Reifenteststrecke von Continental wird 50 Jahre alt

50 Jahre Contidrom

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Autonom unterwegs zu sein, steht als Vision im Raum und könnte etwa im Jahr 2030 Wirklichkeit werden. Ganz ohne Fahrer waren aber Autos auch schon in den 1970er-Jahren unterwegs. So drehte ein führerloser Mercedes „/8“ zahllose Runden auf der Teststrecke des Automobilzulieferers Continental, dem Contidrom etwa 40 Kilometer nördlich vom Reifenwerk in Hannover Stöcken in der Südheide bei Jeversen liegend.

Contidrom als wichtigste Reifenteststrecke

Vor 50 Jahren, also 1967, war das Gelände rund 710.000 Quadratmeter groß und wurde dominiert vom 2,8 Kilometer langen Oval mit seinen überhöhten Kurven. Ohne zu lenken kann dort mit bis zu 180 km/h gefahren werden. Routiniers unter den Testern jagen aber auch mühelos mit weit mehr als 200 durch Steilkurven und über die verbindenden Geraden, selbst 300 km/h wurden schon erreicht. Hochgeschwindigkeitstests von Reifen werden zwar sicherer und zuverlässiger auf Maschinen durchgeführt und auch der Mercedes mit sogenannter "Leitkabeltechnik" und ohne Fahrer wurde bald wieder ausgemustert, doch das Oval hat weiterhin Bedeutung. So können auf den Geraden spektakuläre Manöver wie der doppelte Spurwechsel bei Tempo 180 durchgeführt werden. Das wirkt schon von außen beeindruckend, als Passagier fängt man das Beten an: Hoffentlich passiert nichts. Die Tester haben das in der Regel gut im Griff und bewerten das subjektive Verhalten der Pneus mit Zehntelnoten während Mitfahrer froh das Überleben feiern.

Subjektive Eindrücke sammeln die Experten indes nicht nur bei Vollgasfahrten, sondern auch auf anderen Strecken der Versuchsanlage. Wichtig ist beispielsweise der Nasshandling-Kurs, ein kurvenreicher und durchgehend bewässerter Kurs innerhalb des Ovals. Früher, als die Wassersprinkler noch neben der Piste wie Pilze herumstanden, sorgten kleine, die Bauteile abreißende Ausrutscher häufig für lustige Fontänen. Dann eilte ein Mechaniker mit Ersatzteilen zum Wechseln an die Stelle des Malheurs. Rundum bewässert wird bei Bedarf auch der kleine Kreis, während beim großen Kreis nur ein Segment nass gemacht wird. Hier simulieren Tester das Verhalten bei Kurven-Aquaplaning. Wasserglätte bei Geradeausfahrt können die Entwickler dagegen auf einer Geraden des Ovals erfahren, wobei eine Unterflurkamera Bilder davon macht, welche Teile des Profils noch Kontakt zur Fahrbahn haben.

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Automatische und wetterunabhängige Testanlage AIBA seit fünf Jahren in Betrieb

Beide Kreise werden durch einen dritten ergänzt, den Abwurfkreis. Hier werden die Reifen so lange mit immer weniger Fülldruck gefahren, bis sie von der Felge springen. Für die Reifenentwicklung besonders wichtig sind die Bremsleistungen, die sowohl auf trockener als auch auf nasser Strecke ermittelt werden. Mit der Technik, das Fahrzeug bei diesen Bremsversuchen ab 1985 an einer Schiene zu führen, stieg die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse auch bei den Aquaplaningeigenschaften ganz gewaltig. Noch weit eindrucksvoller ist jedoch der AIBA (Automated Indoor Braking Analyzer), der 2012 nach Investitionen in Millionenhöhe eingeweiht wurde. Hier können die Bremsversuche unabhängig vom Wetter in einer klimatisierten Halle auf auswechselbaren, auch vereisten Fahrbahnbelägen durchgeführt werden - praktisch ohne Fehlerquote und fahrerlos. Bereits einige Jahre vor dem Bau der AIBA entstand 1992 außerhalb des Oval eine weitere Rundstrecke mit vielen Kurven unterschiedlicher Radien zwecks Überprüfung des Trockenhandlings. Es gibt eine Anbindung vom Oval zu dieser Piste, die als Haus- und Messstrecke regelmäßig von den Autotestern der Zeitschrift Auto Bild genutzt wird. Auch andere Fachmagazine wie die Auto Zeitung dürfen nach Absprache gelegentlich nach Jeversen kommen.

Ebenfalls außerhalb des Ovals, das auch Abschnitte zur subjektiven Überprüfung von Geräuschen und Abrollkomfort bietet, befinden sich noch einige weitere Versuchsstrecken, auf denen unter anderem Geräuschmessungen entsprechend geltender Normen ablaufen. Aber auch kleine Ausflüge ins Unwegsame wurden ermöglicht: Hier lassen sich seit 2003 Eigenschaften von Offroad-Reifen überprüfen, und auch technische Entwicklungen wie die Berganfahrhilfe oder ähnliches. Denn längst gehört zu Continental weit mehr als die Produktion von Reifen und technischen Gummiprodukten. Spätestens seit das Unternehmen auch Bremssysteme und elektronische Assistenzsysteme herstellt, ist der Bedarf an Testkapazitäten enorm gewachsen.So ist es mit der früher herrschenden Beschaulichkeit im Contidrom längst vorbei. Die Mitarbeiterzahl liegt inzwischen bei rund 100 Personen, die praktisch rund um die Uhr aktiv sind. Die Kapazitäten sind trotz etlicher weiterer Testmöglichkeiten des Konzerns auf eigenen Strecken eher knapp. Externe Nutzer oder gar Besucher finden kaum mehr Platz. Die legendären Motorradtreffen im Contidrom liegen nicht ohne Grund schon rund 40 Jahre zurück. Statt Bikerseelen zu beglücken, hat bei Continental die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer Vorfahrt - bei Bedarf auch führerlos.

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