Kommentar: Die beiden Gesichter des ADAC
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Die Deutschen mögen den ADAC. Wenn es um das Thema Vertrauen geht, landen die Gelben Engel bei Verbraucherumfragen regelmäßig ganz vorn. Doch was der Automobilclub als Verbraucherschützer verspricht, hält er nicht als Anbieter. Es geht um den Kfz-Versicherungstarif Eco, einen Magertarif, mit dem der ADAC hinter seine eigenen Forderungen zurückfällt und seine beiden Gesichter zeigt. Als knallharter Geschäftemacher, den nicht kümmert, was er als Verbraucherschützer fordert.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenn‘ auch die Herren Verfasser; ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser“, kritisierte Heinrich Heine in seinen Wintermärchen die (kirchliche) Obrigkeit. Der ADAC ist noch einen Schritt weiter gegangen: Der Automobilclub mit seinen rund 17 Millionen Mitgliedern predigt öffentlich Wein und verkauft Wasser.

Noch Ende September 2010 gibt der ADAC im Münchner Auto-Forum des Münchner Wochenblatts unter anderem folgende Empfehlungen für eine gute Kfz-Versicherung:

Die Deckungssumme sollte bei 100 Millionen Euro liegen, damit Autofahrer bei größeren Unfällen gegen das Risiko immenser Schadensersatzansprüche ausreichend abgesichert sind.“

Weiter heißt es: “ Mindestens ein halbes Jahr lang sollte der Neuwert erstattet werden, bei einer guten Police mindestens zwölf Monate.“

Zu grober Fahrlässigkeit, empfiehlt der ADAC: „Kurz das Handy kontrolliert oder das Radio lauter gestellt: Eine gute Versicherung springt auch ein, wenn der Autofahrer grob fahrlässig gehandelt hat.“

Und zu Unfällen mit Tieren: „Der Kaskoschutz sollte sich nicht auf Unfälle mit Wildtieren beschränken, sondern bei jeglichen Tierkollisionen und Schäden durch Marderverbiss greifen.“

Diese Empfehlungen gibt der Club (fast wortgleich) schon seit Jahren. Auch Ende 2009, als der ADAC mit dem Eco an den Markt gegangen war. Doch der Tarif erfüllt bei weitem nicht die Anforderungen, die der Club als Verbraucherorganisation an eine gute Autoversicherung stellt:

Deckungssumme in Haftpflicht nur 50 Mio. Euro (ADAC-Forderung: 100 Mio.) Kein Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit in der Kaskoversicherung. (ADAC fordert Verzicht.)

Marderbissschäden in Kasko nicht mitversichert. (ADAC: Eine gute Versicherung hat das.)

Nur Wildschäden versichert. (ADAC: eine gute Versicherung zahlt bei Tieren aller Art.)

Neupreisentschädigung bei Totalschaden nur in den ersten drei Monaten. (ADAC-Forderung: mindestens sechs Monate.)

Trotzdem landet der Eco-Tarif in der Novemberausgabe des Fachblatts „Finanztests“ der Stiftung Warentest allein zweimal auf dem zweiten Platz. Als zweitgünstigster Anbieter für einen Alleinfahrer aus Duisburg mit einem Mazda-Diesel und für die alleinfahrende Besitzerin eines VW New Beetle Cabrio mit Vollkasko aus Hamburg.

Auf die Frage, wie solch ein Ergebnis zustande kommt, antwortet „Finanztest“: „Die Stiftung Warentest hat in ihrer Untersuchung nicht überprüft, ob die Tarifbedingungen, die der ADAC für seine Mitglieder mit der Versicherungswirtschaft ausgehandelt hat, den Idealbedingungen entspricht, die er im Rahmen seiner eignen politischen Forderungen einfordert.“

Weiter heißt es: „Die Stiftung Warentest testet (lediglich) die Tarifbedingungen aller Versicherer, anhand eigener Testkriterien. Diese decken sich nicht zu 100% mit den Forderungen des ADAC.“

Doch, wie zuverlässig sind die Testkriterien von „Finanztest“?

Im April 2009 liegt Ineas bei „Finanztest“ mit seinen Tarifen Ineas Basic und Ineas Super an der Spitze. Noch im Novemberheft wurde die Versicherung weit besser als der Durchschnitt bei der Kfz-Haftpflicht-, Teilkasko- und Volkaskoversicherung für den Tarif Ineas Basic bewertet.

Doch Ineas war im Sommer 2010 pleite. Wer auf „Finanztest“ vertraute und vorher zu Ineas wechselte, muss nun darauf hoffen, dass vielleicht der Insolvenzverwalter oder der Fond der Versicherer den Schaden an seinem Fahrzeug begleicht. Die Versicherung selbst kann es nicht mehr.

Doch die Finanzstärke eines Versicherers spielte für die Verbraucherschützer bei ihren Empfehlungen keine Rolle. Keine Rolle scheint beim ADAC auch die Diskrepanz zwischen Anspruch bei der Kfz-Versicherung und dem eigenen Produkt zu spielen.

Im November 2007 erklärte ADAC-Präsident Peter Meyer in einem „Focus“-Interview: „Wir haben bessere Bedingungen und mehr Leistungen. So finden Sie selbst im günstigeren Kompakt-Tarif schon 100 Millionen Euro Deckungssumme.“ Dabei stelle der Automobilclub „nicht auf billig-billig ab, sondern auf Leistung“. Auf die Frage, ob der ADAC noch neutraler Ratgeber sein könne, wenn er jetzt selbst als Autoversicherer auftritt, antwortete der Präsident: „Ich verspreche, dass wir mögliche Interessenkonflikte umfangreich und unbürokratisch behandeln.“ Wie unbürokratisch das geht, beweist der Umgang mit dem Eco-Tarif.

Allein 643,3 Millionen Euro Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen verzeichnete der Automobilclub im Jahr 2009. Lediglich auf zehn Prozent davon muss der Verein Umsatzsteuer entrichten. Die bayerische Staatsregierung unterstellt seit Anfang der 80er Jahre äußerst großzügig, dass der Autofahrerverband lediglich zu einem Zehntel gewerblich tätig ist. Der Gesamtumsatz des ADAC mit seinen Tochterunternehmen und den eigenständigen Regionalclubs stieg 2009 auf etwa 1,8 Milliarden Euro an. Sind davon wirklich nur zehn Prozent profitorientiert? Kritiker bemängeln immer wieder, dass der Vereinsstatus dem ADAC erhebliche Vorteile verschaffe und die Transparenz und Kontrolle etwa durch einen Aufsichtsrat entfalle – wie in Wirtschaftsunternehmen üblich. Das „Manager Magazin“ schrieb schon 2004, dass eine „Hand voll Funktionäre“ weitgehend unkontrolliert die Geschäfte steuere, dabei eine „eigentümliche Mischung aus traditioneller Vereinsmeierei und eiskaltem Geschäftsdenken“ pflege und nannte den ADAC einen „Moloch mit skurriler Entscheidungsmechanik“.

Das ist sechs Jahre her. Der ADAC ist noch immer ein Verein, Peter Meyer noch immer der Präsident. Wirklich neu ist eigentlich nur der ADAC-Eco-Tarif.

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