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75 Jahre Mercedes-Benz 260 D: Der Dieselmotor im Pkw feiert Geburtstag
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Beliebt: das 260 D Landaulet. Bilder

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Der Motor zeichnete sich vor allem durch seinen geringen Kraftstoffverbrauch aus. Bilder

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Der 260 D war damals ein überaus stattliches Fahrzeug. Bilder

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Eröffnete das Dieselzeitalter beim Pkw: der Mercedes-Benz 260 D. Bilder

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Dieselmotoren sind heute beliebter denn je. Das hätten bei der Premiere des ersten Diesel-Pkw der Welt selbst kühnste Träumer nicht für möglich gehalten: Vor 75 Jahren präsentierte Mercedes-Benz den 260 D der Baureihe W 138.

Die Internationale Motorrad- und Automobilausstellung in Berlin bot 1936 den passenden Rahmen für das revolutionäre Fahrzeug mit seinem 2,6-Liter-Vierzylindertriebwerk: Der Vorkammermotor mit dem Kürzel OM 138 wurde von einer Bosch-Einspritzpumpe mit Kraftstoff versorgt und leistete 33 kW/45 PS bei munteren 3 200 Touren. Alleine die drehfreudige Agilität vermochte in den 30er Jahren zu begeistern: ohne diese Talente wäre die Verpflanzung des „Ölbrenners“ in ein Serienauto kaum möglich gewesen. Zeitgleich wurde der Hanomag Rekord Diesel mit 1 910 ccm Hubraum und 16 kW/35 PS Leistung vorgestellt. Doch der Hannoveraner war nach seiner Premiere nicht sofort lieferbar.

Bereits einige Jahre zuvor hatten sich die Ingenieure intensiv mit verschiedenen Dieselmotoren beschäftigt, die im Nutzfahrzeugbereich schon lange eine feste Größe waren, für Personenwagen jedoch als zu schwer und träge galten. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Reihenvierers mit 2,6 Litern Hubraum, das bekannte Vorkammerverfahren blieb erhalten und erlaubte eine recht weiche Verbrennung.

Anders als bei den seit den 90er Jahren üblichen Direkteinspritzern wird der Kraftstoff hier zunächst mit moderaterem Druck in die Vorkammer eingespritzt. Dort entzündet sich der Treibstoff und verbrennt teilweise in der Vorkammer, bevor das Kraftstoff-Luftgemisch durch[foto id=“342887″ size=“small“ position=“right“] den Explosionsdruck in den eigentlichen Brennraum gedrückt wird und die Expansion den Kolben bewegt. Dabei sorgt das etwas verhaltene Prinzip der „weichen“ Verbrennung für eine weit geringere Belastung des Motors – erst durch dieses Verfahren war die legendäre Lebensdauer der Dieselmotoren möglich. Speziell die MB-Baureihen „Strich-8“ und W 123 machen bis heute mit teils absurden Laufleistungen von sich reden. In den streusalzfreien Ländern des Südens sind siebenstellige Laufleistungen beinahe normal. Man steige in Marrakesch, Beirut oder Tripolis in ein beliebiges Taxi – es wird mit ziemlicher Sicherheit ein 123er Diesel mit astronomischen Zahlen auf dem Tacho sein.

Legende vom ewig nagelnden Diesel-Benz

Begründet wurde die Legende vom ewig nagelnden Diesel-Benz vom 260 D: auch er konnte schon mit seiner Wirtschaftlichkeit überzeugen. Zwischen 1936 und 1940 baute Mercedes-Benz insgesamt 1 967 Fahrzeuge des Typ 260 D, der sich vor allem als absoluter Langläufer erwies. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 9,5 Litern Dieselöl reichte eine Tankfüllung zunächst für 400 Kilometer, nach der Modellpflege 1937 waren es sogar mehr als 500 Kilometer, was beim damals recht weitmaschigen Tankstellennetz nicht ohne Bedeutung war. Von den Kosten gar nicht zu reden – denn immerhin war der 260 D trotz seines geizigen Antriebs ein sehr mondänes Auto. Dessen ungeachtet nutzte Mercedes-Benz den Motor OM 138, der in vier Jahren Produktionszeit des Typ 260 D nur wenig verändert wurde, auch für andere Anwendungen. So kam das Aggregat auch in den Transportern der Typen L 1100 bis L 1500 zum Einsatz.

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Wirtschaftlichkeit

Wirtschaftlichkeit war hier wie da ein Argument: es war der Verbrauch, der den 260 D so sympathisch machte. Im Schnitt lag man bei gut neun Litern Diesel, und damit weit unter den 13 Litern Benzin des Ottomotor-Typs 200. Hinzu kam, dass Dieselöl im Jahr 1936 für Besitzer eines Personenbeförderungsscheins nur 17 Pfennige kostete, weniger als die Hälfte des regulären Preises für Benzin. Vor allem Taxifahrer setzten deshalb sofort auf diesen Wagen, den es vom Start weg als geräumiges Pullman-Landaulet mit sechs Sitzen gab.

Modell-Varianten

Später kamen eine Pullman-Limousine sowie eine 4/5-sitzige Limousine und ein 4/5-sitziges Cabriolet B hinzu: auch Privatkunden begannen sich nun stärker für den 260er zu interessieren, der 1937 eine Modellpflege bekam: 5 800 Reichsmark mussten nun für ein Fahrgestell angelegt werden, die Top-Variante? das 5-Sitzer Cabriolet D 4-türig, kam auf 9 500 RM. Im Februar 1938 wurde dann das bisherige Schnellganggetriebe durch ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe mit direkt übersetztem vierten Gang ersetzt, während elektrische Glühkerzen von Anfang 1938 an das Anlassen in kaltem Zustand erleichterten: die „Rudolf-Diesel-Gedenkminute“ war geboren.

Bewährungsprobe bestanden

Der Wegbereiter des Serienautos mit Dieselmotor, der 260 D, wurde zwar kriegsbedingt kaum 2 000 Mal gebaut, doch der „Ölbrenner“ hatte seine Bewährungsprobe bestanden.[foto id=“342889″ size=“small“ position=“right“]

Im Laufe der Zeit

Bei Mercedes-Benz arbeitete man nach dem Krieg weiter am Diesel: der Typ 170 D (W 136) ist der erste neu konstruierte Diesel-Pkw von Mercedes-Benz. Der Wagen mit dem 1,7-Liter-Vierzylinder OM 636 I wird 1949 präsentiert – und setzt die Reihe der für ihre Zähigkeit bekannten Selbstzünder fort. Im Laufe der Zeit sollten es noch viele andere Typen werden – doch die Ehre des ersten Seriendiesels gebührt eben dem 260 D, für den heute in gutem Zustand schon mal 50 000 Euro verlangt – und bezahlt – werden. Es hat eben seinen Preis, eine Legende zu fahren. Aber immerhin erfreut die Legende mit moderatem Verbrauch: ganz so, wie es vor 75 Jahren geplant war.

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