Bodensee-Klassik 2014 – Sympathiebolzen statt Sensationsschlitten
Bodensee-Klassik 2014 - Sympathiebolzen statt Sensationsschlitten Bilder

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Die nächste Wertungsprüfung steht an. Näher kommt in Arbon keiner mit seinem Auto an den Bodensee ran Bilder

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Wir schauen offenen Auges in unser Verderben. Porsche hin, Porsche her – heute fahren alle im Regen Bilder

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Sehr viel Schönes auf sieben Jahrzehnten Automobilgeschichte können die Besucher vor dem Festspielhaus in Bregenz bewundern Bilder

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Der Wettergott meint es am 3. Rallyetag nicht gut mit uns. Ausgerechnet auf der Bergetappe startet der Tag mit Regen Bilder

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Der Suzuki Alto schlägt sich tapfer so lange es nicht allzu steil hinauf geht. Bilder

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Beim Start an der Festspielbühne in Bregenz scheint die Sonne Bilder

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„So was hat doch keiner aufgehoben“ – Mit diesen Worten begrüßt uns der Moderator auf der zweiten Etappe der Bodensee-Klassik-Rallye 2014 bei der Einfahrt zur Wertungsprüfung an der Uferpromenade des hübschen Städtchens Arbon in der Schweiz.

Aber einer hat unseren Suzuki Alto, Baujahr 1981, doch aufgehoben und ihn an die deutsche Dependance der Japaner verkauft. Und so starten wir direkt vor der imposanten Kulisse der Bregenzer Festspielbühne bei der dritten Auflage der Old- und Youngtimer-Rallye rund um den Bodensee. Begleitet werden wir auf fünf Etappen durch drei Länder von rund 170 weiteren Teams. Darunter echte Schätzchen aus sieben Jahrzehnten Automobilgeschichte wie ein Riley TT Sprite Special aus dem Jahr 1934 oder ein Alfa Romeo Montreal von 73.

Die Sonne lacht, die Frisur sitzt und der Puls steigt. Gleich nach dem Start steht die erste von insgesamt 15 Wertungsprüfungen auf dem Programm. Wir befinden uns schließlich auf einer „Sportlichen Wertungsfahrt auf Gleichmäßigkeit und Zuverlässigkeit“. Da zählt nicht, wer als erster ankommt, sondern wer in den Prüfungen die exakteste Leistung abliefert.[foto id=“510226″ size=“small“ position=“right“]

Vorbei am jubelnden Publikum passieren wir die Lichtschranke. Jetzt heißt es zunächst 20 Meter in exakt sieben Sekunden zu fahren und gleich danach noch einmal die gleiche Strecke in neun Sekunden. Der Beifahrer stoppt die Zeit und zählt jeweils laut auf null runter. Mir bricht der Schweiß aus. So langsam kann doch kein Mensch fahren. „Drei, zwei, eins“ – und schon passiert die Nase des Alto das Ziel. „Drei, zwei eins“ – schon wieder zu früh. Wir notieren für die nächste Wertung: Nach der eins kommt noch die null.

Ohne Prüfungsstress geht es nun auf reizvollen Nebenstraßen durch saftige Wiesen, üppige Wälder und historische Dörfchen in Richtung Allgäu. Der kleine Alto macht sich gut. Bei Steigungen und auf sehr kurvigen Strecken kommt er an seine Grenzen, gibt aber nicht auf. Genau wie wir. Bei den nächsten Wertungsprüfungen steigern wir uns allmählich und machen kleinere Ausfälle mit guter Laune wieder wett.

Bei jeder Dorfeinfahrt ist uns das breite Grinsen der Zuschauer sicher, wenn wir hinter einem Porsche 356 Super 90, Baujahr 1962, oder einem Ford Mustang von 1964 um die Ecke biegen. Umso mehr Kilometer wir schlucken, desto mehr macht sich das Fehlen des gewohnten Fahrkomforts bemerkbar. Im 81er Alto fühlt man dafür alles sehr intensiv: den langen Bremsweg, den Einschlagwinkel des vergleichsweise riesigen Lenkrads und die drehzahlabhängige Geschwindigkeit der Scheibenwischer. Wir haben uns daran gewöhnt und den Alto lieb.

Das ändert sich bei der ersten Bergetappe. Wer jetzt sagt, er würde nicht gern den Alto beispielsweise [foto id=“510227″ size=“small“ position=“left“]gegen einen Porsche 912 von 65 tauschen, lügt. Spätestens auf dem Weg zum Hochtannbergpass wird es zäh. Im zweiten Gang jault der Dreizylinder die Berge hoch. Jetzt tut der Kleine uns leid und wir uns auch. Nebel macht die Fahrt bisweilen zur Reise ins Ungewisse. Was sehr schade ist, denn das Bergpanorama soll grandios sein. Lustig ist die Bergwertung auf 1.700 Meter Höhe in Regen und Nebel. Kann mir jemand sagen, wo die Ziellinie ist? „Drei, zwo, eins, null“ – keine Ahnung! Jedenfalls haben wir, wie vom Reglement vorgeschrieben, lediglich mit einem Roadbook statt eines Navis ausgestattet, den Weg bisher hierher ohne größere Schwierigkeiten gefunden.

Auf dem Hochtannbergpass liegt Schnee. Das ist jetzt auch schon egal. Hauptsache wir sehen die Straße vor uns. Auf den nächsten 30 Kilometern kommen uns die früher gestarteten Teilnehmer entgegen. Einige grüßen mit der Lichthupe, andere würdigen uns keines Blickes. Macht nichts, denn wir müssen heute nur noch Bergab fahren.

Wer allerdings denkt, dass die Strecke bergauf mit 40 PS unter der Haube [foto id=“510228″ size=“small“ position=“right“]anstrengend ist, hat zu kurz gedacht. In endlosen Serpentinen windet sich die Passstraße ins Tal. Jetzt heißt es, den 630 Kilogramm leichten Alto halbwegs elegant durch die Kurven zu manövrieren und dabei die Bremsen nicht zum Qualmen zu bringen. Viel schneller als Tempo 60 können die anderen hier auch nicht fahren – sehr tröstlich.

Bei der Zieleinfahrt auf dem Platz der Wiener Symphoniker am Bregenzer Festspielhaus sind wir müde und froh. Wir haben uns von Tag zu Tag gesteigert und landen schließlich auf einem sehr akzeptablen 90ten Platz. Das hat der kleine Alto fein gemacht! Schließlich heißt es im Werbeprospekt vom 1981: „Mit drei Zylindern fahre ich zum Tennis, und mit drei Zylindern hole ich die Kinder von der Schule ab“ und nicht: „Mit drei Zylindern fahre ich eine Rallye!“

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