Nicky Hayden: Aufgeregt in Indy
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(adrivo.com) Wie angekündigt hat Nicky Hayden am Montag die ersten Motorradrunden auf der neuen Strecke in Indianapolis getätigt. Zunächst noch etwas im Schongang auf einer Indian von 1909 unterwegs. Dazu hatte er sich auch die passende Kleidung angezogen und sah aus, als ob er einer der Fahrer des ersten Rennens in Indianapolis gewesen wäre. Nach der etwas langsameren Ausfahrt unternahm er noch ein paar flottere Runden auf einer Honda CBR1000RR. Die Eindrücke dieser Ausfahrt wird er in Estoril der Safety Commission mitteilen, damit nötigenfalls noch nachgebessert werden kann. Nach seinen Runden äußerte sich Hayden in einer Pressekonferenz. Und das hatte er zu sagen:

Nicky, wir wollen zuerst deine Reaktion zu den Runden auf der 2009er… Entschuldigung, der 1909er-Indian hören.
Nicky Hayden: Ehrlich gesagt, als sie sie zum ersten Mal gestartet haben, dachte ich: ‚Mann, auf was habe ich mich da eingelassen?‘ Denn als sie gestartet wurde, war sie nicht bereit, dass man an ihrem Gas herumarbeitet. Es war aber echt cool. Und dann die Kleidung. Ich habe meinen Helm echt gut gefunden. Das war wahrscheinlich mein Lieblingsteil. Diese Typen waren Männer und ich kann mir nicht vorstellen, mit dieser Maschine hier ein Rennen zu fahren. Es war aber recht einzigartig und eine Ehre, der Erste zu sein, der auf dem berühmten Speedway die neue Strecke fährt.

Also ja, ich habe es genossen und die Maschine fuhr perfekt. Ein wenig Öl tropfte herunter, also bin ich von der Rennlinie weggeblieben. Aber abgesehen davon, lief das Ding die ganze Zeit perfekt. Die Hinterbremse war wie bei meinem Fahrrad früher. Es war einfach ein Bremsklotz, also war das ziemlich interessant, aber ich habe es genossen.

Gestern hattest du die erste Gelegenheit, den Indianapolis Motor Speedway selbst zu sehen. Du warst schon in Indianapolis bei einem Rennen auf den Indiana State Fairgrounds, aber es war das erste Mal am Speedway. Wie waren deine Eindrücke?
Nicky Hayden: Naja, ich habe es mir schon groß vorgestellt, aber ich hatte mir den ganzen Speedway mit den Tribünen, dem Golfplatz und allem nicht so riesig erwartet. So war es zumindest für mich. Ich war auf Speedways und vielen Strecken, aber die Größe dieses Ortes ist enorm und als ich dann im Auto um den Kurs fuhr, da war ich aufgeregt, hier zu sein und ein Teil davon zu sein.

Es ist cool, dass so viele Leute hart arbeiten, um dabei zu helfen, dass die MotoGP an die Ostküste kommt. Natürlich haben wir Laguna, aber es ist toll für mich, dass wir ein anderes Rennen in Amerika haben und ich ein Teil davon bin. Deswegen will ich meinen Teil dazu beitragen und alles tun, damit das Rennen ein großer Erfolg wird. Denn ich denke, die MotoGP und der Straßenrennsport generell, sind großartiger Sport und ich denke, das ist eine gute Möglichkeit, den Leuten in dieser Region eine andere Form von Motorsport zu zeigen. Hier gibt es viele Rennfans und Sportfans, das sollte gut für den Sport sein.

Du bist gerade ein paar schnelle Runden auf einer Honda CBR1000 gefahren. Gibt es erste Gedanken und Eindrücke zu der Strecke. Wie wird sie für MotoGP-Rennen passen?
Nicky Hayden: Als ich die Streckenkarte sah, studierte ich sie und auch ein paar Bilder im Internet. Ich merkte aber nicht, wie schnell die Hauptgerade ist. Das wird definitiv eine lange Gerade und da wird man ein paar Pferdchen brauchen. Aber ja, mein erster Eindruck war großartig. Ich habe nicht wirklich bedenkliche Dinge gesehen. Kurve 1 ist vielleicht der unzureichendste Ort, aber sonst sah es so aus, als ob es genug Auslaufzone gibt. Der erste Abschnitt, wo die Strecke brandneu ist, war sehr rutschig. Aber hinten, wo auch schon die Formel 1 gefahren ist, da fühlte man richtig viel Grip. Ich bin schon aufgeregt, die MotoGP-Maschine dort rauszuführen. Auf dem Motorrad kann man viel mehr spüren als auf einer Straßenmaschine, also werden wir sehen.

Was hast du damit gemeint, dass die Kurve 1 unzureichend ist, so wie du es ausgedrückt hast?
Nicky Hayden: Es ist schnell. Man wird dort sicher sehr schnell reinkommen und dort gehen dir die Augen am meisten auf, weil die Wände so nahe sind. Also würde ich sagen, es geht hauptsächlich um die Geschwindigkeit. Das wird ein wichtiger Überholpunkt und der Windschatten wird bei diesem Rennen wirklich wichtig, vor allem bei den 125ern und 250ern. Es wird viele Überholmanöver in Kurve 1 geben. Es wird wichtig sein, gut aus der letzten Kurve zu kommen. Die ist vielleicht die technisch schwierigste kleine Kurve auf der Strecke.

Wie schnell warst du heute bei deiner normalen Fahrt da draußen?
Nicky Hayden: Ich bin mir nicht ganz sicher, was heute der Speed war. Ich weiß nicht, 150, 160. Aber unsere GP-Maschinen werden hier 200 Meilen [rund 320 km/h] pro Stunde fahren. Wir werden also recht schnell unterwegs sein. Ich würde sagen, die letzte Kurve wird wahrscheinlich die langsamste und die Hauptgerade wird die schnellste Stelle. Und Kurve 5 wird schnell sein.

Du hast gesagt, auf der Indian warst du mit Vollgas auf 40 Meilen [65 km/h] auf der Geraden…
Nicky Hayden: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber mehr hatte sie nicht in sich. Ich hatte das Gas ganz offen und sie war am Limit. Die 40 fühlten sich an wie 100 [160 km/h]. Sie hat recht stark vibriert und da haben sich Dinge hin und her bewegt. Aber vielleicht waren es auch nur 40. Vielleicht kam durch die Brillen auch etwas mehr Luftzug durch, als ich das gewohnt bin. Es schien etwas schneller als 40, aber das tut es ja immer.

Was war deine erste Reaktion darauf, dass es ein Rennen in Indianapolis geben wird? Ich bin mir sicher, die Fans aus Owensboro [Haydens Heimatort in Kentucky] werden im September herkommen.
Nicky Hayden: Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich mir: ‚Ich will nicht zu aufgeregt werden, bevor ich es auf dem Kalender gesehen habe.‘ Es war beinahe etwas zu gut, um wahr zu sein. Ich reise um die ganze Welt und habe lange Flüge. Es braucht oft einen Tag, um zu den Rennen zu kommen und es wird echt gut, so nahe an Zuhause ein Rennen zu fahren. Auch wenn wir in den vergangenen Jahren in Laguna gefahren sind, waren viele Leute aus dem Freundeskreis und der Familie noch nicht dabei. Denn von Kentucky ist das auch eine ziemliche Reise. Jetzt haben sie aber keine Ausrede mehr, da wir hier nur drei Stunden von Zuhause weg sind.

Ich bin mir also sicher, dass viele Leute aus Owensboro kommen werden. Ich habe dort viel Unterstützung. Es gibt generell viele Autoliebhaber und Sportfreunde in Owensboro, also wird es schön, vor dem heimischen Publikum zu fahren. Ich weiß nicht, was Owensboro tun wird, wenn man an dem Wochenende etwas braucht, denn die Stadt wird vielleicht ganz dicht gemacht, weil sie an dem Wochenende alle hierher kommen. Es ist echt cool, Teil davon zu sein und ich will dazu beitragen, ihnen eine gute Show zeigen und etwas bieten, worüber sie sich freuen können.

Nicky, was bedeutet es für dich, den Indianapolis Motor Speedway auf dem MotoGP-Kalender zu haben?
Nicky Hayden: Ich denke, das ist auch ein großer Schritt für die MotoGP, denn es ist ein großer Name. Ich kenne viele Leute, die rüberkommen wollen, um nicht nur das Rennen anzusehen, sondern auch den Speedway, das Museum und Indianapolis. Zum Beispiel mein Team. Die bleiben nach Laguna immer noch und fahren nach Hollywood oder San Francisco. Aber ich denke, das hier wird eine Erfahrung für die Teams und alle Leute, die im Paddock arbeiten; die Mechaniker, die Koordinatoren, die Köche, jeden. Sie werden einen anderen Teil von Amerika sehen. Es ist hier im Mittelwesten etwas anders. Ich denke, vor allem Leute aus meinem Team werden die Woche nach dem Rennen damit verbringen, herumzufahren und zu schauen, was hier so passiert.

Du bist in Owensboro aufgewachsen, wo die meisten Rennfahrer Stock Cars fahren. Wir wurdest du zum Motorradfahrer?
Nicky Hayden: Naja, mein Vater mochte Motorräder. Es stimmt aber, dass es definitiv eher ein NASCAR-Ort ist. Mein Vater mochte aber Motorräder und sein Bruder auch. Ich denke, alleine schon deswegen drehen sich meine frühesten Erinnerungen auch nur um Motorräder. Das hier war mein Leben und meine Leidenschaft, so lange ich mich erinnern kann. Ich hatte nie wirklich einen Plan B oder sonst etwas. Es hieß für mich nur, werde Motorradrennfahrer und schaff das. Natürlich war meine Familie involviert. Meine zwei Brüder sind beide AMA Champions und meine ältere Schwester war auch eine Zeit mit Motorrädern zugange. Ich wurde also hineingeboren. Es war ein guter Ort, um aufzuwachsen. Es gab viele Rennen in Indianapolis, Kentucky, Illinois und so weiter, also war es ein guter Platz.

Ich habe dir 1994 schon im Raceway Park zugesehen. Du warst damals ein kleiner Junge. Wenn du nun einige Jahre vorausschaust, zu dem Zeitpunkt, wenn deine Karriere vorbei ist. Hast du Absichten, Teambesitzer zu sein oder wo siehst du dich in der Zukunft?
Nicky Hayden: Im Moment schaue ich noch nicht zu weit voraus. Das ist wahrscheinlich nicht gut, aber ich muss mich auf das nächste Wochenende konzentrieren – mehr auf Portugal als auf das, was ich in zehn Jahren mache. Ich denke aber, ich lebe in diesem Sport und werde involviert bleiben; jungen Fahrern helfen oder so etwas. Das ist alles, was ich kenne, alles, was ich je getan habe. Ich habe viel Erfahrung und viel Wissen, also würde ich das eines Tages gerne weitergeben, anderen Kindern helfen und ihnen die Dinge zeigen, die ich auf die harte Tour lernen musste. Das könnte ich mir vorstellen. Ich werde etwas in dieser Industrie finden.

Ihr habt Portugal, dann habt ihr Shanghai und zwei Wochen danach Frankreich. Euer Zeitplan ist recht voll gepackt. Was wirst du zwischen jetzt und Portugal machen und wie wirst du dich auf das Wochenende und den Rest der Saison vorbereiten? Wie sieht deine Freizeit und deine Vorbereitung aus?
Nicky Hayden: Naja, die Freizeit, das war Weihnachten. Zwischen jetzt und dem Finale im November gibt es nicht viel Freizeit. Ich fliege morgen [Dienstag] nach Portugal. Ich fahre heute nach Hause und reise am Morgen Richtung Portugal ab, was prinzipiell das naheste europäische Rennen ist. Ich fliege über New York und es ist ein Direktflug nach Lissabon. Und dann bleiben wir nach dem Rennen noch für Tests in Portugal. Anschließend komme ich nach Hause und habe wirklich eine Woche frei, aber ab dann wird die Saison wirklich hektisch. China ist eine lange Reise und dann geht es nach Frankreich. Und anschließend beginnen die Back-to-Back-Wochenenden mit Barcelona und Mugello. Es wird also recht anstrengend, aber das ist OK. Es ist nicht schlimm. Ich freue mich in jedem Fall auf einige der Strecken, die kommen.

Kannst du uns ungefähr sagen, wie berühmt du international im Vergleich zu einem Formel 1-Fahrer bist. Wie kommt ihr Jungs an?
Nicky Hayden: Ich würde eigentlich sagen, dass ich ein recht bescheidener Typ bin, also will ich da nicht zu viel sagen. Ich weiß es nicht. Ich genieße es nur, nach Hause zu kommen, deswegen bin ich hier. Ich muss nicht durch Europa tingeln, meine Schultern breit machen und versuchen, in Monaco cool mit den Formel 1-Leuten herumzuhängen oder so. Aber der Sport hat seine Fans. Wir kommen gerade aus Jerez, wo fast 150.000 Leute am Renntag waren. Ich denke, die exakte Anzahl war 135.000 an zahlenden Fans. Der Sport war in den 80ern und 90ern richtig groß, hat dann aber stagniert. Und dann hat Valentino Rossi, einer meiner Gegner, den ich sehr respektiere, viel für den Sport getan. Als er auftauchte, hat er gewonnen und hat wirklich dabei geholfen, dass die Popularität wieder nach oben ging. Ich denke, in den vergangenen Jahren sind die Zuschauerzahlen nach oben gegangen. Die Fernsehzahlen sind da ein wichtiger Faktor.

Ich denke, der Sport ist im Moment recht stark. Wir sind in Katar gerade zum ersten Mal in der Nacht gefahren, was ein Meilenstein und ziemlich aufregend war. Wir kommen jedes Jahr mehr und mehr aus Europa weg. Wir kommen nach Laguna und China war in den vergangenen Jahren im Kalender. Katar ist ein großer Markt. Der Sport wächst, aber der eine Ort, wo er noch nicht nach oben geschossen ist, ist hier und den USA. Die Dorna hat mit Red Bull und vielen Sponsoren in den vergangenen drei, vier Jahren hart gearbeitet, damit noch ein Rennen nach Amerika kommt. Einen amerikanischen Weltmeister zu haben, hat sicher geholfen. Hier in den USA gibt es viele Sponsoren, viele große Unternehmen und viel Geld. Jetzt, da die Zigarettensponsoren herausgedrängt werden, die viele Jahre die Teams am Leben gehalten haben, weil sie auf einigen Strecken ihre Markenbotschaften nicht mehr unterbringen können, wird der amerikanische Markt wichtiger. Wir haben mit MTV einen Film gemacht, was für den Sport eine große Sache war und ich denke, der Einsatz der Dorna, den Sport in Amerika bekannter zu machen, treibt die ganze Sache wirklich an.

Nicky, danke, dass du heute vorbeigeschaut hast. Danke für deine Zeit und wir hoffen, es hat dir Spaß gemacht.
Nicky Hayden: Ja, das hat es wirklich. Danke, dass ich hier sein durfte und danke, dass ihr die Zweiräder wieder nach Indy geholt habt. Ich bin aufgeregt.

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