US-Automarkt

Für Amerikaner sind deutsche Autos zu sparsam
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Der amerikanische Automarkt entwickelt sich im Jahr 2016 mit einem Wachstum von 2,5 Prozent gegenüber 2015 auf ein Verkaufsvolumen von 18 Millionen Fahrzeugen positiv. Aber die deutschen Hersteller werden davon kaum oder gar nicht profitieren. Das geht aus der jüngsten Marken- und Markt-Analyse von Ferdinand Dudenhöffer hervor. Der Direktor des Car-Instituts an der Universität Duisburg-Essen sieht die Motoren-Strategie, den Diesel stark in den Vordergrund zu rücken, als Grund der deutschen Herstellerschwäche in den Vereinigten Staaten, unter der alle deutschen Marken leiden. Gleichzeitig nennt er eine Ausnahme: Mercedes-Benz ist laut Dudenhöffer „das Schwergewicht unter den deutschen Premium-Herstellern“.

Fakten sprechen gegen Diesel

Das von VW ausgelöste Dieselgate mit der manipulierten Steuerungssoftware sei zwar ein schwerer Schaden für das Diesel-Image. Aber nach Dudenhöffers Ansicht sprechen die Fakten ohnehin gegen den Diesel in Amerika. Außerdem kritisiert der Auto-Professor scharf die nach seiner Ansicht falsche Steuerpolitik in Europa zur Bevorzugung des Dieselantriebs im Pkw. Sie habe einen Diesel-Boom bei den Herstellern ausgelöst und dieser sei jetzt der Grund dafür, dass die deutschen Marken mit ihren Selbstzünder-Modellen vom zu erwartenden Marktwachstum 2016 in Amerika nur abgeschwächt profitieren können. Durch den Rückgang des Benzinpreises hat sich die Position des Diesels bei den amerikanischen Käufern weiter stark verschlechtert. Der Sprit für Otto- und Diesel-Autos ist so billig wie zuletzt vor zehn Jahren. Bei einem Preis von 53 US-Cent für Regular-Sprit und 60 US-Cent für Diesel je Liter greifen die Amerikaner lieber zum durstigeren, aber billigeren Benziner-Modell. Und sie dürfen sich dabei noch mit einer höheren Umweltverantwortung brüsten. Denn bei der Messung von Diesel-Abgasen im realen Fahrbetrieb wurden die erlaubten Grenzwerte um ein Vielfaches überschritten und das schreckt die Amerikaner ab. Das wird negative Auswirkungen auf die Verkäufe, besonders bei den Marken mit einem höheren Anteil von SUV-Modellen haben.

Wobei sich die insgesamt guten Verkäufe der deutschen SUV in Zukunft als Nachteil wegen ihrer Diesel-Bevorzugung erweisen könnten. Denn besonders Porsche wird in Amerika zunehmend als eine SUV-Marke wahrgenommen. Im Jahr 2015 waren 58 Prozent der verkauften Porsche SUV, also Cayenne oder Macan. 2012 lag der SUV-Anteil bei Porsche noch in der Nähe von 44 Prozent. Mercedes hatte 2015 einen Anteil von 44,1 Prozent, Audi kam auf 43,1 Prozent und VW musste sich mit 12,3 SUV-Prozent begnügen. Wohl auch eine Folge der Bemühungen um niedrigere Verbräuche in Europa.

Denn die Amerikaner fahren seit 2012 mit kontinuierlichem Öl-Preisverfall weiter auf starke und vergleichsweise durstige SUV-Modelle mit Benzinantrieb ab. Da ist vor allem Volkswagen mit seinen auf höhere Sparsamkeit getrimmten Dieselmodellen ins Hintertreffen geraten. So führt die in Europa und besonders in Deutschland intensiv betriebene Kampagne für niedrigere Verbräuche zu einer kuriosen Situation: Die ungünstige Verkaufsposition der deutschen Hersteller liegt darin begründet, dass sie es mit sparsamen Modellen nicht geschafft haben, dem üppigeren Mainstream der amerikanischen Kunden zu folgen. Auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt (nach China) regiert die Unvernunft. Und dieser Kunden-Trend geht offenbar im Jahr 2016 an den deutschen Herstellern mit ihren verbrauchsärmeren Typen weitgehend vorbei. Laut Dudenhöffer müsste BMW wieder zurück zu seinen Agilitäts-Eigenschaften finden, Mini fahre neben den Kundenwünschen her, Volkswagen werde es schwer haben und auch Mercedes könne aufgrund der neuen SUV-Familie eigentlich stärker wachsen.

Die in diesen Tagen beginnende Autoschau in Detroit wird nach Dudenhöffer-Einschätzung zum „Schaulaufen von Mercedes.“ Dafür sollen die neue E-Klasse, das V12-Zylinder-Cabrio der S-Klasse und das SUV der S-Klasse, der überarbeitete GLS, sorgen. Dagegen bewegen sich Smart-Verkäufe mit 6.815 Einheiten in Amerika auf „Nischen-Niveau.“

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