Mercedes Sprinter

Test Mercedes-Benz Sprinter 316 CDI: Reisen im Premium-Bus

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Wer einen geräumigen und komfortablen Kleinbus sucht, landet früher oder später beim Sprinter von Mercedes-Benz. Der stattliche Sprinter steht für Premium-Qualität und Komfort, man könnte glatt seine Transporter-Herkunft vergessen. Man müsste auch nicht viele Worte um ihn machen, würde das Marketing des Herstellers nicht vollmundig von einem Sensationsverbrauch sprechen: Mit 6,3 Liter Diesel soll der 3,5-Tonner 100 Kilometer weit kommen. Das wollen wir doch mal sehen und gehen mit dem Testkandidaten voll ballastiert bis ans Limit. Mit der Nutzlast ist es nicht so weit her, 855 Kilo reichen aber für neun Personen plus großes Gepäck. Acht Fahrgäste kommen auf den vollwertigen Sitzplätzen mit Dreipunktgurten und Kopfstützen unter. Der Fußraum ist großzügig, selbst im Fond herrscht volle Stehhöhe, auch beim Aussteigen muss der Fahrgast seinen Kopf nicht einziehen. Die elektrische Schiebetür des Sprinter ist mannshoch, hier wurde nicht gespart. Ebenso wenig bei der Klimatisierung: Wärmetauscher im Fond heizen den Fahrgastraum und auf dem Dach des Mercedes-Mini sitzt eine Kältemaschine, die sommerliche Temperaturen erträglich macht. Der Sprinter hat sogar zwei Klimageräte an Bord: Unter der Haube ist eine weitere AC-Anlage, die den Fahrerbereich separat kühlt. Unter der Haube sitzt der OM 651-Vierzylinder, die 2,1-Liter-Maschine tritt hier als Topvariante mit 120 kW/163 PS an. Es gäbe auch einen 319 CDI mit kultiviertem V6-Diesel und flotten 190 PS, der aber aus Effizienz-Gründen keine tragende Rolle spielt. So kommt der vierzylindrige 3,5-Tonner gewohnt antrittsstark zur Sache und zeigt sich selbst mit voller Auslastung quicklebendig. Dank zweistufiger Turboaufladung hängt der Diesel beinahe bissig am Gas und stemmt sich mit bis zu 360 Newtonmeter Drehmoment vehement gegen alle Fahrwiderstände. Dann auf der Autobahn schafft er trotz Hochdach fast 160 km/h Spitze, nur beim Ausdrehen klingt er etwas angestrengt. Im Sprinter versieht noch die 7G-Tronic-Automatik aus dem Personenwagen-Programm den Dienst. Sie schaltet beinahe ruckfrei und belohnt maßvolles Gasgeben mit niedrigen Drehzahlen. Für die geforderten Euro 6-Abgasgrenzwerte verpassten die Motorenentwickler dem Vierzylinder einen SCR-Katalysator, Profi-Fuhrparks sind mit dem Umgang von Adblue längst vertraut. Und wenn den Sprinter die Plakette Blue Efficiency ziert, ist ein Start-Stopp-System an Bord. Das reagiert bei betriebswarmem Antrieb ziemlich rege, schaltet an der Ampel und im Stau ab, wenn der Fuß auf der Bremse steht. Schon bei leichtem Zupfen am Lenkrad meldet sich der Motor wieder zum Dienst, erst recht, wenn der Fuß von der Bremse zum Gaspedal wechselt. Trotz aller Hilfsmittel ist der angepriesene Kraftstoffverbrauch nicht zu erreichen. Wer mit Augenmaß fährt, unterbietet ziemlich sicher die magische 10-Liter-Marke, nicht schlecht für einen 3,5-Tonner. Aber schnell wird klar: wer schneller als 120 km/h fährt, zahlt einen Expresszuschlag. Ein Argument pro Sprinter ist seine Ergonomie, sie gilt als beispielhaft in dieser Fahrzeugklasse. Der Sprinter macht es, nicht zuletzt durch seine Automatik, seinem Fahrer leicht, einen guten Job zu verrichten. Und geht es um Komfort und die Fahreigenschaften, lässt er nichts anbrennen. Er läuft mit langem Radstand fast unbeirrbar geradeaus, die gute Straßenlage wird trotz des einfachen Fahrwerk-Layouts nicht mit Härte erkauft. Große Einschlagwinkel helfen beim engen Rangieren, die leichtgängige Lenkung führt gefühlvoll durch den Verkehr. Der Sprinter dieselt und rollt dezent leise, innen wie außen, weder Fahrgäste noch Passanten werden sich beschweren. So flott der Sprinter fährt, so bissig packen die Scheibenbremsen zu. Für viel Geld (rund 4.000 Euro) gäbe es für beide einen Telma-Retarder, den man nur für den Anhängerbetrieb braucht. ESP hat der Sprinter von Haus aus an Bord, dazu gibt es einen Seitenwindassistenten. Auf der Autobahn kann ihn der 2,90 m hohe Minibus auch gut gebrauchen, wenn er bei voller Fahrt seitliche Böen einfängt. Man spürt nur ein leichtes Zupfen, wenn der Lenkwinkel-Sensor den Windeinfluss registriert und mit einer Einzelradbremsung an der Windseite pariert. Selbst eine Notbremsfunktion hat der Sprinter, wenn der Kunde das Fahrsicherheitspaket für 1.200 Euro mitbestellt. Es schließt Totwinkelwarner, Spurhalteassistent und die automatische Fernlichtbedienung mit ein. Im Ernstfall signalisiert ein Abstandswarner optisch die zu geringe Distanz zum Verkehrsteilnehmer, wenn es höchste Zeit wird, ertönt ein Warnton. Die letzte Gelegenheit für die richtige Reaktion: eine Notbremsung oder ein Ausweichen (wir haben diese Funktion nicht getestet). Der Brake Assist pro - so heißt das System im Daimler-Jargon - kann mit einer zielgenauen Bremsung noch rettend eingreifen - aber nur, wenn der Fahrer das Bremspedal tritt. Viele hilfreiche Goodies bekommt man für den Sprinter, der hier seine Wettbewerber links liegen lässt. Das an sich empfehlenswerte Automatikgetriebe für 2.000 Euro macht sich erst mit vielen Kilometern bezahlt - der Hersteller verspricht 0,2 l/100 km Kraftstoffeinsparung. Nicht gerechnet der gesparte Kupplungsverschleiß, der bei manuellen Getrieben irgendwann fällig wird. Man weiß es, der Sprinter ist kein Billigheimer, fürs gleiche Geld bekommt man bei französischen Wettbewerbern schon professionelle 14- oder 17-Sitzer. Dafür fahren diese dem Sprinter in Sachen Fortschritt meilenweit hinterher. Der Abstand bleibt: Es dauert auch nicht mehr lang - vielleicht ein gutes Jahr noch - dann löst ein neuer Sprinter das aktuelle Modell ab.
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Technische Daten Mercedes-Benz Sprinter 316 CDI

Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 6,07/1,99/2,95/3,67
Leergewicht: 2.645 kg
Zuladung: 855 kg
Tankinhalt: 75 l
Kofferraumvolumen: 708 l – 1.656 l
Motor: Vierzylinder-Reihendieselnmotor mit doppelter Turboaufladung
Hubraum: 2.143 ccm
Leistung: 120 kW/163 PS bei 3.800/min
max. Drehmoment: 360 Nm bei 1.400-2.400/min
0-100 km/h: 14,4 s.
Höchstgeschwindigkeit: 159 km/h
Getriebe: 7-stufige Wandlerautomatik, Hinterradantrieb
Durchschnittsverbrauch: 6,3 l (Norm), 9,2 l (Test) Diesel
Preis: ab 40.706 Euro

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