Bentley Bentayga

Bentley Bentayga – Abnahmefahrt

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Viele empfinden ihre rasche Vermehrung als Auswuchs von Dekadenz. Doch die wachsende Kundschaft stützt den weltweiten Trend: SUV vermehren sich wie Kaninchen – wenngleich sie als Elefanten im Straßenverkehr auftreten. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, wann auch die automobile Oberschicht danach fragt, die ganz obere! Den Anfang macht Bentley.

Bentley Erprobungsfahrt in Südafrika

Rein pragmatisch betrachtet, ist der neue Bentley Bentayga eine automobile Mischform aus Luxus-Limousine, Raumtransporter und mobilem Hochsitz mit entsprechender Bodenfreiheit auf einer Verkehrsfläche von europäischer Verträglichkeit. Emotional gesehen ist das SUV ein ultra-luxuriöses Reiseabteil, gemeißelt aus dem Granitblock einer kanarischen Gebirgsformation. Vom tropisch-insularen Bergmassiv der Kanaren entlehnt wurde die Modellbezeichnung: "Bentayga". Wir begleiten Bentley Entwicklungs-Chef Rolf Frech und seine Ingenieure auf der letzten Heißklima-Erprobung vor dem Serienstart im fernen Südafrika. Frech treibt den Bentayga über Schlagloch gespickte Staubstrassen, unter Volllast aus Kurven heraus und bremst ihn vor plötzlichen Hindernissen brutal runter. Faustgroße Steine werden unter Traktion aus dem Erdreich gerissen, wenn alle vier Räder zubeißen und eine gelbe Staubfahne hissen. Mehr als 800 Newtonmeter stellt das komplett überarbeitete 6,0-l-W12-Aggregat mit zweistufiger Direkteinspritzung und Twinscroll-Turboladern bereit. Und imposante 235/45 ZR 21 Walzen vorn und hinten setzen sie in Vortrieb um. Dabei intoniert das Kraftwerk ein an den zweitürigen GT erinnerndes tief-frequent hämmerndes Konzert. Der stattliche Bentley beschleunigt auf Asphalt in nur 5,0 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und mit knapp 600 PS auf über 300 km/h. Selbst ein Porsche Cayenne Turbo S hat dabei das Nachsehen, der aktuell als schnellster SUV am Markt gilt. Wir sitzen auf handbelederten Einzelsitzen, abgeschirmt von einer gut isolierten Aluminium-Karosserie. Schon bei 155 km/h im achten Gang dreht sein Zwölfender nur 2.000/min. Beim Cruisen mit 1.200 Touren ist praktisch nichts zu hören. Selbst forciertes Tempo auf mit Schlaglöchern übersäter Schotterpiste geht nur mit einem leisen Rauschen der Räder einher. Entwickler Frech weist auf den sogenannten "Carisma"-Drehschalter in der Mittelkonsole, der aktuell auf "Gravel" zeigt, und im Zentrum den Motor-Starterknopf trägt. Vier Fahrdynamik-Modi sind vorprogrammiert (Sand, Mud, Gravel, Snow/Ice). Auf Asphalt gleitet der neue Bentayga dahin, als gelte es, die Straßenbauer Südafrikas zu heroisieren. Kleine Unebenheiten sowie lange Wellen bügelt sein Fahrwerk nahezu ohne Anregung platt. Wie die Karosserie zudem bei plötzlichen Lenkausschlägen Haltung bewahrt, ist geradezu sensationell. Denn immerhin werden hier über zwei Tonnen Masse zur Richtungsänderung gezwungen. Rolf Frech lächelt zufrieden: "Unser neues Anti-Roll System!"Er meint die Stabilitätsregelung mit elektrischer Luftfeder-Aktivierung, die ähnlich wie die BMW "Active Roll Control" arbeitet. Doch anders als die bayerische 24-Volt-Einheit geht Bentley für noch kürzere Reaktionszeiten erstmals auf 48 Volt. Die Energie bezieht das System aus "Caps", die in Form einer Batterie unter dem Kofferabteil neben dem Reserverad wohnen. Wegen ihrer beträchtlichen Querschnitte mit entsprechend hohem Gewicht verlaufen die stromführenden Kabel in den Seitenschwellern. Und auch die 12-Volt-Starterbatterie liegt zur Absenkung des Schwerpunktes im Fußraum des Beifahrers. Mit dem Bentayga führt Bentley erstmals Ausstattungsmerkmale ein, die mit Blick auf das gepflegte britische Understatement bisher tabu waren. Beispielsweise das aus dem Audi Q7 bekannte Head-up Display nebst riesigem TFT-Bildschirm im Cockpit. Doch anders als Audi setzt Bentley dort erfreulicherweise auf hochwertig anmutende Analoginstrumente (Tacho und Tourenzähler). Dem Leittier der schnell wachsenden Herde automobilen Großwilds werden weitere Derivate folgen. Etwa ein Bentayga mit 4,2-l-V8-Dieselaggregat aus dem Regal von Audi für europäische Kunden sowie ein mit technischer Unterstützung von Porsche entwickelter Hybrid-Antrieb für amerikanische und asiatische Märkte. Und dass nicht nur Herrschaftshäuser aus dem Mittleren Osten auf Seine Majestät, in Form einer Bentayga Langversion warten, scheint sicher. Im britischen Königshaus fährt man traditionell Bentley. Und nachdem die dortige Vermehrungswelle nach Status-gerechter Mobilität verlangt, sollte ein gepanzerter Bentayga mit verlängertem Radstand bereits auf der Wunschliste stehen.
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