Im Burgenland (I): Am Neusiedler See in der österreichischen Steppe
Im Burgenland (I): Am Neusiedler See in der österreichischen Steppe Bilder

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Zum Naturraum Neusiedler See gehören auf österreichischer Seite die Zitzmannsdorfer Wiesen, Illmitz/Hölle, Sandeck/Neudeck, Apetlon/Lange Lacke und Waasen/Hansag. Bilder

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Bei der Landschaft handelt es sich um einen noch intakten Naturraum. Bilder

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Hölzerner Beobachtungsturm am Rand des Neusiedler Sees. Bilder

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Aufgehängtes (Rinder-)Bild in der St. Martins Lodge und Therme. Bilder

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Wein, roter wie weißer, gehört zum Burgenland. Bilder

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Mit Fernglas und Spektiv bei der Vogelerkundung. Bilder

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Im Nationalpark Neusiedler See. Bilder

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Illmitz – Auf der Autobahn vor Wien rechts ab und am Flughafen Schwechat vorbei südöstlich Richtung Budapest. Im Burgenland, der „Sonnenseite Österreichs“, scheint es, als schalte das Leben auf einmal zwei, drei Gänge zurück. Wir lassen uns ein – auf das Ruhige, Stille, auf das eher Gemächliche in der Region rund um den Neusiedler See. „Ohne Beobachtungsfernrohr geht gar nichts“ Alois Lang zieht seinen Strohhut auf, schultert sein Spektiv. „Ohne ein Beobachtungsfernrohr“, sagt der Mann vom Informationszentrum des Nationalparks Neusiedler See/Seewinkel in Illmitz, „geht eigentlich nichts.“ Es ist warm an diesem Tag. „Bei uns“, stützt Lang dabei durchaus die „300 Sonnentage im Jahr“, mit denen Österreichs östlichstes Bundesland wirbt, „regnet’s meist nur im Fernsehen.“

Zwischen Puszta und Alpen

Fern sehen? Im natürlichen Sinn, etwa mit Hilfe eines Spektivs, in jedem Fall. Denn was hier in der pannonischen Ebene zwischen Puszta und Alpen rund um den westlichsten Steppensee Europas zählt, ist vor allem die Natur. Das Gebiet nennt Lang nicht nur aus geografischer, sondern auch aus biologischer Sicht einen „Grenzraum, in dem Pflanzen- und Tierarten aus den verschiedensten Regionen zu finden sind“. Aus alpinen, pannonischen, asiatischen, mediterranen, aus nordischen. Für den Nationalpark-Kenner ein „Reichtum, der freilich ohne die Vielfalt an Lebensräumen wie Feuchtgebiet, Weidefläch, Wiesen, Trockenrasen, Sandsteppen-Areale und Salzstandorte nicht möglich wäre“.[foto id=“512337″ size=“small“ position=“right“]

Es gilt das Wegegebot

Wir begleiten Lang hinaus in die Ebene und in den Park, der sich in die Zitzmannsdorfer Wiesen, die Illmitzer „Hölle“, Sandeck/Neudegg, „Lange Lacke“ und, schon auf ungarischem Territorium, den Waasen/Hansag unterteilt. In der Naturzone findet keinerlei Nutzung statt, in der Bewahrungszone ist Natur auch für Besucher über ein Leitsystem erlebbar. „Es gilt das Wegegebot“, sagt Lang. Was bedeutet, dass das Betreten der Wiesen, Wasser- und Schilfflächen streng verboten ist. Von unserem Standort aus können wir im Westen die Ausläufer der Ostalpen sehen. Im Norden grenzt die Parndorfer Platte an, im Osten das frühere Hansag-Niedermoor. „Bis vor wenigen Jahrhunderten ist es noch ein Teilbecken des Neusiedler Sees gewesen“, erklärt Lang: „Das alles hier ist eben ein ständiger, immer im Wandel begriffener Prozess.“ Seichtsee im Schnitt nur einen Meter tief Der im Schnitt nur einen Meter tiefe Seichtsee, dessen Südteil zusammen mit den salzigen, periodisch austrocknenden Lacken den Hauptlandschaftsanteil am Nationalpark bildet, während Reste des Weidelands, Wiesen und ehemalige Acker- oder Weinbauflächen den Kulturlandschaftsanteil prägen, liegt an der tiefsten Stelle der Kleinen Ungarischen Tiefebene in einer Art Wanne, die keinen Abfluss hat.[foto id=“512338″ size=“small“ position=“left“]

Günstige klimatische Bedingungen

Das ganze Becken umfasst heute rund 320 Quadratkilometer, von denen knapp 180 auf den Schilfgürtel rundherum entfallen. Niederschläge und Verdunstung bestimmen den Wasserhaushalt. Das Klima ist leicht kontinental geprägt. „Die Sommer sind bei uns trocken und heiß“, sagt Lang, „sie wechseln mit kalten, schneearmen Wintern.“ Die Region ist eine der wärmsten und mit einer Niederschlagsmenge von gerade einmal 600 Millimetern im Jahr zugleich eine der trockensten Landschaften Österreichs. „Durch die günstigen klimatischen Bedingungen“, klärt Lang auf, „ist aber eine ziemlich lange Vegetationszeit von rund 250 Tagen gegeben.“

Unverzichtbare Funktion für Vogelzug

Wir steigen in einen hölzernen Aussichtsturm hinauf. „Da“, sagt unser Begleiter, „können sie die unterschiedlichsten Vögel sehen.“ Mehr als 300 Arten sind es, die im Jahresverlauf das Gebiet des Neusiedler Sees als Rast- und Fressplatz nutzen. „Etwa 150 davon brüten auch hier.“ Die internationale Bedeutung dieses einzigartigen Naturraums führt Lang auch auf die „unverzichtbare Funktion für den europäisch-afrikanischen Vogelzug“ zurück: „Hier rasten, fressen oder mausern abertausende Zugvögel auf ihrem Weg zwischen Winterquartier und Brutplatz.“

Vom Baumfalken bis zum Steppeniltis

Das Nahrungsangebot in der gesamten Region zieht sie alle an: Baumfalke, Bläßgans, Blaukehlchen, Brachvogel, Enten, Graugans, Großtrappe, Kiebitz, Kornweihe, Löffler, Neuntöter, Rauhfußbussard, Rohrweihe, Rotschenkel, Reiher, Saatgans, Säbelschnäbler, Schwarzkehlchen, Seeadler, Seeregenpfeifer, Seeschwalbe, Storch, Strandläufer, Sumpfohreule, Uferschnepfe, Wachtel, Waldkauz. In vegetationsärmeren Uferbereichen sollen sogar Südrussische Tarantel-Wolfsspinne und Mondhornkäfer leben, in manchen Wiesenabschnitten sich mit dem Steppenfrostspanner eine Schmetterlingsrarität tummeln. Wiesenotter, Hamster, Ziesel und Steppeniltis sind hier zu Hause.[foto id=“512339″ size=“small“ position=“right“]

Vom Wasserbüffel bis zur Zauneidechse

Es gibt Wasserbüffel. Die Beweidung mit Weißeseln dient der Biotop-Pflege am sandigen Seedamm. Ungarische Graurinder und Zackelschafe helfen, landseitig die Ausbreitung des Schilfs zu unterbinden. Im Seevorgelände grasen asiatische Przewalski-Wildpferde. Rehe, Hirsche, Wildschweine suchen tagsüber sichere Deckung. Zu botanischen Kostbarkeiten zählen Stengelloser Tragant, Federgras, Zwergiris, Österreichischer Salbei, Wasserschwertlilie, Moorglanzstengel, Grauaster, Lungenenzian, Prachtnelke, Meerstrand-Wermut, Kampfer-, Sumpfknabenkraut. Brachse, Güster, Hecht, Kaulbarsch, Laube, Wels, Wildkarpfen, Zander bevölkern den See, Amphibien wie Balkan-Moorfrosch, Donau-Kammmolch, Erdkröte, Laubfrosch, Knoblauchkröte, Rotbauchunke Seefrosch, Springfrosch, Teichfrosch, Teichmolch, Wasserfrosch, Wechselkröte sowie Reptilien wie Smaragdeidechse, Ringelnatter, Waldeidechse, Würfelnatter und Zauneidechse den Schilfgürtel und die Uferbereiche.

Info Burgenland I

Das fast 4000 Quadratkilometer große Burgenland ist mit seinen rund 284 000 Einwohnern das kleinste Bundesland Österreichs. Und zugleich das östlichste. Die Slowakei, Ungarn, Slowenien, die Steiermark und Niederösterreich grenzen an. Landeshauptstadt ist das über 13 000 Einwohner zählende Eisenstadt. Einst gehörte die Region zum Königreich Ungarn, das das damalige „Deutsch-Westungarn“ allerdings 1921 dann an Österreich abtreten musste. Der Name „Burgenland“ erinnert laut Fremdenführerin Waltraud Kumer daran, dass das Land aus Teilen dreier altungarischer Komitate zusammengesetzt ist: Wieselburg (Moson), Ödenburg (Sopron), Eisenburg (Vas) und Preßburg (Bratislava). Die Ausläufer der Alpen prägen den hügeligeren Süden, der Neusiedler See den flachen Norden, der zur pannonischen Ebene, abgeleitet von der römischen Provinz Pannonia und den dort lebenden Pannoniern, gehört.

Info Burgenland II

Das ganze Jahr über herrscht im Burgenland mildes Klima vor, das den Wein- und Obstanbau begünstigt. Wir waren diesmal in Frauenkirchen in der St. Martins Lodge und Therme (Vier-Sterne-Superior-Resort, 150 Zimmer/Suiten, natürliches Ambiente, am Rand des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel, www. stmartins.at) untergebracht. An Gasthäusern und Restaurants können wir in Illmitz das „Presshaus“ (urgemütlich, regionale Küche, familiengeführt, www.presshaus.com), in Eisenstadt das „Henrici“ (modern, direkt gegenüber Schloß Esterhazy, pannonische Gerichte mit mediterranem Touch, www.henrici.at) und in Rust das „Hofgassl“ (burgenländisch, regionale Küche, lauschiger Innenhof, www.hofgassl.at) empfehlen. Information: Burgenland Tourismus, Johann-Permayer-Straße 13, Telefon 0043-(0)-2682-633840, www.burgendland.info.

Service Auto

Mit dem Auto reist man von Deutschland aus am besten über Passau an. Bis nach Eisenstadt sind es dann noch gut 330 Kilometer. Die Strecke führt über die Europastraße E60 an Wels, Linz, Amstetten, Melk und St. Pölten vorbei Richtung Wien, biegt kurz vorher bei Mödling nach Süden zum Neusiedler See ab. Die Verkehrsregeln in Österreich sind mehr oder weniger identisch mit denen in Deutschland. Als Durchreisender sollte man vor allem die scharf überwachten Tempolimits im Land beachten: Innerorts sind 50 Stundenkilometer erlaubt, außerorts 100 und auf Autobahnen 130. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Wer mit dem Flieger kommen will: Der Wiener Flughafen Schwechat ist nur eine gute halbe Stunde vom Neusiedler See entfernt. /Fotos: Koch

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