Daten-Sammelwut

Der Autofahrer als Daten-Melkkuh
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Eine ausgeprägte Daten-Sammelwut gibt es nicht nur bei Google und Facebook, sondern auch die Autohersteller saugen so viele Informationen über ihr Klientel wie nur möglich aus ihren rollenden Produkten: Die Informationsflut zeichnet mehr als nur den Zustand von Bremsen und Getriebe oder den Zeitpunkt der nächsten Inspektion auf. Und wer darf auf diese Daten eigentlich zugreifen – und sie gewinnbringend nutzen? Darum ging es im Umfeld des Verkehrsgerichtstags 2015 beim „Goslarer Diskurs“ unter dem Motto: „Der Auto(-matisierte) Fahrer – ferngesteuert und abgezockt?“

Wettbewerb eingeengt

Die Ausgangslage ist klar: Moderne Autos produzieren beim Fahren jede Menge an Daten. Verbrauch, Verschleiß, Ölstand – das alles wird permanent überwacht und zum Beispiel dafür genutzt, die Besitzer rechtzeitig in die Werkstatt zu holen. Im Prinzip eigentlich eine gute Sache. Doch die Frage stellt sich sofort: In welche Werkstatt? Nur in die markengebundene des Herstellers, oder auch zu einem freien Anbieter? „Ein Datenmonopol des Herstellers kann nicht im Interesse des Verbrauchers sein“, warnt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Und die Prüforganisation Dekra sieht durch ein Datenmonopol den Wettbewerb eingeengt und sogar die Verkehrssicherheit gefährdet.

Wem gehören die Daten?

„Die Kernfrage stellt sich hier also: Wem gehören denn die Daten?“, so ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker. Eigentlich sind sie dem Fahrzeug-Eigentümer zuzurechnen, doch der hat gar keinen Zugriff darauf. Und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die das Thema regelt, „versteht doch kein Mensch“, so Beckers Kritik.

Gewicht, Fahrstil und Tempoverstöße feststellbar

Dabei können „die Hersteller durch die Daten sehr viel über den Kunden erfahren, das geht weit über das eigentliche Fahren hinaus“, so Professor Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. Sogar das Gewicht des Fahrers ließe sich feststellen, sein Fahrstil sowieso. Der Kartell-Spezialist Thomas Funke setzt noch eins drauf: Über Navi-Karten und GPS ließen sich natürlich auch Bewegungsprofile erstellen oder Tempoverstöße feststellen.

Es geht ums Geld

Und um was geht es bei der grassierenden Daten-Sammelwut letztlich? Natürlich ums Geld, so Auto-Experte Guido Reinking: „Die deutschen Autofirmen investieren bis zu 20 Milliarden Euro in die Vernetzung. Das muss sich auszahlen.“ Und das geschieht, indem versucht wird, die Kunden in die Markenwerkstätten zu führen, wo dann das Geld verdient wird.

Versicherungswirtschaft sieht sich ausgebremst

Auch die Versicherungswirtschaft drängt auf Zugang zur großen Datenflut, sieht sich aber derzeit noch arg ausgebremst. HUK-Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Heitmann: „Der Kunde soll selbst entscheiden, wer die Daten bekommt. Ein Monopol darf es nicht geben.

EU-Gesetzgeber in der Pflicht

„Letztlich, da waren sich die Diskurs-Teilnehmer einig, ist der EU-Gesetzgeber gefordert; denn die nächsten großen Themen in diesem Bereich stehen schon vor der Tür: etwa die daten- und versicherungsrechtliche Problematik des automatisierten Fahrens, das schon Ende des Jahrzehnts Praxis werden soll; oder die doppelte Datenflut durch die Auto-zu-Auto-Kommunikation.

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