Rennsport fürs Wohnzimmer

Carrera und Co.: Mit Vollgas durchs Wohnzimmer
Mercedes-AMG GT3 von Carrera (1:32). Bilder

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Tesa und Tempo sind zwei Beispiele für Firmennamen, die als Synonym für eine ganze Produktgattung stehen. Auch Carrera gehört dazu. Nach der Krise der gesamten Modellrennbahn-Branche in den 1980er-Jahren hat das Hobby dem Siegeszug der PC-Spiele zum Trotz bis heute überlebt und seinen Weg ins digitale Zeitalter gefunden.

Carrera ist Marktführer

Carrera, nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Bereich Automodellrennbahn, hat das System allerdings nicht erfunden. Den spurgeführten Motorsport im Kleinen hat in seiner jetzigen Form die englische Firma Scalextric entwickelt. Zwar gab es auch davor schon einige Versuche, kleine Elektroflitzer im Kreis herumfahren zu lassen, aber die Modellrennbahn in ihrer heutigen Form erschien 1959 in Großbritannien. Das deutsche Traditonsunternehmen mit dem aus dem Spanischen entlehnten Wort für Rennen (= Carrera) tauchte erst vier Jahre später im Kinderzimmer auf.

So wie der Begriff für das gesamte Hobby zumindest in Deutschland aus dem Spanischen stammte, ging von dort aus auch die Renaissance der Modell-Autorennbahn aus. Mitte der 1990er-Jahre brachte die damals neu gegründete Firma Fly mit der Dodge Viper im Maßstab 1:32 neue Impulse. Das betraf neben der fast schon an ein Standmodell heranreichenden Originaltreue auch die Technik.

Einen derart potenten Motor hatte es bis dato für den Heimbetrieb nicht gegeben. Mit Ninco trat zur selben Zeit ein weiterer spanischer Neuling die Bühne, bot ebenfalls attraktive Auto und wagte sich sogar an ein eigenes Bahnsystem. Sowohl Fly als auch Ninco hatten schneller neue und attraktive Fahrzeugmodelle im Programm, während die etablierten Marken wie Carrera und Scalextric oft jahrelang die selben Produkte im Programm führten und allenfalls einmal ein, zwei Neuheiten im Jahr lieferte.

Der Trend zum schnellen Wechsel im Programm uferte in der Folgezeit allerdings aus: Manche Modelle waren nur ein paar Monate verfügbar, ehe sie von einem neuen abgelöst wurden. Das steigerte zwar die Vielfalt, führte aber am Ende dazu, dass ein Vorbild von gleich bei drei oder vier verschiedenen Herstellern erhältlich war oder immer wieder neue Farbvarianten ein und des selben Slotcars den Markt überschwemmten.

Daran hat sich im Prinzip bis heute wenig geändert. Größter Nachteil der immer kürzer werdenden Modellwechselzyklen: Es wird immer schwieriger, später noch Ersatzteile zu bekommen, wenn die Rennen im Laufe der Jahre irgendwann dann doch einmal den Rückspiegel oder den Heckspoiler verlieren.

Aber es gibt seit einiger Zeit auch immer wieder Überraschungen: So widmet sich Scalextric dem Bulli T1 und dem VW Käfer, und Carrera bietet einen nach Mercedes-Benz-Vorbild stilisierten Abschlepp- und Tankwagen an. Angekündigt ist zudem ein Auto mit eingebauter Kamera für echte Fahraufnahmen aus der Modellperspektive. Und Scalextric wird in einem Fernsehserien-Set neben einem Ford Carpri II auch einen dreirädrigen Reliant ausliefern. Und der DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“ ist ebenfalls angekündigt.

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Die Dakar-Bahn setzte sich nicht durch

Versuche vom gängigen Muster abzuweichen, hat es im Laufe der Hobbyhistorie immer wieder gegeben. So bot Carrera in den 1960er-Jahren funktionstüchtige Baustellen- und Güter-Lastwagen an, holte mit seiner Produktlinie Servo die Modelle aus dem Schlitz und zur Spurführung an die Bande. Scalextric versuchte noch Mitte der 1980er-Jahre sein Glück mit Rennpferden auf grün eingefärbten Schienen oder Anfang des Jahrtausends mit Moto-GP-Motorrädern.

All das blieb wenig erfolgreich und verschwand recht rasch wieder. Selbst die Idee, die Rallye Dakar ins Wohnzimmer zu holen, kam auf Dauer nicht an. SCX hatte hier ein überzeugendes System entwickelt, bei dem die Geländewagen vom Typ VW Touareg, Mitsubishi Pajero und Hummer dank einer cleveren Leitkielkonstruktion beeindruckende Hindernisse überwinden konnten. Auch Ninco versuchte sich eine Zeit lang auf diesem Terrain. Analog mit der schwindenden Bedeutung der echten Dakar verschwand auch dieses Kapitel in der Geschichte der Modell-Autorennbahn wieder.

Eine Schleuderbahn von Scalexric, bei der sich die Fahrzuge dank 360-Grad-Leitkiel um die eigene Achse drehen konnten, blieb ebenfalls der größere Erfolg versagt. Da half auch ein mit Blaulicht und heulender Sirene fahrender Range Rover auf Gangsterjagd nichts. Einzig das Thema Truck-Grand-Prix taucht mit einer gewissen Regelmäßigkeit immer wieder auf. So ist unter anderem aktuell ein Buggyra lieferbar.

Über all die Jahre und Jahrzehnte geblieben sind moderne und klassische Renn- und Rallyeautos. Das reicht vom Formel-1-Renner der vergangenen Saison und dem Jaguar I-Pace e-Trophy über DTM-Fahrzeuge aus den Achtzigern und den Mini Cooper aus den Sechzigern bis hin zum Lancia Stratos und Porsche 917 K. Matra, Lotus, Brabham und Chaparrel sind ebenso zu finden wie Marcos, Venturi, MG und Lola oder der Renault R 4 im Rallyetrimm. Die Preise bei den gängigen Herstellern bewegen sich sich in etwa zwischen 35 Euro und 50 Euro für ein Slotcar im Maßstab 1:32. Kleinserienhersteller verlangen naturgemäß mehr.

Für Einstieger gut zu wissen ist, dass analoge Fahrzeuge in der Regel auf allen analogen Schienensystemen fahren, denn die Anbieter von Fahrzeugen übertreffen die Hersteller von Bahnsystemen bei weitem. Und es gibt sogar Schienenhersteller ohne eigene Fahrzeuge im Portfolio. Populärster Maßstab ist 1:32, dahinter folgt 1:24, das auch für Wettbewerbe gerne genutzt wird.

1:43 wendet sich häufig an den Nachwuchs (ab ca. acht Jahren). Doch auch im Matchboxformat 1:64 hat sich eine kleine, aber feine (Erwachsenen-)Szene etabliert. Durchgesetzt als international anerkannte Hobbybezeichnung hat sich der Anglizismus Slotracing (Slot = Schlitz). Komplette Startersets mit zwei Fahrzeugen sind ab etwa 120 Euro erhältlich, für Digitalbahnen sollte mindstens das Doppelte einkalkuliert werden.

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Der Platz entscheidet mit

In Deutschland sind als Bahn- und Fahrzeuganbieter vor allem Carrera und Scalextric bekannt und beliebt. Sie erlauben dank vier verschiedener Kurvenradien bis zu achtspurige Strecken. Die Wahl hängt zum einen von den persönlichen Vorlieben, zum anderen aber auch stark vom zur Verfügung stehenden Platz ab, denn vom Prinzip her besteht kein Unterschied.

Carrera hat die breitesten und längsten Schienen, da die 1:24-Modelle auf dem selben Bahnmaterial fahren wie die kleineren 1:32-Auto. Für eine Rennstrecke sollte also entsprechend Raum vorhanden sein. Die Bahnen sind nicht absolut trittfest und benötigen für eine möglichst feste Verbindung gerne einmal kleine Zusatzklammern.

Die 1:32-Bahnen von Scalextrix sind schmaler und die Schienenstücke kürzer, hier lässt sich mehr Streckenführung auf weniger Platz unterbringen. Das Stecksystem ist stabiler und das Plastik flexibler. Das hat den Vorteil, dass die Piste auf dem Fußboden keinen Schaden nimmt, wenn man einmal versehentlich drauf tritt; andererseits sind sie temperaturemfindlicher und verformen sich bei größeren Schwankungen gerne ein wenig.

Mit SCX (historisch eng verwandt mit Scalextric) und Ninco gibt es zwei weitere Anbieter. Die beiden spanischen Firmen verschwinden jedoch immer wieder mal vom deutschen Markt, weil ein Importeur fehlt. Aber das stellt in Zeiten des Internets ja nicht unbedingt einen Hinderungsgrund da. Die etwas breiteren Ninco-Bahnteile lassen sich mit einer Adapterschiene an das Scalextric-System koppeln. Die Spanier hatten auch einmal ein charmantes Bahnset für den Aufbau einer Rennstrecke auf der Tischtennispaltte im Programm.

Daneben gibt es mittlerweile einige andere und auch neue Anbieter von Bahnen, etwa Harrel RS aus Solingen oder die Firma Slotfire mit ganzen Modulplatten unterschiedlichster Linienführung. Neuling Policar plant nicht nur einen bis zu zehnspurigen Ausbau seines Bahnsystems, sondern bietet neben einem Adapterstück für Ninco sogar ein Verbindungsstück für die alte Modellrennbahn von Fleischmann aus den 1960er-Jahren. Man sieht, das Hobby lebt auch in Zeiten der Videospiele weiter.

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Digital beschränkt die Auswahl

Etwas schwieriger mit dem Kauf wird es, wenn es um eine Digitalbahn geht. Hier legt man sich weitgehend auf eine Marke fest, denn meistens lässt sich nicht ohne weiteres das Fahrzeugmodell eines anderen Herstellers nutzen. Das Funktionsprinzip aller angebotenen Systeme ist aber ähnlich. Per Knopfdruck am Drücker wird kurz vor dem Überqueren der entsprechenden Schiene eine Weiche im Schlitz gestellt, die den Wagen auf die andere Spur leitet. Bis zu acht Autos können so auf nur zwei Spuren bewegt werden.

Die Ursprünge der heutigen Entwicklung gehen auf Carrera zurück. Dort erschien 2004 das Pro-X-System, dass es erlaubte, bis vier Autos gleichzeitig auf der Bahn zu fahren oder ein autonom fahrendes Traingsfahrzeug einzusetzen. Das System hielt sich aber aufgrund von Lizenzfragen nicht sehr lange.

Heute mischt Carrera aber wieder voll mit und bietet selbst seine Kinder-Einsteigerlinie Go als Digital 143 an. Apropos Einsteiger: Billigbahnsets aus dem Kaufhaus oder Supermarkt können schnell zu Frust führen. Carrera Go ist letztendlich nicht (viel) teurer, aber qualitativ deutlich besser. Los geht es bei etwa 60 Euro für eine Ready-to-go-Bahnpackung, oft mit Looping oder Steilwand.

Zurück zur Digitalbahn. Die größeren Autos von Carrera sind so konstruiert, dass sie durch einen einfachen Schalter an der Unterseite umgestellt werden und auch auf anlogen Bahnen fahren können; bei Scalextric hingegen werden die analogen Fahrzeuge durch das Einsetzen eines Chips bei persönlichem Bedarf nachträglich digitalisiert.

In Deutschland wird mittlerweile ein spezieller Decoder angeboten, mit dem Scalextric-Autos auch auf der digtalen Carrerabahn funktionieren. Digitalrennbahnen eignen sich vor allem für Gruppen mit wenig Platz und regelmäßig mehr als zwei, drei Fahrern. Die Hersteller werben nicht zuletzt mit einem besonders realistischen Spielerlebnis. Zusätzlichen Anreiz können hier unter anderem erzwungene Tankstopps schaffen. Allerlei Apps haben sich inzwischen ebenfalls etabliert.

Der analogen Bahn hat das allein schon aus Kostengründen aber (zum Glück) nichts anhaben können, und letztendlich geht es in beiden Fällen ja um dasselbe: Um Autorennen im Kleinen und den besten Fahrer. Und wer auf einer analogen Bahn trotzdem gerne einmal die Fahrspur wechseln möchte: Fest installierte Querungsbahnstücke ermöglichen auch das.

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