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Opel in Bochum: Bilder einer angekündigten Katastrophe
Opel in Bochum: Bilder einer angekündigten Katastrophe Bilder

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General Motors hat das Ende der Fahrzeugproduktion im Opel-Werk Bochum im Jahr 2016 verfügt. 3 000 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, bei Zulieferern steht die siebenfache Menge an Jobs zur Disposition. Die Konsequenzen illustriert der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in der 89-minütigen TV-Reportage „Arbeit Heimat Opel“ (Donnerstag, 13. Dezember, 23.15 Uhr). Das Filmteam begleitete sechs Lehrlinge über drei Jahre durch ihre Ausbildung bei Opel in Bochum, die zu dem Zeitpunkt abschließt, da die Werksschließung feststeht.

Die Wünsche und Lebensentwürfe der sechs Jungendlichen sind bodenständig. Zu Beginn von „Arbeit Heimat Opel“ erzählen die Protagonisten, was sie von der Zukunft erwarten. Der 19-jährige Timm will „Frau, Kinder und Sicherheit“. Marius (16) träumt von einem Leben als „Sport- oder Filmstar“, betont aber, dass er sich zuerst auf seinen Beruf konzentrieren werde. André (19) möchte einmal „mit einem Mustang durch Texas fahren“. Und der 18-jährige Marcel will „einfach nur glücklich sein und ein gutes Leben“ führen. Der Facharbeiterbrief am Ende der Lehrzeit soll der Schlüssel für die Erfüllung der Träume und Wünsche sein.

Was die Dokumentation so beindruckend gestaltet, ist die Fähigkeit, mit einfachen und eigentlich unspektakulären Bildern zu zeigen, was hinter den zentralen Begriffen „Opel“ und „Bochum“ wirklich steht: ein Komplex an Schicksalen und Leben von Abertausenden von Menschen. Es sind mehr Informationen also bloße Statistiken für unerfreuliche Wirtschaftsnachrichten transportieren können.

Am 10. Oktober 1962 eröffnete das Werk offiziell und begann mit der Produktion des Kadetts, mit dem Opel einen modernen Konkurrenten des VW Käfer auf die Räder gestellt hatte. 1964 arbeiteten 16 000 Menschen bei Opel in Bochum. 2003 bauten dort noch rund 10 000 Beschäftigte Autos, 2011 waren es noch 5 170.

Darunter die sechs Protagonisten. 2009 waren sie Gewinner, denn von 1 000 jungen Menschen, die sich für die Ausbildung bei Opel in Bochum beworben hatten, erhielten nur 18 einen Vertrag. Vom ersten Tag an herrschen Leistungsdruck, Wettbewerb und ständige Bewertungen. Nur 20 Prozent der „Azubis“ erhalten einen unbefristeten Anstellungsvertrag. Und das sind die Besten.

Unter die Szenen des Ausbildungsalltags mischen sich die Nachrichten aus der Automobilwirtschaft, die in den letzten drei Jahren das Schicksal der Marke Opel bestimmt haben. So die Meldung der „Tagesschau“ vom 17. Februar 2009 über die unmittelbar bevorstehende Pleite von General Motors und die damit verbundenen düsteren Prognosen für Opel. Zum ersten Mal fällt das böse Wort von der „Werkschließung in Bochum“.

Opel schenkt dem Nachwuchs nichts. „Wer meint, er hat hierzu keinen Bock, darf sofort seinen Werksausweis abgeben“, lautet die deutliche Botschafter des Ausbilders nach eineinhalb Jahren an diejenigen, die sich hängen lassen. Der Dokumentation gelingt der Spagat, das Leben von sechs jungen Männern in einer wichtigen Lebensphase in einem komplexen ökonomischen Umfeld zu zeigen. Darüber schwebt beständig das Damoklesschwert der großen Wirtschaftspolitik, das seine Schatten auf die Ausbildung fallen lässt. Dafür verzichten die Macher auf musikalische Begleitung und offizielle Statements. Der Film, der die Zusammenhänge aus Globalisierung und ihre Auswirkungen verständlich macht, hätte jedoch einen besseren Sendeplatz im Hauptabend-Programm verdient.

Thomas Lang/mid

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