Taunus

Im Rückspiegel: 75 Jahre Ford Taunus (1)
Ford Taunus 12m Weltkugel, 1952 Bilder

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Taunus – dieser Name stand bei Ford jahrzehntelang beinahe als Synonym für die gesamte Marke und besaß für viele Menschen auch die Aura von Aufbruch und Aufstieg. 1939 – also vor 75 Jahren – kam das erste Modell mit dieser Typenbezeichnung auf den Markt. Es folgten Klassiker wie der "Weltkugel"-Taunus, Innovatoren wie der frontgetriebene 12M P4 "Cardinal", Schönheiten wie das Hardtop-Coupé des Taunus P5 und "Autobahn-Könige" wie die Versionen 26 M des Taunus P7. Erst 1982, nach neun Modellgenerationen und 43 Jahren Bauzeit, verabschiedete sich der Mittelgebirgsname und Ford setzte auf Feurig-Spanisches: Die Baureihe Consul/Granada beerbte 1972 die "großen" Taunus 20M bis 26M, der Taunus TC wurde dann zehn Jahre darauf vom Sierra abgelöst.Der vielseitige Ford Eifel – erhältlich vom Cabrio bis zum Kleinlaster – hatte sich in den vier Jahren seiner Bauzeit zu einer der beliebtesten Modellfamilien Deutschlands entwickelt. Dennoch arbeitete Ford mit Hochdruck an einem moderneren Nachfolger. 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, trat der erste Ford Taunus die Nachfolge des Eifel an. Gebaut wurde er bis 1942, rund 7000 Einheiten liefen damals vom Band des Kölner Werks. Wie der Eifel besaß der Ford Taunus starre, an Querblattfedern geführte Deichselachsen, seine "halb-selbsttragende" Karosserie mit zwei hinten angeschlagenen Türen war mit dem Chassis verschweißt. Den Antrieb bildete der aus dem Eifel übernommene 1,2-Liter-Motor mit stehenden Ventilen, kombiniert mit einem Dreigang-Getriebe und Mittelschaltung. 34 PS Leistung und ein Drehmoment von 72 Newtonmetern gipfelten in rund 105 km/h Höchstgeschwindigkeit. 1948, drei Jahre nach Kriegsende präsentierte Ford die Zweitauflage, in leicht modifizierter Form und mit dem Werkkürzel G73A versehen, auf der Exportmesse in Hannover. Markantes Merkmal war nach wie vor das deutlich gerundete Heck, das ihm im Volksmund den Namen "Buckel-Taunus" eingetragen hatte. Diverse technische Modifikationen verbesserten Funktionalität und Fahreigenschaften. Weil das Kölner Werk zunächst noch komplett auf die Produktion von Lkw ausgelegt war, wurden die Karosserien zunächst noch im Auftrag bei anderen Firmen gefertigt. Das Kölner Karosseriewerk Deutsch fertigte schon früh eine bildschöne Cabriolet-Ausführung, andere Karosserieschneider boten Kreationen wie offene Viertürer, Kastenwagen und sogar sechssitzige Taxi-Ausführungen des ab Werk nur als Zweitürer erhältlichen Taunus an. Die Rahmenbauweise machte diese Vielfalt möglich.
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Die „Weltkugel“ rollt an

Im Frühjahr 1952 begann für Ford Kunden in Deutschland eine neue Zeitrechnung: Der neue Taunus 12 M (für „Meisterstück“) stellte mit der hochmodernen selbsttragenden Ponton-Karosserie den neuesten Stand von Technik und Design dar. Selbstbewusst trug er mitten auf der Motorhauben-Vorderkante einen von viel Chrom umrahmten Globus – der Spitzname „Weltkugel-Taunus“ war schnell geboren. Der 12M avancierte im Wirtschaftswunder-Deutschland schnell zum Liebling der Besserverdienenden – da störte es kaum, dass unter der Weltkugel-Haube anfangs nur der seitengesteuerte 1,2-Liter-Vierzylinder aus dem Vorkriegs-Buckel arbeitete.

Das ursprünglich ab 7535 Mark erhältliche Mittelklasse-Modell war als Limousine, zwei- und viersitziges Cabriolet, Liefer- und Pritschenwagen verfügbar. Besonders großen Anklang fanden dank großer Scheiben der helle Innenraum und das zu seiner Zeit günstige Leistungsgewicht von lediglich 22,3 Kilogramm pro PS. Der Taunus 12M war der erste Ford aus deutscher Fertigung, der eine Vorderachse mit Einzelradaufhängung besaß. Mit der Sparversion Taunus 12 rundete Ford das Modellspektrum nach unten ab, der 1955 vorgestellte 15M mit modernem kurzhubigem OHV-1,5-Liter-Triebwerk erweiterte sie nach oben – erst recht in der reichhaltig ausgestatteten und chromgeschmückten Version 15 M de Luxe. Die berühmte Weltkugel verschwand mit dem letzten Facelift 1959 – die erste Nachkriegskonstruktion der Kölner aber verkaufte sich weiter prächtig.

Ein Taunus als amerikanischer Traum

Im zweiten Projekt (P2) der Nachkriegszeit arbeitete eine auf 1,7 Liter aufgebohrte Version des robusten 15M-Triebwerks. Trotz der Hubraum-Erweiterung entwickelt der 60 PS starke Vierzylinder im 17 M nur fünf PS mehr. Viel interessanter aber war das Äußere: Der neue Taunus 17M kam 1957 im modischen Heckflossen-Design daher und erhielt dafür vom Volksmund sogleich den Spitznamen "Barock-Taunus". Ford selbst verglich ihn wegen seiner geschmeidigen Fahrkultur lieber mit einem fliegenden Teppich. Ein Grund für das komfortable "Schweben": Der Taunus 17M P2 war das erste deutsche Fahrzeug mit McPherson-Federbeinen vorne. Die Karosserie des 17 M P2 griff mit ihrer Z-förmig verlaufenden Zierleiste, den Heckflossen und spitzen runden Rückleuchten die Gestaltung der amerikanischen Modelle von Ford auf. Auch die Ausführung des Innenraums erinnerte an die Customline-Modelle der Konzernmutter. Neben der zwei- und viertürigen Limousine bot Ford den 17M P2 als Kombi sowie als Kastenwagen an. Karosseriebauer Deutsch steuerte wieder eine Cabriolet-Version bei. Die "luxuriöse" Ausstattung hielt, was der mondäne Auftritt versprach. Zum serienmäßigen Lieferumfang des 17 M de Luxe zählten zum Beispiel ein gepolstertes Armaturenbrett und gepolsterte Sonnenblenden, die rechte sogar mit Make-up-Spiegel. Eine Windschutzscheibe aus Verbundglas sorgte für Sicherheit und die Mittelarmlehne vorne wie hinten für Bequemlichkeit. Ebenfalls ab Werk an Bord: Tageskilometerzähler, eine Lichthupe mit automatischem Blinkfrequenzrelais, zwei Rückfahrscheinwerfer und Weißwandreifen. Die absolute Spitze in Sachen Luxus waren die optional bestellbaren Polsterbezüge aus echtem Leder für 350 DM. Dank des deutlich gesteigerten Drehmoments konnte das neue Modell mit spürbar besseren Durchzug punkten. Dem Drei-Gang-Schaltgetriebe folgte ab August 1959 eine ebenfalls vollsynchronisierte Vier-Gang-Box sowie die "Saxomat"-Automatik mit Lenkradschaltung und Overdrive. Insgesamt verließen 239 975 Taunus 17 M P2 das Montageband.
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Die Badewanne als Linie der Vernunft

Der Oktober 1960 war für Ford ein Datum mit starker Symbolkraft. Genau 30 Jahre zuvor, im Oktober 1930, hatten Henry Ford I. und Kölns damaliger Oberbürgermeister Konrad Adenauer den Grundstein für das Werk im Stadtteil Niehl gelegt. 1960 trafen Adenauer, inzwischen Bundeskanzler, und der Enkel des amerikanischen "Automobilkönigs", Henry Ford II, an gleicher Stelle zusammen, um den gemeinsamen Weg zu würdigen. Ford hob bei dieser Gelegenheit ein neues Modell aus der Taufe, das nicht nur dem historischen Datum, sondern auch den Erfordernissen der Moderne in besonderer Weise gerecht werden sollte: den Taunus 17 M P3. Wegen der damals geradezu futuristisch sachlichen Form, den starken Einzügen der Flanken und der umlaufenden "Corvair"-Linie taufte das Autovolk den Neuling liebevoll "Badewanne". Ford selbst prägte für den schnörkellosen Entwurf in seiner Werbung einen anderen Begriff: Der Taunus P3 zeige "Die Linie der Vernunft". Vernünftig war die bewährte Technik unterm Blech zweifellos. Doch der P3 bestach vor allem stilistisch. Die Kombi-Version 17 M Turnier stellte einen repräsentativen Großraumwagen für Familien mit viel Gepäck dar. Besonders schöne – und eher "unvernünftige" – Ausführungen lieferte erneut Deutsch mit den Cabriolet- und Coupé-Versionen.
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Als "Cardinal" mutiert der Taunus zum Escort-Vorläufer

Mit dem P4 machte der Taunus 12 M eine Wandlung vom Stiefkind zum Trendsetter durch. Er begründete bei Ford jenes Segment, in dem ab 1968 der Escort durchstartete – und von dem zieht sich eine direkte Abstammungslinie bis zum heutigen Ford Focus. Der Projektname "Cardinal" bezeichnete übrigens keinen kirchlichen Würdenträger, sondern eine Vogelart – so wie die größeren US-Modelle Ford Falcon oder Ford Thunderbird. Die Strategen im Mutterhaus von Ford in Dearborn hatten Ende der 1950er erkannt, dass ein eigenes "Compact Car" her müsse, um den Boom europäischer Kleinwagen in den USA zu kontern. Da lag es nahe, gleich die europäischen Töchter mit diesem Projekt zu beauftragen, die sich mit dieser Fahrzeugklasse bestens auskannten. Umso mehr, da in Köln-Merkenich bereits an einem Nachfolger für den G13/G4B getüftelt wurde. Erstes Ergebnis dieser Arbeit war der Prototyp "NPX-C5", eine zweitürige Stufenheck-Limousine mit einem 1,0- oder 1,2-Liter-Frontmotor und Hinterradantrieb. Bei 3,70 Metern war der NPX zwar kürzer als der aktuelle 12M, bot aber mindestens ebenso viel Platz im Innenraum. Die US-Kollegen lieferten mit ihrem Entwurf namens "Cardinal" einen Gegenvorschlag, der unter der Haube etwas für dieses Segment Revolutionäres bot: einen V-Motor plus Frontantrieb. Am Ende erhielt der zukünftige Taunus P4 eine für die europäische Kompaktklasse sehr üppige Länge von 4,32 Metern. Dafür beschieden sich die US-Entwickler mit einem Hubraum von "nur" 1,5 Litern – den die Deutschen bis zum Marktstart nochmals um 300 Kubikzentimeter verringerten. Durch den amerikanischen Einfluss hatte Ford in Deutschland jetzt ein Fahrzeug zu bieten, das in Anschaffung und Unterhalt etwa so günstig war wie ein Kompaktwagen, dabei aber Platzverhältnisse und Fahrleistungen wie in der Mittelklasse bot. Früh prophezeite "Auto, Motor und Sport" dem 12M den Durchbruch, "denn die echten Familienwagen um 5000 DM sind nicht allzu dicht gesät." Das sahen Deutschlands Autokäufer offenbar ähnlich: Nur ein Jahr nach Produktionsbeginn hatten bereits 160 000 neue P4 einen Käufer gefunden. Der 12 M bot halt exakt das, was seine Rivalen Käfer und Kadett vermissen ließen: viel Platz. Weil der V4-Motor mit Getriebe, Differenzial, Antriebswelle und Kupplung eine Baueinheit bildete, ergab sich für die Passagiere ein ungewöhnlich großer Innenraum. Der Taunus 12 M debütierte zunächst als zweitüriges Stufenheck, ab März 1963 gesellten sich der Viertürer und ein dreitüriger Kombi hinzu, der später auch als geschlossener Kastenwagen erhältlich war. Wenig später erschien das elegant gestreckte Coupé. Für diese bildschöne Version verkürzten die Designer das Dach und schufen dadurch völlig neue Proportionen mit einer flach abfallenden Heckscheibe. Ein Zierblech am unteren Ende der C-Säule vermittelte gar einen Hauch von Hardtop-Cabrio. Einen spektakulären Beleg der Langlebigkeit des neuen Taunus 12 M – zum Teil unfreiwillig – lieferte Ford mit einer nie dagewesenen Rekordfahrt: Im südfranzösischen Miramas bewältigte der P4 eine Langstreckendistanz, die exakt der Entfernung zwischen Erde und Mond entsprach. Nach 142 Tagen wurde das Rekordfahrzeug mit einem Kilometerstand von 358 273,8 zum letzten Mal an die Box beordert. Dabei stand dem 12 M das Glück des Tüchtigen zur Seite, denn beim Kilometerstand 284 275 war ein Versuchsfahrer eingenickt, von der Piste abgekommen und hatte sich überschlagen. Der Tester blieb unverletzt, der auf allen vier Rädern gelandete Taunus aber war heftig demoliert – setzte die Fahrt aber bis zur Rekordmarke fort.
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