Kommentar: Autoklau wie nie zuvor

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Augen zu und durch! Das scheint beileibe nicht allein das Motto der Bundeskanzlerin zu sein, sobald Situationen heranreifen, die unangenehm werden.

So verfährt auch die Politik im großen Stil angesichts von Problemen, die aus dem grenzenlosen Miteinander der EU-Länder erwachsen. Im Schatten der großen Freiheiten gedeiht Kriminelles, auch in Deutschland. Voll in Gang ist offensichtlich nicht nur der Wettbewerb, die Sozialkassen möglichst umfassend zu plündern. Ob im Einzelfall tatsächliche Bedürftigkeit vorliegt oder dreister Betrug, kann nicht zweitrangig sein. Ist Misstrauen abgeschafft? Erst recht will sich in deutschen Amtsstuben niemand dem Vorwurf von Fremdenfeindlichkeit aussetzen. Ihn hat man sich heutzutage schnell eingehandelt.

Zweifelhafte Freiheiten gedeihen auf der Straße. Seitdem Grenzkontrollen in Europa Seltenheitswert haben und man beispielsweise motorisiert von Lettland bis Portugal fahren kann, ohne ein einziges Mal angehalten zu werden, haben Autoschieber grüne Welle. Sie können ziemlich sicher sein, die Beute, in der sie sitzen, unbehelligt über die Grenzen zu bringen. Wurde ein Auto erst einmal geknackt, mit welcher Methode auch immer, ist es schon so gut wie weg. Auf Nimmerwiedersehen. Ich erinnere mich, dass die deutschen Versicherer vor Jahren beteuerten, die elektronische Wegfahrsperre werde Autodieben das Handwerk legen. Eine falsche Erwartung.

Nie zuvor wurden in Deutschland so viele Pkws gestohlen wie jetzt. Es sind nicht vor allem ältere Autos, sondern vorwiegend neuere und teure Wagen, auf die es die Diebe abgesehen haben. Dass es sich hauptsächlich um organisierten, sprich bandenmäßigen Diebstahl handelt, ist erwiesen. Geklaut wird auf Bestellung. Allein in der deutschen Hauptstadt waren im vergangenen Jahr 7.262 Kraftfahrzeuge „abgängig“. Das seien 38,2 Prozent mehr als 2008 gewesen, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter der ernüchternden, aber zutreffenden Überschrift „Die Polizei ist machtlos“.

Der Autoklau in der Grenzregion zu Polen und Tschechien droht eine neue Dimension anzunehmen. Noch gibt es in Brandenburg „verdachtsunabhängige“ Kontrollen in einem rund 30 Kilometer breiten Streifen nahe der Grenze. Auch die sollen Ende August wegfallen. Offenbar finden sich Landesregierung und Polizei damit ab, dem Autodiebstahl eigentlich nichts entgegensetzen zu können. Immerhin: Für den 21. September ist in Slubice eine binationale Fachtagung zu Fahndungen im grenzüberschreitenden Bereich geplant. Beraten werden soll darüber, wie sich Diebesgut schneller identifizieren lässt.

Autodiebe wird dieses Vorhaben ebenso wenig beeindrucken wie eine gerade von Continental gepriesene Telematikbox, die über einen GPS-Empfänger und einen Sender verfügt, der über eine verschlüsselte Mobilfunkverbindung den Standort eines Autos übermitteln kann. Ausgelöst werde die Meldung zum Beispiel durch die Alarmanlage oder einen Bewegungssender, der sich beim Losfahren aktiviert. Ein gestohlenes Fahrzeug könne so von der Polizei geortet und verfolgt werden. Die Hoffnung trügt. Gebündelte kriminelle Energie, die elektronische Wegfahrsperren überwinden lässt, dürfte auch eine installierte Telematikbox orten und außer Gefecht setzen können.

Es fällt schwer zu realisieren, dass die gewonnenen Freiheiten des Schengen-Abkommens offensichtlich nur zusammen mit weniger Sicherheit und mehr Kriminalität zu bekommen sind, wie uns die Medien Tag um Tag veranschaulichen. Augen zu und durch? – Ignorieren, wo Durchgreifen angesagt sein müsste? Es bleibt Trost: Deutschland ist durchaus lernfähig.

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