit dem Start ins Jahr 2016 zufrieden. Allzu viel Rückenwind von der Marktseite erwarten wir nicht.“

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