Feature: Schwarz-Weiß-Malerei bei Autofarben

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Studiert der Autokäufer die Preislisten der meisten Automobilhersteller, reibt er sich verwundert die Augen. Geht es um die Farbangebote, betreiben die Anbieter fast ohne Ausnahme Schwarz-Weiß-Malerei. Serienmäßig ist oft nur Weiß, gelegentlich ist Schwarz als Alternative verfügbar. Wer´s bunt mag, muss tief in seine Tasche greifen. Der Schelm, der Böses dabei denkt, liegt richtig: Autobauer haben die optionale Farbe als zuverlässig sprudelnde Zusatzeinnahme entdeckt und konsequent erschlossen.

Zum Thema Farbe bei seinen Autos hatte Auto-Tycoon Henry Ford eine klare Haltung: „Ich liefere jede Autofarbe. Vorausgesetzt sie ist Schwarz.“ Tatsächlich lief sein erstes Massenautomobil, das T-Modell, ab 1908 ausschließlich in Schwarz vom Band. Das hatte vor allem technische Gründe. Schwarz war der einzige Autolack, der seinerzeit einigermaßen schnell trocknete. Richtige Farbe kam im Autobau erst ab den frühen Zwanzigern in Amerika mit schnell trocknenden Lacken auf Nitro-Basis ins Spiel.

Heute sind dem Farbenspiel für Autokarosserien technisch keine Grenzen mehr gesetzt. Wasserlösliche Lacke sind in unbegrenzten Nuancen verfügbar und moderne Lackierstraßen sind in der Lage, die Farbe computergesteuert bei jedem Blech problemlos zu wechseln. Aktuell bieten die Automobilhersteller serienmäßig aber oft nur Weiß an, allenfalls noch Schwarz als Alternative. Ansonsten wird es teuer.

Diese These belegen einige Stichproben

Pionier des monochromen Farbspiels ist Toyota. Serienmäßig offerieren die Japaner für praktisch alle Modellreihen nur Weiß. Und schon beim kleinen Aygo kosten alle Farben unter dem Begriff „micra/metallic“ 400 Euro extra. Weil die Mittelklasse Avensis zwangsläufig über eine höhere Konfektionsgröße beim Blechkleid verfügt, kosten alle Farben außer Weiß 550 Euro extra. Die XXL-Konfektion des Land Cruiser verlangt sogar 850 Euro für einen farbenfroheren Auftritt; und das bei einem Auto, das mindestens 37 950 Euro kostet.

Bei Mercedes reicht es bei der neuen A-Klasse (Grundpreis: 23 978 Euro) wenigstens zu drei Farben mit den lyrischen Bezeichnungen „Zirrusweiß“, „Nachtschwarz“ und „Jupiterrot“. Doch wenn die schöne neue Welt des kompakten Mercedes richtig bunt sein soll, sind 654,40 Euro „Metallic“-Zuschlag erforderlich; oder noch besser 2 082,50 Euro für „Designo Magno Mountaingrau“. Die mindestens 33 171,25 Euro teure C-Klasse macht´s auch in Schwarz-Weiß. Rot ist hier jedoch nicht „Jupiterrot“, sondern „Feueropal“. Ansonsten lukrativ für den Hersteller wird es im Mercedes-C dank 916,30 Euro Extra für Farben mit metallischen Spurenelementen. Auch wer bereit ist, für seinen S 500 den Basispreis von 99 662,50 Euro zu investieren, muss für alle Farben, außer Schwarz, 1 178,10 Euro zusätzlich locker machen.

Volkswagen ruft für einen Golf in der besten Ausstattungslinie „Highline“ mindestens 23 175 Euro auf. Farblich ist „Highline“ jedoch kein Highlight. Mit dem aufpreisfreien „Uranograu“ mögen vielleicht Kunden glücklich werden, die in der Musikanlage des Kompakten ausschließlich Trauermärsche abnudeln. Wer seinen Golf wenigstens in Weiß oder Rot haben will, muss 137 Euro zusätzlich berappen, für Schwarz sind 240 Extra-Euros fällig und der „Metallic“-Aufschlag liegt bei 525 Euro (Perlmutt: 970 Euro). Für den immerhin mindestens 82 100 Euro teuren Luxus-Liner Phaeton kostet alles außer Schwarz und Weiß zwischen 1 170 Euro („metallic“) und 3 855 Euro („Perleffekt“).

Auch Koreaner mischen beim Farben-Trauerspiel mit. Wenn der Kia-Kunde seinen Optima nicht in Schwarz haben möchte, sind 580 Euro zusätzlich zum Grundpreis von 30 790 Euro fällig. Immerhin legt der Anbieter noch Teilledersitze bei seinen Farben drauf.

Ebenso hat die quietsche-bunte Farbenwelt der beiden Fiat-Kleinwagen Panda und 500 ihren Auf-Preis. Wer Alternativen zum Weiß und Rot beim Panda wünscht, muss zwischen 270 Euro und 470 Euro extra einkalkulieren. Die Alternativen zum serienmäßigen „Carraragrau“ beim 500er sind zwischen 300 Euro und 450 Euro wohlfeil. Dacia, die Billigmarke, lackiert ihre Autos grundsätzlich in Weiß und wenigstens einem hübschen Blau. Alternativen kosten grundsätzlich 450 Euro extra.

Das perfide am Farbenspiel der Autoindustrie resultiert aus dem Mangel an Alternativen für den Kunden. Es gibt naturgemäß keinen Anbieter, der einen grünen Golf, gelben Aygo oder die blaue S-Klasse als Neuwagen günstiger auf den Markt bringt als der originale Erbauer. Für die Branche der Autobauer hat der Begriff „farbenfroh“ somit eine ganz neue Bedeutung erhalten.

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