ADAC-Autoversicherung: Viele Kunden mit Magerschutz unterwegs
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Eine Autoversicherung vom ADAC gewährt oft nur „Magerschutz“. Bei einem selbst verschuldeten Unfall kann das die Existenz kosten. So drohe rund 44 000 ADAC-Versicherten im Eco-Tarif der Ruin, wenn sie einen Unfall verursachen, der mehr als 50 Millionen Euro kostet. Am Markt ist längst ein Schutz von 100 Millionen Euro Standard. Genau diese Summe hatte der ADAC in der Vergangenheit vehement von den deutschen Autoversicherern gefordert und im März 2005 über seine damaligen Vermittlungspartner Deutscher Herold und Kravag eingeführt.

In einer Erklärung hieß es 2005: „Der ADAC ist damit der erste Anbieter in Deutschland, der diese verbraucherfreundliche Bedingung einführt.“ Dabei verwies der Autoclub auf einen Unfall, bei der ein britischer Autofahrer im englischen Selby einen Intercity rammte und zum Entgleisen brachte. Der Sachschaden belief sich auf 70 Millionen Euro. Der ADAC warnte damals: „Bei einem solchen Unfall in Deutschland wäre der Verursacher finanziell ruiniert.“ Weil der Schaden im aufgeführten Fall die Versicherungssumme von 50 Millionen Euro übersteigt, müsste der Autofahrer die restlichen Kosten selbst tragen.

Doch von dieser Gefahr und von Verbraucherfreundlichkeit will der Club seit 2009 scheinbar nichts mehr wissen. Zum 1.10.2009 führte der ADAC den Eco-Tarif ein, der bei Kfz-Haftpflichtschäden nur noch einen Schutz von 50 Millionen Euro vorsieht. Weitere 13 derart gefährlicher Magerangebote gibt es laut der Unternehmensberatung Nafi aus Höxter aktuell auf dem deutschen Markt, der immerhin fast 270 Kfz-Tarife umfasst.

„Die Clubmitglieder haben einen günstigen Tarif nachgefragt“, begründet ADAC-Sprecher Jochen Oesterle die Einführung des ECO-Angebotes. Tatsächlich ist der Tarif aber im Vergleich zu anderen Angeboten gar nicht günstig. Mehr als 65 Angebote anderer Kfz-Versicherer sind in der Regel preiswerter. Zudem hat der ECO-Tarif des ADAC noch eine weitere Schwachstelle beim Kaskoschutz. Dort gilt weiterhin die Regel, dass der Versicherer bei grob fahrlässigen Fahrfehlern, abhängig vom Verschulden des Fahrers, hohe Abzüge machen darf. „Wer bei Rot über die Ampel fährt und einen schweren Unfall verursacht, muss bei solchen Versicherungsbedingungen damit rechnen, dass er nur rund die Hälfte des Schadens an seinem Auto ersetzt bekommt“, warnt Arno Schubach, Fachanwalt für Versicherungsrecht aus Koblenz.

Bei den meisten Kaskotarifen verzichten die Versicherer heute bei groben Fahrfehlern auf jeglichen Abzug. Allein bei Drogen am Steuer und bei einer leichtsinnigen Ermöglichung des Diebstahls sind weiterhin Kürzungen üblich. Gefährlich ist aber immer noch eine Reihe von Basistarifen. Doch nicht nur ADAC-Versicherte, die mit ECO-Tarif unterwegs sind, fahren mit einem hohen finanziellen Risiko. Das gilt auch für alle, die vor dem 1. April 2010 einen ADAC Kompakt-Tarif gekauft haben. Bei den Alttarifen gilt ebenfalls, dass der Versicherer das Recht hat, bei schweren Fahrfehlern Abzüge von der Erstattung zu machen.

Derzeit sind über 100 000 Autofahrer im Kompakt-Tarif des ADAC versichert. Eine Besserstellung der Altkunden hat der ADAC nicht vorgenommen. Dabei könnte sich die Autoversicherung des Clubs, die heute eine Kooperation mit der Zurich Versicherung ist, durchaus mehr leisten, denn die Schadenquote lag 2012 lediglich bei 89 Prozent. Demgegenüber verzeichnet im gleichen Jahr der mit seinen Tarifen sehr günstige Marktführer HUK-Coburg eine Schadenquote von knapp 92 Prozent.

Geht also das Gewinnstreben bei der ADAC-Autoversicherung daher deutlich vor Verbraucherschutz? Laut Oesterle berät der ADAC seine Mitglieder aber immer in Richtung hochwertiger Tarife. Eine Marktanalyse zeige, dass der Toptarif Komfort-Vario, der keine der aufgezeigten Schutzlücken aufweist, dafür auch recht kostspielig ist. Aber selbst bei einem Treuebonus für 20-jährige Klubmitgliedschaft gibt es rund 140 Tarife am Markt, die preiswerter ausfallen.

Der Partner Zurich will trotz der Vorkommnisse beim ADAC die Kooperation um fünf Jahre weiterführen. „Unsere erfolgreiche Kooperation wird durch diese Vorkommnisse nicht beeinflusst“, bestätigt Zurich-Sprecher Bernd Engelien. Seit Gründung der Gesellschaft Ende 2007 hat sich der Bestand an Kfz-Policen von rund 300 000 auf über 630 000 mehr als verdoppelt. Die Beitragseinnahmen lagen im Jahr 2013 bei 223 Millionen Euro.

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