Timo Scheider im Interview: Neuwagen gerechtfertigt
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(adrivo.com) Im Dialog mit der adrivo Sportpresse sieht Timo Scheider seinen Verbleib im Neuwagen keineswegs als Gnadenbrot. 2008 will er angreifen – unter Lackaustausch…

Hast du dein Soll in der abgelaufenen Saison mit dem ersten Podestbesuch erfüllt – oder hast du mehr erwartet?

Timo Scheider: Natürlich wollte ich mehr, keine Frage. Die ersten vier bis fünf Rennen waren schon recht holprig – nicht, was die Performance angeht, aber die Ergebnisse haben gefehlt. Mit Pech und Unfällen, die nicht hätten sein müssen, gab es für mich in der letzten Saison fünf Nullrunden, die am Ende zu viel waren, um noch in der Meisterschaft mitzumischen. Zur Saisonhalbzeit hat sich jedoch auch intern Einiges bei uns getan. Wir sind die Probleme, die Besprechung der positiven und negativen Dinge anders strukturiert angegangen. Das hat dazu beigetragen, dass es zur zweiten Saisonhälfte steil aufwärts ging – und auch die Ergebnisse besser wurden. In den letzten fünf Rennen bin ich drei Mal aus der ersten Reihe gestartet und war stets ein Kandidat fürs Podest. Das hat mich in die Position gebracht, meinen Teil dazu beizutragen, dass Audi die Meisterschaft gewinnt. Es macht mich stolz, dass der Speed vorhanden war, aktiv helfen zu können – denn das ist nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Für 2008 möchte ich an die zweite Saisonhälfte anknüpfen. Schön, dass Audi auf mich setzt und mir weiterhin ein aktuelles Auto gibt, die Ergebnisse der letzten Rennen haben das auch gerechtfertigt, meine ich.

Ist dir die Eingewöhnung ins Abt-Team sowie an das neue Auto leichter oder schwerer gefallen als gedacht?

Timo Scheider: Ein neues Auto, ein neues Team und ein neuer Renningenieur – das waren drei Komponenten, die einander finden mussten. Anfangs war es nicht leicht, die eigene Linie beizubehalten und sich dennoch an das System bei Abt anzupassen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich zu Beginn der Saison in dieser Hinsicht noch das eine oder andere Problem hatte. In der zweiten Saisonhälfte habe ich mich immer wohler gefühlt, mein Ansehen im Team ist gewachsen. Zum Ende des Jahres habe ich von Hans-Jürgen Abt ein tolles Kompliment bekommen: „Timo, du bist angekommen.“ Das war genau das, worauf ich hingearbeitet habe. Ich bin nun zu 100 Prozent integriert und fühle mich entsprechend. Es macht einen riesigen Spaß, mit Audi- und den Abt-Jungs von Rennstrecke zu Rennstrecke zu ziehen.

Wie hast du den teaminternen Titelkampf bei Audi beobachtet? Welche Vor- und Nachteile hatten Mattias und Martin?

Timo Scheider: Generell hat man bei Audi beiden die gleiche Chance gegeben. Der eine macht mehr daraus, der andere weniger; dann kommen dumme Zufälle wie Kollisionen hinzu, die im Laufe der Saison entscheidend werden. Ich muss Martin und Eki Respekt zollen. Eki hatte am Ende das glücklichere Händchen als Martin, der ab Saisonmitte ebenfalls eine extrem starke Performance hatte. Jeder Fahrer bei Audi muss sich seine Position hart erkämpfen – wer nur 99 Prozent gibt, darf nicht mit Podestplätzen rechnen.

Wie bewertest du im Nachhinein die Ereignisse von Barcelona?

Timo Scheider: Man kann die Enttäuschung der Fans einerseits völlig verstehen, andererseits mussten wir mit dem Rückzug der Autos ein Zeichen gegen verschiedene Aktionen setzen, die in Barcelona gehäuft vorgefallen sind. Von Seiten Audis und des Vorstands konnte man sich nicht identifizieren mit der Herangehensweise verschiedener Mercedes-Fahrer. Ich unterstütze nach wie vor die Entscheidung, denn wir mussten einfach einen Schlussstrich ziehen, ein klares Signal geben, und sagen: So können wir in der DTM nicht weiter miteinander umgehen. Es wurde von Mercedes immer laut geschrieen, wenn es im Duell mit uns zu Fahrzeugkontakt kam. Wenn ich in dieser Hinsicht an Zandvoort zurückdenke, wo sich Mercedes selbst über folgenlose Berührungen beschwert hat, kann ich das Verhalten von Mercedes in Barcelona erst recht nicht verstehen. Man sollte sich im Spiegel immer selbst in die Augen blicken können – das war auf der Gegenseite vielleicht nicht mehr gegeben. Unterm Strich war das Rennen ein Negativbeispiel für die DTM.

Würdest du den Zweikampf mit Mercedes, von Barcelona abgesehen, als fair bezeichnen?

Timo Scheider: Lackaustausch gehört in der DTM einfach dazu – das soll auch künftig so bleiben. Ansonsten können wir uns die Anbauteile abschrauben, Formelrennen fahren und müssten ohne Berührungen fahren. Das ist nicht Sinn und Zweck der DTM. Den Gradmesser, was erlaubt und was nicht erlaubt ist, zu finden, ist natürlich recht schwierig. Für mich sind Berührungen mit Schieben und Drücken erlaubt, solange ich dem Gegner genügend Luft zum Überleben lasse. Wenn diese Grenze überschritten wird und vereinzelte Fahrer glauben, sie könnten den Gegner ohne Weiteres aus dem Rennen schießen, ist das jedoch zu viel.

Welche Änderungen schlägst du mit Blick auf das Sportliche Reglement vor?

Timo Scheider: Das dringlichste Thema ist das der Boxenstoppfenster, das aus meiner Sicht eingeführt werden muss. In diesem Jahr ist sicherlich der eine oder andere Rennverlauf durch die unterschiedlichen strategischen Möglichkeiten, die den Teams offen standen, zerstört worden. Teilweise wurden die älteren Autos genutzt, um Verkehr für die Neuwagen der Gegner zu erzeugen. Es kann nicht sein, dass man als einer der schnelleren Fahrer dem eigentlichen Rennen mit vorgezogenen Boxenstopps aus dem Weg gehen muss, um nicht auf Vorjahresfahrzeuge aufzulaufen. Auch die Rennen der Jahreswagenpiloten, die so nicht die für sie besten Strategien fahren konnten, wurden teilweise kaputtgemacht. Vielleicht sollte es nur einen Boxenstopp geben, vielleicht zwei mit Zeitfenster – wobei auch hier immer einer der beiden Fahrer eines Teams leicht benachteiligt wäre.

Wie bewertest du den Rückzug Mika Häkkinens und seine möglichen Auswirkungen?

Timo Scheider: Natürlich hat Mika ein enormes Faninteresse erzeugt. Es ist schade, dass er geht, denn er war ein guter und fairer Sportsmann, mit dem man tolle Zweikämpfe haben konnte. Er war auf einem so professionellen Niveau, dass man stets wusste, dass er einem die nötige Luft zum Überleben lässt. Er war ein angenehmer Gegner – sein Name wird der DTM fehlen. Mika hat jedoch lange genug Motorsport betrieben und war, was PR-Termine und Autogrammstunden angeht, auch abseits der Rennwochenenden mehr gefordert als so manch anderer DTM-Fahrer. Da ist es verständlich, dass die Familie für ihn in den Vordergrund gerückt ist.

Schafft es die DTM in ausreichendem Maße, ihre eigenen Stars nach außen zu tragen?

Timo Scheider: Ich glaube, dass man das Bestmögliche versucht. Allerdings bin auch ich der Meinung, dass hier Verbesserungsbedarf besteht. Die DTM ist eine sensationelle Serie mit einem sensationellen Format, das viel Zuschauerinteresse weckt. Doch aus den einzelnen Personen, die daran beteiligt sind, wird vielleicht zu wenig gemacht. Das hat dazu geführt, dass ich nun persönlich jemanden engagiert habe, der mich vermarktet. Wenn der DTM die Vermarktung der Fahrer noch besser gelingt, würde auch der Stellenwert der gesamten Serie weiter wachsen. Ich würde mich freuen, wenn die DTM in diesem Punkt noch aktiver wird – so wie Audi es aktuell bereits versucht.

Inwieweit bist du in die Entwicklung des neuen A4 eingebunden?

Timo Scheider: Der Testplan ist soweit fertig, im Dezember habe ich den neuen A4 zum ersten Mal gefahren. Ich muss abwarten, wie der restliche Plan aussehen wird, doch in der Regel haben alle vier Neuwagenfahrer das gleiche Testpensum zu absolvieren und bekommen ihre Möglichkeiten, Einfluss auf Entwicklung und Abstimmung des Autos zu nehmen.

Was hast du privat in der Winterpause geplant, wie hast du sie bislang verbracht?

Timo Scheider: Momentan arbeite ich noch immer an unserem neuen Haus. Nach Weihnachten habe ich in Österreich Zeit mit meinen Brüdern und meinen Eltern verbracht, zu Silvester gab es die obligatorische Silvesterfeier, die ich seit fünf Jahren mit meinen Freunden veranstalte. Ende Januar gehen die Testfahrten weiter – wobei ich noch auf die eine oder andere Urlaubswoche hoffe.

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