Lobbyismus vs. Gesundheit: Benzin-Direkteinspritzer sind neue Feinstaub-Terroristen
Lobbyismus vs. Gesundheit: Warum Benzin-Direkteinspritzer die neuen Feinstaub-Terroristen sind und das niemanden interessiert Bilder

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Seit Jahren hört man immer mal wieder davon: Benziner mit Direkteinspritzung stoßen mehr Feinstaub aus als Dieselmotoren. Offenbar kam das bisher nur beiläufig zur Sprache, oder in einer deutlich abgeschwächten Form, denn im Fokus medialer Öffentlichkeit stand die Thematik bislang kaum. Dabei sollte man meinen, dass die Gefährdung von Lunge und Kreislauf dafür ausreichend Gründe bietet.

Wie es die „Autolobby“ und das europäische Parlament geschafft haben, Sonder- und Neuregelungen durchzusetzen, weiß keiner so genau. De facto aber sieht sich jeder Bürger mit einer gesundheitsgefährdenden Menge an ausgestoßenen Rußpartikeln konfrontiert, die selbst Dieselmotoren in den Schatten stellen. Die Rede ist von modernen Benzinern. Ausgerechnet die bekommen trotz nachweislich mäßiger Werte eine grüne Umweltplakette, mit der freie Zufahrt in die Umweltzonen der Großstädten möglich ist. Eine Beispielmessung hat der ADAC im Test mit einem VW Golf 1.2 und einem BMW 116i gemacht: Hiernach verursacht Benzin-Direkteinspritzung – die in nahezu allen neuen Autos verbaut ist – einen zehnfach höheren Rußpartikelausstoß als ein Dieselmotor mit Feinstaubfilter.

Noch dubioser wird es, wenn man eine Studie des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) heranzieht. Ihr zu Folge bestehen die Rußausstöße von neuen Benzinern aus ultrafeinen Partikeln. Die Grenzwerte können zwar in Hinblick auf die Partikelmasse eingehalten werden, jedoch liegen die Werte bezüglich der Partikelzahl signifikant über den Grenzen für Dieselmotoren. Ausgerechnet diese feinen Partikel sind im hohen Maße gesundheitsgefährdend. Bereits eine minimale Zunahme dieser soll zu einem Anstieg der Notfalleinsätze bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Ähnliches belegt ein aktueller ADAC EcoTest für neue Benzin-Hybride von BMW, die ebenfalls einen erhöhten Rußpartikelausstoß aufweisen.

Das scheint den europäischen Autoherstellerverband (ACEA) wie auch das EU-Parlament nicht davon abzuhalten, die neue EU-6-Norm für Ottomotoren mit Direkteinspritzung auf das Jahr 2017 zu verschieben. Einen Filter wie bei Dieselmotoren lehnt man aus Kostengründen – wie könnte es anders sein – ab. Obgleich es technisch und wohl auch finanziell ohne große Mühe möglich wäre, den Ausstoß deutlich zu senken, sollen sich vor allem Ford für Europa und Fiat für Deutschland dagegen ausgesprochen haben.

Aber was nützt es, dass neue Motoren weniger Kohlendioxid in die Luft pusten, wenn man in Städten gleichsam einer Gesundheitsgefährdung ausgesetzt ist? Geradezu infam mutet es an, wenn Automobilkonzerne die Direkteinspritzung als neueste umweltfreundliche Technologie vorstellen, währenddessen sie im gleichen Atemzug gesundheitsschädlich ist. Es drängt sich die Frage auf, ob die Autoindustrie überhaupt irgendwelchen Kontrollen – Gesundheitskontrollen im Besonderen – unterzogen wird.

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