VW Passat CC Testbericht: Das 300 PS Coupe mit vier Türen
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Limousine oder Coupè? Weder noch – der Passat CC ist vor allem ein Volkswagen

Ein Coupè soll Emotionen wecken. Im Gegensatz zu praktischen Kombis und repräsentativen Limousinen muss einen das Design packen und die Technik faszinieren. Der äußere Eindruck des Passat-Topmodells erfüllt diese Erwartungen leider nur teilweise: die Karosserie ist flacher und breiter als die des Standard-Passat. Die Formensprache ist eher wuchtig als grazil. In dieser Hinsicht ist vor allem die Heckpartie gelungen: Sie wertet das Coupè deutlich durch eine präsente, und vor allem individuell gestaltete Optik auf.

Die Seitenlinie leidet vor allem unter dem unästhetischen Falz auf Hüfthöhe – ein Umstand, der vermutlich einer Optimierung für den Windkanal geschuldet ist. Grüße aus dem Volkswagen-Baukasten schickt  die Front. Die ersehnte Individualität und der sportliche Esprit wird schmerzlich vermisst. Positiv allerdings ist die auffällige Wölbung der Haube zu nennen, die einen beeindruckenden Auftritt verspricht.

Innenraum sportlich kompakt
Innen wird der Wolfsburger diesem Anspruch schon eher gerecht. Schon der Einstieg versprüht Sport-Flair – und verursacht bei mangelnder Aufmerksamkeit Kopfschmerzen, wenn man sich am niedrigen Dach das Haupt anstößt. Die Materialien sind hochwertig und auch die Haptik stimmt. Leder, Aluminium und Holz sind in dieser Fahrzeugkategorie einfach Standard. Das Ledergestühl bietet bei hurtiger Fahrweise genügend Halt und im Alltag den gewünschten Komfort.

Coupè-haft ist das Raumgefühl im gesamten Fahrzeug. Der Pilot sitzt sportlich tief und atmet echtes Cockpit-Flair. Den hinteren Passagieren hingegen mag diese kompakte Atmosphäre sauer aufstoßen – für längere Ausflüge sollten sie nicht größer als 1,75 Meter sein, ansonsten wird es ungemütlich. Vor allem die Kopffreiheit ist ausgewachsenen Mitteleuropäern unwürdig.

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Technisch richtungsweisend
Praktisch und der Fahrzeugklasse angemessen sind allerlei elektrische Helferlein, wie beispielsweise der Parkassistent. Der funktioniert im Alltag hervorragend und erspart peinliche Parkmanöver ungeübter Piloten. Der Wagen erkennt ausreichende Parklücken automatisch und navigiert die Karosse elegant und perfekt.

Hilfreich im „Stop and Go“-Verkehr ist die automatische Distanzregelung. Der Wolfsburger hält dabei sklavisch den vorgegebenen Abstand zum Vorderwagen, bremst und beschleunigt automatisch. Insgesamt allerdings ist das System noch etwas unausgegoren und mahnt im Alltag fälschlicherweise zu unnötigen Vollbremsungen. Hier herrscht noch Entwicklungsbedarf.

Perfektes Fahrwerk
Die Gene der Limousine sind jederzeit spürbar, wenn sich das variable Fahrwerk im Comfort-Modus befindet. Souverän bügelt der Passat hier selbst bandscheibenfeindlichste Schlaglöcher weg und garantiert unbeschwertes Gleiten. Im Sport-Modus erfolgt die Mutation zum Schienen-Express. In perfektem Zusammenspiel mit dem Allradantrieb bahnt sich der Viertürer unbeirrt seinen Weg – zielgenau und linientreu.

Das Fahrwerk bietet in jeder Lebenslage beinahe klinische Perfektion, auch im Grenzbereich: wenn`s ans Limit gehen soll, sind die Schaltwippen am Lenkrad des Testwagens ein nützliches Spielzeug. In Verbindung mit dem allseits gelobten Doppelkupplungsgetriebe (DSG) von VW macht der Passat CC bei Bedarf wirklich Spaß. Für ein Coupè machen es sich die Wolfsburger zu einfach mit der ansonsten vorzüglichen Fahrstufenregelung. Anstatt das Getriebe den sportlichen Ansprüchen gemäß zu modifizieren, wurde wieder das Prinzip Baukasten genutzt.

Ergebnis ist ein zögerliches Ansprechen bei sportlichem Einsatz. Natürlich stürmt der Wagen brachial nach vorne – ein echter Sportwagen allerdings würde sich die Gedenksekunde sparen, die sich zwischen Gasimpuls und Leistungseinsatz lang und breit macht.  Das stört im Alltag keinen Menschen – bei sportlichen Ambitionen allerdings umso mehr. Vor allem in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Leistung von 300PS.

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V6 – 300 PS – noch Fragen?
Der V6 mit 3,6 Litern Hubraum ist ein alter Bekannter aus der Konzernfamilie und verrichtet seine Dienste auch im VW Touareg und im Phaeton. Nach oben beschriebener Verzögerung stürmt der Direkteinspritzer zielstrebig Richtung Begrenzer. Bei schneller Autobahnfahrt hätte man sich in Anbetracht der Eckdaten allerdings etwas mehr Leistung erhofft. Der Motor wirkt generell ein wenig angestrengt und bietet keine so selbstverständliche Lässigkeit im Sprint, wie es vergleichbare Aggregate der Konkurrenz aus München oder Zuffenhausen tun.

Ähnlich verhält es sich mit der Akustik. Der geneigte Sport-Pilot lechzt nach einem Motor, den man fühlen, und vor allem hören kann. Im Cockpit bleibt dem Fahrer diese Wunsch verwehrt. Gerüchten zufolge ist die Beschallung der Außenwelt allerdings durchaus vernehmbar.

 

Summa summarum
Ist der Passat CC in der getesteten Version nun eine viertüriges Coupè oder eher eine sehr sportliche Limousine? Wohl eher letzteres. Trotz der stattlichen Leistung und dem erhabenen Fahrwerk fehlt doch das gewisse Etwas zum Coupè: die Kratzbürstigkeit, die Ungeschliffenheit, der große Auftritt. Nämlicher Mangel an Salonfähigkeit wird spätestens bei der unvermeidlichen Patroullie entlang der Flaniermeile offensichtlich. Wandeln sich hier bei Modellen von Porsche oder Mercedes-Benz arglose Passanten in geifernde Neider, so bleiben dementsprechende Reaktionen beim Pendant aus Wolfsburg aus.

Der Passat bleibt auch beim vermeintlichen Coupè ein echter Volkswagen. Die Einstiegspreise sind relativ günstig und als Antrieb wird wohl zumeist ein braver Selbstzünder oder ein kleinerer Benziner geordert werden. Hektiker fiebern ohnehin schon dem Beitrag von Porsche entgegen – der Panamera wird das Konzept des viertürigen Coupès mit fahraktiveren Eigenschaften verbinden. In Sachen Prestige und Luxus bleibt der CLS von Mercedes Platzhirsch.

Wer aber keinen reinrassigen Sportler braucht, und wer auf den Eisdielen-Faktor pfeifen kann, der findet im Passat CC eine echte Alternative. Die ist für relativ wenig Geld zu haben und vermittelt in der getesteten Top-Version viel Fahrspaß und einige feine technische Helferlein. Spektakulär ist das alles nicht, dafür aber solide und gradlinig. Ein echter Volkswagen eben.

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