Fahrdynamiktraining für die Piloten von morgen: Die Driftlehrlinge

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(motorsport-magazin.com) "Anfänger", krächzt es aus dem Funkgerät während Daniel Abt sich mehrfach drehend aus dem mit Pylonen gesteckten Slalomkurs verabschiedet. Sprüche wie "da fährt ja meine Oma besser" können bei der Speed Academy nur von einem kommen: von Instruktor Christian Menzel – Mister Drift himself – der selten ein Blatt vor den Mund nimmt, und schon gar nicht, wenn es um die Fehler seiner Driftlehrlinge geht. Übel nimmt ihm das keiner, denn solchen Ansagen folgt eine klare Fehleranalyse, damit es beim nächsten Durchgang besser klappt. "Natürlich war ich etwas nervös, für mich war es das erste Mal hinter dem Steuer eines Straßenautos", meint der erst 15-Jährige Daniel, "anfangs fuhr ich doch sehr zögerlich, erst auf Anweisung der Instruktoren habe ich erst angefangen zu pushen."

Diesmal ist der Rennfahrernachwuchs der Academy beim Fahrdynamiktraining auf dem ADAC-Gelände in Hockenheim versammelt. Für René Rast ist es bereits das dritte Fahrdynamiktraining, Marco Wittmann war schon beim letzten Fahrdynamiktraining in Papenburg dabei. Für die beiden Neuzugänge der Speed Academy Daniel Abt und David Mengesdorf ist Hockenheim dagegen die Premiere in Sachen Kreisbahn, Gleitbelag, Wasserfontänen und unfreiwillige Pirouetten mit straßenzugelassenen Autos. Der ehemalige Academyschüler und Mercedes DTM-Pilot Maro Engel stand bei diesem Event erstmals dem Nachwuchs beratend zur Seite.

Ein Fahrdynamiktraining der Speed Academy findet natürlich nicht mit irgendwelchen Autos statt. Diesmal stellte AMG Mercedes den Fuhrpark: sechs Mercedes SLK55 der AMG Black Series. Jeder mit potenten 400 PS aus einem 5,4-Liter V8-Sauger mit einem herrlichen Sound. Tiefer durch ein exklusives kw-Fahrwerk, leichter dank Karbondach und griffiger durch die montierten Pirelli Pzero Corsa Semislicks. Je ein silberner SLK55 für jeden Kandidaten. Und einen Schwarzen für die Instruktoren des Tages: Jury Mitglied und Porsche Carrera Meister Christian Menzel und Michael Seifert, der 2008 im Porsche Super Sports Cup unterwegs ist. "Kraft ist in ausreichendem Maß vorhanden", grinst Instruktor Menzel, nachdem er den AMD SLK zur Demonstration der ersten Übung "im instabilen Zustand" durch den Slalom geprügelt hatte.

"Es gibt mehrere Möglichkeiten einen Drift beim Hecktriebler einzuleiten: Ihr könnt den Drift über Lastwechsel, Gasstöße oder durch Anpendeln erzwingen", erklärt Menzel. "Aber lasst mir ja die Finger von der Handbremse", warnt Michael Seifert, "das ist bei Driftern absolut verpönt." An der ersten Station musste ein Slalomparcour im instabilen Fahrzeugzustand durchfahren werden. Soll heißen: die SLK sollten im Dauerdrift um die blauweißen Pylonen pendeln. "Letztes Jahr tat ich mir bei dieser Übungen unheimlich schwer", erzählt Marco Wittmann, "aber dieses Mal hatte ich das richtige Gefühl und der Drift kam schon fast automatisch." René Rast konnte hier natürlich seine Erfahrungen aus den letzten beiden Jahren nutzen: "Ich konnte viel mehr mit dem Auto spielen und wesentlich aggressiver ans Werk gehen." Nicht ganz so leicht taten sich die Novizen David und Daniel Abt: "Mir gelang es einfach nicht einen gleichmäßigen Zustand des Driftens herzustellen."

Für Enttäuschung blieb keine Zeit, auf zur nächsten Aufgabe. Ausweichmanöver auf Gleitbelag vor plötzlich auftretenden Wasserhindernissen. Erschwert wurde die Sache durch die Hydraulikplatte, die das Fahrzeugheck beim Überfahren nach links oder rechts versetzt. Die Richtung kennt dabei nur der Instruktor, genau wie die Position der Wasserfontänen. "Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man nicht weiß wohin das Fahrzeugheck ausbricht", sagt David Mengesdorf. Marco Wittmann nickt: "Ja, ich habe anfangs jedes Mal zu spät reagiert. Denn dreht sich das Fahrzeug erst mal, kannst du es auf der glatten Fläche kaum mehr abfangen."

"Hört auf zu denken, dann klappt auch das Gegenlenken", bringt Menzel die Sache auf den Punkt: "Setzt eurem Popo ein, der sagt euch schon, was zu tun ist." Das sieht auch René Rast so: "Ich habe gelernt, dass man sich einfach auf sein Gefühl verlassen muss und nicht denken darf, denn, wenn man das macht, ist das Auto schon so gut wie verloren."

Als nächstes ging es mit der 600.000 Euro-AMD-Kolonne ab zur bewässerten Kreisbahn. "Ziel der Übung ist der Drift, also das Auto konstant instabil zu halten. Hier spielen die Lenkung und Gaspedal die wichtigste Rolle" erklärt Menzel. "Wenn an der Hinterachse durch Gasstöße Schlupf entsteht, dann bricht erst mal das Heck aus und über mehr oder weniger Schlupf lässt sich das Auto in Kombination mit der Lenkung gezielt steuern und Driften." Den Anfang macht Christian Menzel, der jeden Kandidaten auf ein paar Runden im perfekten Drift mitnahm. Dann war der Nachwuchs dran: Auf dem Gleitbelag sollte zunächst das Gefühl für den Drift gewonnen werden, dann ging es auf die die Innenbahn der Kreisbahn. Eine Übung, bei der alle Teilnehmer punkten konnten und bald rundenweise im konstanten Drift unterwegs waren. "Ich hatte sofort den Rhythmus gefunden und wusste mit welchem Lenkeinschlag ich die Kreisbahn durchzufahren hatte", freut sich Marco. Auch Newcomer David ist begeistert: "Ich fühlte mich super wohl und hatte daran richtig Spaß".

Nach der Mittagspause standen Ausweichübungen ohne Bremsphase auf dem Programm: "Das Auto bei höheren Geschwindigkeiten einfach ausbrechen zu lassen und dann versuchen mit vollem Lenkeinschlag das Auto auf nasser Fläche zurückzuholen ist einfach nur geil", sagt René Rast. Zum Abschluss des Tages stand die wohl schwierigste Aufgabe auf dem Programm: Auf nassem Belag sollten die Academyker eine "Acht" driften. Ein harte Nuss für die Novizen Daniel Abt und David Mengesdorf, denn die Semislicks auf dem 400 PS Mercedes zeigten erstaunliches Haftvermögen, das selbst den Profis Seifert und Menzel ihr volles Können abforderte.

"Ich bin bei jedem Training sicherer geworden und habe jetzt ein viel besseres Fahrzeuggefühl, was mir sicherlich auch auf der Rennstrecke viel weiterhilft", lautet das Fazit von René Rast. Auch Marco Wittmann konnte sich im Vergleich zum letzten Jahr wesentlich steigern. "Ich denke dass ich durch dieses Fahrdynamiktraining viel Erfahrung sammeln konnte, die ich in meinen Rennen umsetzen möchte." So sieht das auch Daniel Abt: "Ich hoffe, ich kann die neuen Erfahrungen in meinem Rennauto genauso umsetzen, um das Beste aus diesem Tag zu ziehen." Die Umsetzung im Renneinsatz ist genau das Ziel solcher Speed Academy-Veranstaltungen. "Denn bei schönem Wetter kann jeder", weiß Instruktor Menzel, der sich sehr zufrieden mit seinen Driftlehrlingen zeigte. Auch AMD-Chief Instructor Reinhold Renger und Michael Seifert sind voller Lob: "Es freut mich zu sehen, wie gut sich die Jungs geschlagen haben, vor allem die, die das heute zum ersten Mal gemacht haben". Doch dabei wird es sicher nicht bleiben…

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