Die leise Cockpit-Revolution – Streicheln statt drücken

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Bei einer S-Klasse in den 70er-Jahren machte es zweimal „Klack“, wenn der Lichtschalter gedreht wurde. Wer im BMW 2002 den Schieberegler der Heizung bewegte, wurde akustisch mit einem leisen Scharren belohnt. Und wer im VW Käfer die Handbremse nach oben wuchtete, hörte gut vernehmlich jede Stufe einrasten. Vertraute Geräusche, die Technik antwortete auf die Befehle, der Fahrer war Chef im Cockpit. Gute alte Zeit?

Smartphone und Tablet erobern das Auto

Bei einem Rundgang auf dem Genfer Autosalon wird deutlich, wie die Smartphone- und Tablet-Generation nach und nach das Auto erobert. Allerorts wird nicht mehr gedrückt, sondern gestreichelt, es wird sanft berührt oder lässig per Handbewegung über einen Monitor gewischt. Man redet aber auch mit seinem Auto, das heute schon Sprachanweisungen folgt, wenn man ein bestimmtes Musikstück von der integrierten Festplatte abrufen will oder dem Navigationssystem ein neues Ziel diktiert. In nicht allzu ferner Zukunft können aber auch reine Fahrzeugfunktionen („Heizscheibe einschalten“ oder „Nebenschlussleuchte“) per Stimme aktiviert werden. Kuschelkurs am Lenkrad, die solide Mechanik hat keine Chance gegen elektronische Befehlsvermittlung.

Beispiel Peugeot 308 SW

Der französische Kombi will mit seinem sogenannten i-Cockpit punkten. Im geräumigen Kompakt-Kombi sind zwar noch ein paar Druckschalter übrig geblieben, wie der für das Deaktivieren des Schleuderschutzes ESP oder die Parkbremse. Durchaus wichtige Aufgaben aber werden auf dem 9,7-Zoll großen Touchscreen erledigt, wie zum Beispiel die Einstellung der Klimaanlage oder die Auswahl, ob man eher sportlich oder betont sparsam unterwegs sein will. Vor allem aber wird die neue Technik den Zugang zu Unterhaltungs- und Informationsangeboten, die per Internet ins Auto kommen, erleichtern. „Das neue Cockpit ist eine entscheidende Innovation für den Fahrer“, sagt Vincent Devos, der Projektleiter für den Peugeot 308. „Er wird nun wirklich eins mit seinem Auto“.

Anderes machen es ähnlich

Das können andere natürlich auch, verlangen aber deutlich mehr Geld dafür. So arbeitet das deutsche Premium-Trio am idealen Cockpit der Zukunft, natürlich jeder für sich und hinter verschlossenen Türen. Dabei sehen sich Audi, BMW und Mercedes einem Zielkonflikt gegenüber. Denn für viele der neuen Funktionen ist eine hautnahe Kontaktaufnahme mit dem Monitor nötig. Das aber hinterlässt Spuren – Fingerabdrücke sozusagen. Und deren nach einigen Tagen unschöner Fettfilm ist mit einem Edelprodukt nicht vereinbar. Deshalb setzten alle auf Bildschirme und runde Zentralschalter zwischen den Vordersitzen, die viele Funktionen in sich vereinen. „Touchscreen-Monitore passen nicht in einen Audi“, meint auch Vorstandschef Rupert Stadler.

Audi geht neue Wege

So geht die Nobeltochter von VW bekannte und auch neue Wege. Der Funktionsumfang des kleinen Pads in der Mittelkonsole wird immer mehr erweitert. Auf ihm können schon seit einiger Zeit Buchstaben gekritzelt werden, die der bordeigene Rechner dann in Schönschrift übersetzt und zum Beispiel im Navi als Zieladresse zusammensetzt. Auch Google-Suche und ähnliches Online-Treiben können so ablaufen. Neu im Audi TT ist die Verlagerung des sonst stets in der Mitte platzierten Monitors ins Armaturenbrett direkt hinter das Lenkrad im unmittelbaren Sichtfeld des Fahrers. „Der beste Platz für einen Monitor, die Straße bleibt im Blick“, erklärt Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Ob künftige TT-Beifahrer, die die Route des Navigationssystems dann nicht mehr vor Augen haben, mit dieser Lösung glücklich sind?

Der größt Sprung steht noch bevor

Der größte Sprung in der Entwicklung steht aber noch bevor, wenn die Vernetzung von Smartphone mit dem Auto immer enger und dichter wird. Dann wird man per App unmittelbar auf Fahrzeugfunktionen zugreifen können. Aus der Ferne kann überprüft werden, ob das Auto verschlossen ist oder die Fenster noch geöffnet sind. Auch die Standheizung kann so in Gang gesetzt werden, während man zu Hause noch den Morgenkaffee genießt.

In einem sind sich aber alle einig: Die wichtigsten Elemente müssen auch in Zukunft von Hand bedient werden und nicht per App oder Sprachregelung. Damit nicht jeder Mitfahrer vom Rücksitz aus in die Befehlsherrschaft des Kapitäns an Bord eingreifen kann.

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