Hintergrund: Feinstaub im Auge
Hintergrund: Feinstaub im Auge Bilder

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Auch wenn von vornherein klar ist, dass allein das Aussperren von Kraftfahrzeugen aus Umweltzonen außer Ärger für Betroffene kaum deutlich bessere Luftqualität beschert, wie Messungen ergeben – das Dichtmachen innerstädtischer Bereiche geht weiter. Weil Umweltzonen deutschen Kommunen einfach ein gutes Gewissen bescheren. Das ist doch schon mal was. Deutschlands Hauptstadt hat jetzt messtechnische Zwischenbilanz gezogen. Überraschen kann sie nicht.

Berlin bleibt Berlin. Selbst ihr Feinstaub bleibt der Hauptstadt erhalten. Kaum gelohnt zu haben scheint sich der kommunale Ehrgeiz, ein ausgesprochen großräumiges Sperrgebiet für verruchte automobile „Stinker“ einzurichten, wie erste Messergebnisse zeigen.

Erklärtes Ziel des rot-roten Berliner Senats war, vor allem Kraftfahrzeuge mit Dieselmotor ohne Partikelfilter aus Spreeathen zu verbannen, nachdem sie wieder und wieder als die schlimmsten Luftverschmutzer gebrandmarkt wurden. Zum Zwecke der schrittweisen Ächtung solcher Autos – selbst jüngerer Jahrgänge, deren feinstäubiges Abgas nicht ganz koscher schien – erfand man die „Umwelt-Plaketten“ in leuchtendem Rot, Gelb und Grün, das Stück zu fünf Euro oder auch mehr. Plakettenhandel. Eine simple, aber einträgliche Geschäftsidee. Hätte man selbst drauf kommen sollen!

Und nun? – Seit Januar 2008 ist die Berliner Umweltzone für plakettenlose Fahrzeuge tabu – es sei denn, eine Ausnahmegenehmigung übernimmt die Abgasreinigung. Jetzt wurden die Daten der Messstationen ausgewertet, von denen sich die Güte der so gern besungenen Berliner Luft ablesen lässt. Das Fazit wurde zusammen mit den Ergebnissen automatischer Verkehrszählungen aufbereitet. In die Auswertung flossen laut eines Berichts der Zeitung „Die Welt“ auch die Erkenntnisse einer 24-stündigen Kennzeichen-Überwachung per Video ein. Überrascht? – Autofahrer müssen heutzutage eben nicht nur Blitzer fürchten.

Die Bilanz der Berliner Umweltverwaltung nach einem Jahr Umweltzone: Die Messstellen an Hauptverkehrsstraßen registrierten im Jahresmittel 14 bis 22 Prozent weniger Rußpartikel, zehn Prozent weniger Stickoxide und ganze drei Prozent weniger Feinstaub. Eingeräumt wird nun immerhin, dass sich über den Autoverkehr grundsätzlich nur etwa 22 Prozent der Feinstaubbelastung beeinflussen ließen.

Neu ist die Erkenntnis weiß Gott nicht, dass innerstädtisch festgestellter Feinstaub zum größten Teil eben nicht aus Abgasanlagen von Kraftfahrzeugen, sondern aus anderen Quellen stammt. Der Berliner Senat weiß inzwischen sogar, dass genau 56 Prozent des Feinstaubs, der über die Stadt herfällt, von außerhalb über die Stadtgrenzen geweht wird. Nicht etwa nur aus der brandenburgischen Umgebung. Selbst Feinstaub aus der Sahara sei an der Spree schon angenommen, war irgendwo zu lesen.

Auf die Idee, man müsse möglicherweise sogar die in Mode gekommenen Kaminöfen verdächtigen, ist man offenbar noch nicht gekommen. Immerhin trifft der Schuldspruch der Berliner Umweltverwaltung aber nun auch Wetterlagen mit auffälligem Feinstaubpotenzial. In Feinstaubverdacht steht das Wetter eigentlich schon immer. Manchmal brauchen Erkenntnisse eben einfach ein bisschen länger, ehe sie politische Sperrriegel überwinden.

Man könnte glatt annehmen, das Auto erfahre eine Art Rehabilitierung. Weit gefehlt! Ab 1. Januar 2010 trifft das Fahrverbot in der hauptstädtischen Umweltzone alle Fahrzeuge mit einer roten oder gelben Plakette. Die Plaketten sollen’s wieder richten. Schon heute aber vermutet die Berliner Umweltsenatorin Katrin Lompscher, dass der künftige Stickoxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel kaum einzuhalten sei. Was fällt ihr dazu ein? – Härtere Emissionsvorschriften für Autohersteller. Natürlich.

Wie würde Berlin, die deutsche Hauptstadt, dastehen, wenn sie angesichts immer neuer EU-Auflagen nichts unternähme! Gut, dass man wenigstens die schönen bunten Umweltplaketten hat! Umweltpolitische Kosmetik kommt ohne öffentliche Demonstration von Entschlossenheit nicht aus. Egal, ob mit oder ohne Feinstaub im Auge.

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