Leser fragen – Experten antworten – Tacho-Manipulation hat Konjunktur
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Frage: Ich habe beim Gebrauchtwagenhändler um die Ecke ein echtes Schnäppchen entdeckt. Ein Bekannter hat mich gewarnt, dass in solchen Fällen häufig der Tacho manipuliert wurde. Wie kann ich mich schützen?

Antwort von Hans-Ulrich Sander, Kraftfahrzeugexperte des TÜV Rheinland: In der Tat ist Tachomanipulation ein wachsendes Problem. Wir schätzen, dass bei etwa jedem dritten Gebrauchten die angegebene Fahrleistung nicht korrekt ist. Für Betrüger ist das ein gutes Geschäft: Im Schnitt können sie mit Manipulation den Preis um mehrere tausend Euro hochschrauben – und zwar mit ganz unkomplizierten Mitteln.

Mussten die Tachos früher noch mit dem Schraubenzieher manipuliert werden, braucht es heute nur noch einen Laptop und die passende Software, um den Kilometerstand im Speicher des Fahrzeugs zu ändern. Das hinterlässt keine Spuren, der Betrug ist schwer zu erkennen. Aus Taxis und Mietwagen ist zudem in Einzelfällen der Einbau von sogenannten Kilometerfiltern bekannt. Dabei wird ein kleiner Chip im Tacho montiert, der dann nur noch jeden zweiten gefahrenen Kilometer übermittelt. Besonders bei teuren Dienstwagen, die in wenigen Jahren extrem große Distanzen zurücklegen, lohnt sich für Kriminelle der Betrug.

Wer nicht übers Ohr gehauen werden will, muss das Angebot sorgfältig auf Plausibilität prüfen. Gibt es vielleicht eine nachvollziehbare Erklärung für die geringe Laufleistung? Passt die Abnutzung des Innenraums zu den Angaben auf dem Tacho? Stimmen die Daten im Scheckheft und von den HU-Belegen mit dem Kilometerstand überein? Auch die Zettel und Aufkleber, die nach Öl- oder Zahnriemenwechsel im Motorraum oder an der A-Säule angebracht werden, geben Hinweise auf die tatsächliche Laufleistung.

Auch einfache Rechenübungen können Betrüger enttarnen. Das deutsche Durchschnittsauto wird im Jahr 12.000 Kilometer bewegt. Diesel-Limousinen fahren dabei deutlich weitere Strecken als Kleinwagen für die Stadt oder Sportwagen für den Wochenendausflug. Zum Beispiel dürfte eine Mercedes E-Klasse mit Dieselmotor und einer Laufleistung von weniger als 20.000 Kilometern pro Altersjahr eine echte Seltenheit sein. Wenn es für den geringen Kilometerstand keine einleuchtende Erklärung gibt, etwa das klassische Rentnerauto, dann lässt man besser die Finger vom Angebot.

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