Ab in die Wüste: Im Süden Marokkos, wo die (Vor-)Sahara beginnt
Ab in die Wüste: Im Süden Marokkos, wo die (Vor-)Sahara beginnt Bilder

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Die Dörfer aus Stampflehm sind wehrhaft-trutzig aufgebaut. Bilder

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Das faltig-braune Atlas-Gebirge prägt mit das Bild von Marokko. Bilder

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Abendliche Begegnung: Kamelführer und Kamel. Bilder

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Händler in der Wüste. Bilder

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Wüstengebiet Erg Chebbi mit hohen Sanddünen. Bilder

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Er-Rachidia – Marokko ganz im Westen gehört neben Algerien und Tunesien sowie teilweise Libyen und Mauretanien zu den Maghreb-Staaten im Norden Afrikas. Eines seiner Charakteristika ist – die Wüste.

Inmitten prächtiger Kulisse[foto id=“506523″ size=“small“ position=“right“]

Es ist eine weite, weiche Schleife, die wir, aus den Höhen am Übergang des Hohen zum Mittleren Atlas kommend, fliegen. Vor uns ein winziger schnurgerader Streifen Asphalt inmitten prächtiger Kulisse. Hinten die faltig-erdbraunen Ausläufer der ganz oben, auf den Gipfeln in bis über 4000 Metern Höhe, schneebedeckten Berge. Davor die Ebene, ebenfalls noch in einem Hochtal gelegen, riesig und schon ins Ocker- bis Cremefarbene getaucht. Und irgendwo weiter unten, noch mehr zur Grenze nach Algerien hin, muss es sein. Das große Nichts. Die Wüste.

Willkommen mit Rosenwasser

Ankunft in Er-Rachidia. Air-Nostrum-Charterflug YW 2006 ist gelandet. Gut eine Stunde hat der kontinentale Luftsprung gedauert. Von Europa übers Mittelmeer nach Afrika. Von Spanien nach Marokko. Von Barcelona eben nach Er-Rachidia schon in Richtung (Vor-)Sahara. Und doch in eine andere Welt, deren erste Vorboten [foto id=“506524″ size=“small“ position=“left“]Rosenwasser, zum Willkommen auf die Kleidung gesprenkelt, und zuckersüßer Tee mit frischer Minze sind.

Plötzlich in sattem Purpur

Im Jeep brechen wir auf. Es ist Freitag. Der nächste Souk, auf dem die Einheimischen ihre Produkte verkaufen, findet erst am Sonntag wieder statt. Trotzdem ist rund um den Ort, der sich an einem strategisch wichtigen Schnittpunkt der Fernstraßen vom Atlantik nach Algerien und von Zentralmarokko in die Sahara aus einer Garnison der Franzosen entwickelt hat, ganz schön was los. Das ändert sich, je weiter wir uns von Er-Rachidia entfernen, über das ein Kollege einmal geschrieben hat, dass irgendwann wahrscheinlich jeder einmal seiner Faszination erliegt – spätestens dann, wenn die Sonne untergeht und die schlichten roten Fassaden der Häuser plötzlich in sattem Purpur strahlen …

Wehrhafte Dörfer aus Lehm[foto id=“506525″ size=“small“ position=“right“]

Er-Rachidia liegt am Oued Ziz, ist Zwischenstation auf dem Weg in die Wüste. Nördlich verengt sich das Tal zur steilwandigen Ziz-Schlucht, in der sich tief unten der Fluss erst durch graubraune Felsen schlängelt, ehe er schließlich zum See Barrage Hassan Addakhil aufgestaut wird. Südlich führt der Weg direkt ins Tafilalt. Eine palmgrün-fruchtbare Datteloase streckt sich Kilometer um Kilometer in die Länge. Noch säumen teilweise sogar Zedernwälder den Weg. Die Dörfer, durch die wir kommen, wirken wehrhaft aufgebaut – aus Lehm. Das Leben spielt sich vor den Häusern und am Straßenrand ab.

Auf den Spuren der Dakar

„Durch Afrika zu fahren“, so sind wir vor unserem Wüsten-Abenteuer extra eingewiesen worden, „erfordert spezielle Aufmerksamkeit und Konzentration!“ Wir bewegen uns erst auf Schotter und Geröll, folgen, als es deutlich wüstenhafter wird, den Spuren der früheren Rallye Dakar. Etwa 100 Kilometer sind es bis zur Oase Tisermin. Zwei Stunden braucht man, wenn man gut durch dieses Meer aus Sand kommt, bis dahin.

In den Gärten Allahs[foto id=“506526″ size=“small“ position=“left“]

„Gott hat die Wüste geschaffen, um in Ruhe darin wandeln zu können“, haben wir irgendwo gelesen. Und im Erg Chebbi bei der kleinen Oase Merzouga muss er gleich eine ganze Menge davon gefunden haben. Denn er ist, so deuten es jedenfalls auch die Nomaden, einer der vielen Gärten Allahs. Zu sehen sind weit und breit nichts als Dünen und Sand und Sand und Dünen. Hier soll es zudem in Marokko die Dünen geben, die am höchsten aufragen. Auf 100 Meter und noch mehr. Neben dem Obira Camp findet sich ein ganz besonders spektakuläres Beispiel davon. Wer will, kann mit einem speziellen Brett nach unten surfen. Doch vor dem Vergnügen hat Allah erst einmal die Mühen des schweißtreibenden Aufstiegs gesetzt. So viel Ruhe muss noch sein.

Ziel Erfoud

Erfoud, das Ziel unserer Reise, ist Hauptort der größten Taloase des Landes im Nordwesten der marokkanischen Sahara an der Straße von Timbuktu in Mali nach Fès hinauf. Die Franzosen haben auch diesen Ort einst als Militärstützpunkt gegründet. Die Menschen hier leben vor allem von Landwirtschaft. Tausende von Dattelpalmen und etliche Ksour, die für die Region typischen Dörfern aus Stampflehm, umgeben Erfour. Für die größte Attraktion der Stadt, das jährliche Dattelfest an einem der letzten Wochenenden im Oktober, kommen wir leider viel zu früh.

Auf der Straße der Kashbas

Wir quartieren uns am Knotenpunkt der „Straße der Kashbas“, die in Erfoud, von Er-Rachidia kommend, nach Westen Richtung Quarzazate abzweigt, ins Kasbah-Hotel Xaluca ein, einem orientalischen Wehrbau nachempfunden, allerdings mit Swimming-Pool. Wehmütig, genau so, wie es in einem unserer Reiseführer steht, schweben am Abend einer Laute ähnlich die Töne der Gimbri durchs Restaurant. Als wollten die Musiker, die auf ihnen spielen, auf ihre Weise andeuten, was Tahar ben Jelloun einmal über sein Land in diese Worte gekleidet hat: „Gefährten, tretet näher, spitzt die Ohren, öffnet die Augen und lasst uns gemeinsam aufbrechen, nicht auf einem Teppich oder einer Wolke, sondern auf einem Lager von Sätzen und Worten von Farbe und Musik.“

Al-Mamlaka al-Maghribiya

Der Schriftsteller, 1944 in Fès geboren, ist bedeutender Vertreter der Maghreb-Literatur. Jenem heiligen Vogel, von dem ein altes arabisches Sprichwort sagt, dass sein Leib Algerien, sein rechter Flügel Tunesien und sein linker Marokko ist. Al-Mamlaka al-Maghribiya. Das Königreich.

Info Marokko I

Marokko im Nordwesten Afrikas liegt etwa auf Höhe der Kanaren. In dem fast 460 000 Quadratkilometer großen Königreich leben mehr als 30 Millionen Menschen. Die Hauptstadt ist Rabat. Gleich von mehreren deutschen Flughäfen aus sind etwa Agadir, Casablanca, Fès, Marrakesch, Nador oder Tanger zu erreichen. Zur Urlaubseinreise reicht der Pass. Der Zeitunterschied beträgt minus eine oder minus zwei Stunden. Amtssprache ist Arabisch, Französisch, Englisch, teils Spanisch helfen ebenfalls gut weiter. Landeswährung ist der Dirham. Frühjahr, Herbst sind beste Reisezeiten. Nördlich des Atlas-Gebirges herrscht ausgeglichenes See- und Kontinental-, südlich schon Wüstenklima vor.

Info Marokko II

Wir waren bei Erfoud im Kasbah-Hotel Xaluca (arabischem Fort nachempfunden, gehobenes Ambiente, orientalisches Flair, www.xaluca.com) nahe der Grenze zu Algerien untergebracht. Die gemüse- und gewürzbetonte Küche ist oft bäuerlich-berberische Hausmannskost mit nahrhaften Weizen-, Gerste- und Grießgerichten, dazu Fladenbrot und Hammelfleisch. Das süße Nationalgetränk besteht aus frischer Minze und grünem Tee. Information: Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Straße 59, 40210 Düsseldorf, oder im Internet unter www.tourismus-in-marokko.de.

Service Auto

Von Er-Rachidia nach Erfoud sind es über die Nationalstraße N13 auf direktem Weg über Taznakht und Aoufous mehr als 70 Kilometer. Wer in fremden Ländern unterwegs ist, sollte grundsätzlich noch vorsichtiger fahren. Das gilt auch für Marokko. In Orten sollten Sie nicht schneller als Tempo 40 fahren, auf Landstraßen höchstens 60, auf Schnellstraßen 100 und auf Autobahnen, die teilweise kostenpflichtig sein können, maximal 120. Alkohol am Steuer ist absolut verboten. Wenn Sie einen Wagen mieten wollen, sollten Sie mindestens 21 bis 25 Jahre alt sein und seit ein bis zwei Jahren eine Fahrlizenz haben; zusätzlich sollten Sie einen internationalen Führerschein mit sich führen. /Fotos: Koch

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