Bella Giulietta

Alfa Romeo Giulietta: Vernunftehe mit einer bella ragazza
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Leidenschaft und Vernunft, Temperament und Zurückhaltung: Selten vereint ein Auto diese Gegensätze derart überzeugend auf sich, wie die Giulietta 2.0 JTDM mit Doppelkupplungsgetriebe (allgemein DKG, bei Alfa TCT) und 129 kW/175 PS unter der wohl geformten Motorhaube. Besonders in klassischem Rot, genannt „Rosso Alfa Spezial“, betört das Rasseweib unter den Kompakten den Betrachter beinahe so wie Alfas Werbebotschafterin Uma Thurman in ihren heißesten Hollywood-Rollen.

Topdiesel mit Temperament und gutem Verbrauch

Neuerdings mit Euro 6 gesegnet, soll der neue 2.0-Liter-Topdiesel weiterhin für Temperament bei vernunftorientierten Verbrauchswerten sorgen. Das kriegt er gerade in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe TCT sehr gut hin. Den Drahtseilakt zwischen Temperament und Zurückhaltung stellt die Giulietta bei unserem Test im gemischten Alltagsbetrieb Stadt/Landstraße/Autobahn tatsächlich unter Beweis: 4,7 l/100 km sind bei bewusster Fahrweise nach den Regeln der Spritsparkunst möglich - vorausschauend, früh hoch- und spät herunterschaltend, auch auf der Autobahn mit maximal 120 km/h, aber keineswegs als rollendes Verkehrshindernis. Und wer die "bella ragazza" bei Bedarf aus der Reserve lockt, bekommt trotzdem Kraft und Temperament zu spüren. Ungeachtet der Spitzenleistung fallen besonders 320 Nm Drehmoment schon bei 1.500/min ins Gewicht. Die Schubkraft ist auch aus dem Drehzahlkeller heraus enorm, das gut übersetzte TCT hat im Automatikmodus leichtes Spiel und erledigt seine Aufgabe angenehm sanft und ruckelfrei - für DKGs keine Selbstverständlichkeit. Wer zu den Schaltwippen am Lenkrad greift, ruft zusätzliche Agilität ab. Lediglich beim Einlegen des Rückwärtsganges wünscht man sich das TCT etwas flotter. Der Dynamik-Modus der Giulietta bringt sogar 350 Nm Drehmoment bei 1.700/min. Selbst dann und mit extrem sportlicher Fahrweise steigt der Durchschnittsverbrauch auf maximal 7,7 l/100 km, was angesichts der dabei abgerufenen, hohen Fahrdynamik immer noch vertretbar ist.
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Innenraum Alfa Romeo Giulietta

Motorische Rasse und optische Klasse der Alfa Romeo Giulietta werden leider von einigen Makeln leicht getrübt. So kann die Materialqualität im Innenraum weder mit dem schicken Äußeren noch mit dem Bestseller-Rivalen VW Golf mithalten. Hochwertige Soft Touch-Oberflächen sind zwar vorhanden, und besonders die Carbon-Optik am Armaturenbrett und in den Tür-Innenverkleidungen passt zum sportlichen Flair des Italo-Kompakten. Aber an prominenten Stellen wie den Armablagen stört harter Kunststoff, obwohl er wenigstens strukturiert und matt in der Oberfläche ist. Hochwertig und sehr gut konturiert verwöhnen die Sitze vorn und hinten die Passagiere mit ausreichend Seitenhalt für sportliche Fahrweise und ausreichend Komfort fürs Dahingleiten. Die Platzverhältnisse sind auf den Vordersitzen sehr gut und selbst für Zweimeter-Männer geeignet, jedoch hinten sollte ein Mitfahrer höchstens 1,75 m messen. Aber welcher Alfista duldet schon großgewachsene Nebenbuhler im eigenen Fond? Auch sollte der Alfa-Pilot seinen Blick nicht allzu oft seitlich nach hinten orientieren, denn da gibt’s außer breiten C-Säulen nicht viel zu sehen – ein Phänomen, das Fahrern des Klassenprimus aus Wolfsburg allerdings auch vertraut ist.

Fahreindrücke

Kultivierte und kräftige Leistungsentfaltung des Zweiliter-Turbodiesels wird untermalt von einer reizvollen Soundkulisse: Angenehm dezent bei niedrigen, temperamentvoll bei höheren Drehzahlen. Nur kurze Zeit nach dem Kaltstart macht sich der Selbstzünder deutlicher bemerkbar, als den Insassen lieb ist. Insgesamt freut sich der dieselfahrende Alfista über jene Fahrleistungen, die er sich von seiner Marke auch ausdrücklich erwartet. Dennoch weiß er auch die kultivierte Leistungsentfaltung und den zurückhaltenden Spritkonsum zu schätzen. Mit ihrem optischen Auftritt ist die Giulietta von Alfa Romeo ein Gesicht in der Menge der Kompaktwagen auf unseren Straßen. Objektive kleine Nachteile etwa gegenüber Klassenprimus VW Golf verzeiht man der rassigen Italienerin dank ihres außergewöhnlichen Flairs. Der Motor ist ein Prachtstück. Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist es heute nicht mehr mit Verzicht verbunden, einen Alfa Romeo zu fahren. Preislich ist die Giulietta allerdings nicht gerade ein Schnäppchen. Sie liegt hier nur unwesentlich unterhalb von Rivalen wie Audi A3, BMW 1er und VW Golf. Da muss eben der betörende Charme der bella ragazza nachhelfen - oder Uma Thurman in der Werbung.

Bewertung

Plus: Kraftvoller und dennoch sparsamer und kultivierter Antrieb, sanft schaltendes und gut abgestuftes Doppelkupplungsgetriebe, Fahrwerk mit gutem Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit, eigenständiges Design. Minus: Platzverhältnisse hinten, Materialien im Interieur.

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Technische Daten Alfa Romeo Giulietta JTDM 2.0 TCT

Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 4,35/1,80/1,47/2,63
Leergewicht: 1.410 kg
max. Zuladung: 430 kg
Kofferraumvolumen: 350 l – 1.518 l
Tankinhalt: 60 l
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1.956 ccm
Leistung: 129 kW/175 PS bei 3.750/min
maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1.750/min
0 bis 100 km/h: 7,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 219 km/h
Normverbrauch: 4,3 Liter Diesel je 100 km
CO2-Ausstoß: 113 g/km
Preis: ab 30.400 Euro

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