Harley 2015

Harley-Davidson Modelljahr 2015 – Spezielles Schwermetall
Mit drei neuen Modellen wollen die Amerikaner ihrer Tourer-Baureihe frischen Wind verleihen (v.l.): Electra Glide Ultra Limited Low, Road Glide Special, Street Glide Special Bilder

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Trotz des immensen Gewichtes ist es für halbwegs geübte Motorradfahrer keine Kunst, die neue Harley-Davidson Road Glide Special zum Fahren zu bewegen Bilder

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Die Street Glide Special trägt die seit Jahren bekannte „Bat Wing“-Verkleidung mit einer sehr, sehr niedrigen Scheibe Bilder

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Klonk! Der entschlossene Tritt auf das Vorderteil der Schaltwippe bewirkt, was er soll: Die Schaltwalzen des Getriebes nehmen unter der gebührlichen, seit Jahrzehnten von den Entwicklern in Milwaukee gepflegten Geräuschentwicklung ihre Position ein. Die gut dosierbare Kupplung bei leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl kommen lassen, und schon rollt die 400 Kilo-Fuhre dezent an. Trotz des immensen Gewichtes ist es für halbwegs geübte Motorradfahrer keine Kunst, die neue Harley-Davidson Road Glide Special zum Fahren zu bewegen. Auch dieser Tourer, dessen rahmenfest montierte Verkleidung an ein gierig aufgerissenes Haifischmaul erinnert, gibt sich – zumindest oberhalb von 20 km/h – lammfromm und leicht beherrschbar. Wie auch die beiden anderen neuen Modelle, die der US-Hersteller soeben für erste Testfahrten bereitgestellt hat.

Deutlicher Gewichtsverlust

Die Electra Glide Ultra Limited Low ist kaum als Neuheit erkennbar. Vom bekannten Ursprungsmodell unterscheiden sie alleine die drei Buchstaben "L-o-w." Low wie niedrig. Ein sogenanntes Ergonomie-Paket lässt den mächtigen Tourer um gefühlte 50 Kilogramm leichter werden, obwohl die technischen Daten für "Basis" und "Low" gleichermaßen 414 Kilogramm als fahrfertiges Leergewicht nennen. Der Grund für den nicht nachweisbaren Gewichtsverlust liegt in der um 55 auf nur noch 685 Millimeter reduzierten Sitzhöhe sowie in der verringerten Fahrzeugbreite in dem Bereich, in dem die Fahrerfüße Bodenkontakt suchen. Ergebnis: Wo kleinere Menschen mächtig viel Konzentration benötigen, um den Achtzentner-Eisenhaufen in der Senkrechten zu halten, fällt dies bei der "Low" deutlich leichter.
Zum Ergonomie-Paket gehören weitere Zutaten: So rückt der mit dünneren Griffen ausgerüstete Lenker dichter an den Fahrer heran

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Eher was für Kleingewachsene

Zum Ergonomie-Paket gehören weitere Zutaten: So rückt der mit dünneren Griffen ausgerüstete Lenker dichter an den Fahrer heran. Dank reduzierter Bodenfreiheit sinkt der Schwerpunkt und die Maschine lässt sich etwas leichter vom Seitenständer aufrichten – ebenfalls hilfreich für Fahrer aller Größen. Dichter zum Fahrer wurden auch die Trittbretter mit Schaltwippe (links) und Fußbremse (rechts) gerückt – auch dies ist hilfreich für kleiner gewachsene Personen. Bereits von mittelgroßen, aber erst recht von Großen wird die Betätigung der Schaltung allerdings als deutlich unangenehmer empfunden. Ansonsten: Wer gerne 132 Liter Gepäckvolumen mit Hilfe eines markanten 1,7 Liter-Zweizylindermotors bewegt, kommt an einer Electra Glide Ultra Limited nicht vorbei. Beide Versionen sind – farbig lackiert – ab 29.035 Euro erhältlich. Schwarz liegt knapp darunter.

Zwei weitere Tourer

Ungefähr 3.000 Euro weniger kosten zwei neue Tourer, deren Verkleidungen ein bisschen kleiner sind und die auch das riesige Topcase nicht mit sich herumschleppen. Road Glide Special und Street Glide Special sind im Heckbereich identisch, unterscheiden sich jedoch bei der Front. Während die Street Glide Special die seit Jahren bekannte „Bat Wing“-Verkleidung mit einer sehr, sehr niedrigen Scheibe trägt, kommt die Road Glide Special mit der schon eingangs erwähnten Haifischmaul-Karosserie daher. In ihr sind auffällige LED-Scheinwerfer montiert, von Harley prägnant als „Daymaker“ apostrophiert. Wie gut sie des Nachts leuchten, konnten wir noch nicht ausprobieren, aber zumindest tagsüber sind sie bestens wahrnehmbar.

Opulente Ausstattung

Den Beinamen "Special" tragen beide Modelle, weil sie im Bereich Infotainment opulent ausgestattet sind. Beide weisen ein 6,5 Zoll großes TFT-Display auf, das Audio- wie Navigationsinformationen zeigt. Montiert ist es im Falle der Road Glide Special weit oben im Cockpit direkt im Sichtbereich, im Falle der Street Glide etwas tiefer. Überhaupt ist die Cockpit-Gestaltung neben der Karosserie-Optik im Frontbereich der wesentliche Unterschied zwischen den beiden. In der Road Glide Special kommt das Gefühl auf, einen echten Straßenkreuzer zu fahren: Die Distanz zum kleinen Windschild beträgt gefühlt mehr als einen Meter, die Breite des Cockpits nicht weniger. Dagegen geht's auf der Street Glide Special vergleichsweise eng und konventionell zu.
Die Electra Glide Ultra Limited Low ist kaum als Neuheit erkennbar, aber: Wo kleinere Menschen mächtig viel Konzentration benötigen, um den Achtzentner-Eisenhaufen in der Senkrechten zu halten, fällt dies bei der „Low“ deutlich leichter.

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Kaum Unterschiede auf der Straße

Beim Fahren sind die Unterschiede geringer, als es die Differenz zwischen der rahmenfesten Verkleidung (Road Glide Special, 385 kg Gewicht) und der am Lenker montierten Batwing-Verkleidung der Street Glide Special (372 kg) erwarten lässt. Weder beim Einlenken in Kurven noch bei Kurven- oder Geradeausfahrtstabilität lassen sich nennenswerte Unterschiede erkennen. Stärker differiert die Sitzposition, denn die Form und Platzierung der Lenker unterscheidet sich, was im Falle der Road Glide Special zu einer leicht nach hinten orientierten Sitzposition führt.

Antrieb und Bedienung aller drei neuen Touring-Modelle des Jahres 2015 sind weitestgehend identisch. Die 1.690 cm³ großen V2-Motoren leisten 64 kW/87 PS bei 5.010/min. und bringen ein maximales Drehmoment von 138 Nm bei 3.500/min. zustande. Zumeist bewegt man sie drehzahlarm, so dass ihr wahres Leistungsvermögen – es liegt zwischen 3.500 und 5.000 Umdrehungen – verborgen bleibt. Aber gelassenes Fahren passt nun mal am besten zu den dicken Dingern. Denn erstens lässt sich dabei das feine Audio-Angebot am besten genießen und zweitens ist bei niedrigerem Tempo die Chance größer, allfälligen kräftigen Bodenunebenheiten ausweichen zu können – die Federungen werden dem hohen Komfortanspruch von Harley-Davidson nicht ganz gerecht.

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