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Hyundai-Modelle: Große Pläne mit kleinen Autos
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Allan Rushforth ist Europäer – und eigentlich fände er es nur gerecht, dass sein Arbeitgeber auch als solcher wahrgenommen wird. Dafür hat der Europa-Chef von Hyundai schlagkräftige Argumente: „95 Prozent aller Autos, die wir auf diesem Kontinent verkaufen, wurden in Rüsselsheim designt und entwickelt, 70 Prozent bauen wir auch in Europa. Wir zahlen hier fast eine Milliarde Euro Steuern und geben 129.000 Europäern Arbeit.“

Rushforth weiß aber auch, dass immer noch ziemlich viele Europäer Hyundai anders sehen – ordentlich, emotionslos, billig, asiatisch – und will darum am Imagewandel kräftig weiterarbeiten. Helfen sollen, wen wundert’s, zwei Europäer: Peter Schreyer und der neue i10. Letzterer wird ab September in einer Neuauflage erstmals aus dem türkischen Werk bei Istanbul rollen – statt wie bisher aus Indien. Dort laufen nur noch die Modelle für Asien vom Band.

Rund 75.000 Einheiten seines i10 will Hyundai auf dem alten Kontinent jährlich verkaufen. Made in Europe wird auch das zweite Modell vom türkischen Band sein: Der i20-Nachfolger, der 2014 auf den Markt kommt. Der Vorgänger wird schon dort gebaut. Nun ist für den kleinen Bruder die Fertigungskapazität rasant erhöht worden – von rund 100.000 auf 200.000 Fahrzeuge im Jahr. 475 Millionen Euro hat das gekostet. Mehr als 300.000 der Modelle i30, ix20 und ix35 kommen aus Tschechien dazu – und 224.000 Fahrzeuge steuert das russische Hyundai-Werk bei St. Petersburg für den dortigen Markt zu. „Wir sind gut ausgelastet“, freut sich Rushforth.

Das türkische Werk läuft auch im Umbau auf Hochtouren

Die bald 2.500 türkischen Werker könnten im Dreischichtbetrieb vier verschiedene Modelle an einem Band bauen – unter großen blauen Bannern mit Sprüchen wie: „Produktivität – es liegt in deiner Hand“. Klassische Musik gibt dabei den Produktionstakt an. Während viele Konkurrenten in Europa derzeit tief in der Absatzkrise stecken und Werke schließen müssen, baut Hyundai seine Marktanteile stetig aus. 3,5 Prozent vom europäischen Kuchen gehört den Koreanern bereits. Designer Jochen Werner sagt denn auch: „Ich habe noch nie so schnell so viel Neues gestaltet wie hier“.

Dabei begegnet er inzwischen auch immer öfter Peter Schreyer. Das ist der Mann, der bereits die Hyundai-Schwestermarke Kia deutlich aufgepeppt hat: eigenes Markengesicht, sportlicher Auftritt, wertige Gestaltung. Der Erfolg ist in Korea registriert worden. Inzwischen ist der frühere Audi-Designer auch für den Stil der Hyundai-Produkte mitverantwortlich – und deshalb oft bei den einschlägigen Teams im hessischen Designzentrum der Marke zu sehen.  

Wer viel gewinnt hat schließlich auch viel zu verlieren

Rund 680.000 Europäer besitzen derzeit einen fünf bis sieben Jahre alten Hyundai. Da steht bei vielen Fahrern ein Wechsel an. „Die müssen wir bei der Marke halten – und gleichzeitig neue gewinnen“, so Rushforth. Gerade der i10 ist da gefordert. Denn mit dem kleinen Einsteigerfahrzeug haben die Koreaner besonders viele Kunden erstmals zu Hyundai gezogen.

Vor allem junge Käufer dürften es aber gerne noch mehr sein

Deswegen wird der Nachfolger wohl auf die neue Design-Linie Namens „fluidic sculpture“ einschwenken. Das Spiel von markanten Sicken, dem Sechseck-Grill, fließenden Formen und klarer Gestalt kann sich Designer Werner „noch ein bisschen teutonischer vorstellen“ als bei i30 oder i40. Weniger verspielt also. Da dürfte er auf einer Wellenlänge mit Schreyer liegen.

Die Ergebnisse werden schon im September auf der IAA zu sehen sein, wo der i10 Premiere feiert. Und diese werden erfolgsentscheidend sein. Denn „für 31 Prozent unserer Neukunden ist das Außendesign der wichtigste Kaufgrund“, so Rushforth. Die Zeiten praktischer Sparbüchsen für verzichtsbereite Fahrer sind also vorbei. Müssen sie auch – schließlich stehen mit mehreren chinesischen Herstellern bereits neue Konkurrenten in den Startlöchern, die ähnlich wie Dacia vor allem mit Basis-Autos zum Billigpreis punkten wollen. Mit mehr Liebe zum Detail, besseren Materialien, mehr Sicherheitsfeatures und Luxus-Ausstattungen wollen die Koreaner dagegenhalten.

Rushforth weiß, dass die Kunden müffelnde Innenräume oder schwammige Fahrwerke inzwischen nicht mehr verzeihen. „Hyundai Yolu Kalitenin Yoludur“ – der „Hyundai-Weg ist der Weg der Qualität“ gibt ein vier Meter breites Spruchband im türkischen Werk daher die Linie vor, die der nächste i10 nachdrücklich belegen soll. Auf der hauseigenen Rüttelstrecke am Werk wird streng abgeschirmt derzeit kräftig getestet. Und für die Feinabstimmung künftiger Modellgenerationen hat sich Hyundai ein ruhmreiches europäisches Ambiente gesichert: Das neue Testcenter steht am Nürburgring.

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