Lucy – Tagebuch einer Messehostess: Und Tschüss AMI!
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Heute bin ich zur Straßenbahn Richtung Messegelände gehüpft. Mein
letzter Tag! Juchu! Überschwenglich begrüßte ich die anderen
Hostessen, bei denen auch fast alle unter ihren Schichten von Make Up
freundlich zurück lächelten. Nur einige hatten trotz kirschrot
gemalten freundlichem Besuchermund schmerzverzerrte Züge im Gesicht,
die vom Weg von der Bahn zu den Messehallen noch leidender wurden.

Ich kann echt kein Blech mehr sehen. Kein Chrom, keine Autogriffe,
nicht mehr diese dämlichen Mappen, die wir die ganze Zeit unter`m
Arm tragen müssen, um noch mehr einen auf professionelle Fachfrau
machen zu müssen. Aber, trallala, heute ist der letzte Tag. Und ich
spüre die schönen Scheine schon durch meine Finger rieseln..

Heute bemühe ich mich nicht mehr sonderlich. Während ich morgens
noch ein paar Besuchern das Auto versucht habe, vorzuführen und zu
verhindern, dass zum hundersten Mal jemand die Türen zuknallt oder
in den Kofferraum klettert, lasse ich die Besucher ab dem frühen
Nachmittag einfach links liegen. Die können mich echt mal. Auch die,
anfangs noch nett mahnenden, am Ende wutverzerrten Blicke der
Oberhostess lassen mich jetzt kalt.

Die meisten anderen Hostessen sind auch mehr als froh, dass der
Wahnsinn jetzt ein Ende hat. Heute ist der Andrang von
Goodie-suchenden Freaks nochmal besonders hoch. Viele denken wohl,
heute regne es nur so Bänder, USB-Sticks und weiß der Teufel was.
Und glauben anscheinend, mit diesen dann unbemerkt bei ebay und Co
einen Supergewinn einzufahren. Ich persönlich kann mir ja nicht
vorstellen, dass irgendjemand Geld für einen Kugelschreiber von
sagen wir mal, Nissan zum Beispiel, bezahlt. Zumindest nicht mehr als
50 Cent, oder?

Die ganzen gierigen Mäuler kriegen von mir nichts! Pah! Wenn man
schon mit dem ganzen Schrott Gewinn machen könnte, dann will
gefälligst den Gewinn für mich selbst. Nicht für andere!

Und so horte ich wie eine Löwenmutter die letzten Überreste der
Mitgabemittel und biete nur die Papiertüten fast marktschreierisch
an.

Um halb sechs, eine halbe Stunde vor Schluß, ziehe ich meine Schuhe
aus, werfe sie einfach auf den häßlichen Fußboden unseres Stands,
den ich in den Messetagen schon millionenmal betrachtet habe und
bringe mich in Startposition.

Die Plätze hinter`m Steuer zum Abschlusshupen sind mehr als begehrt.
Da muss Hostess gut aufpassen, dass sie nicht leer ausgeht! Aber mein
Kämpferwillen ist nach meinem Leben hier als Hostess nur noch
stärker als vorher. Ich habe definitiv gelernt, mich durchzusetzen,
mit aller Kraft, aber sanft wie ein Baby lächelnd und dümmlich mit
den Augen blinkernd.

Und deswegen drücke ich am längsten und lautesten auf meine Hupe.
Ein ergreifender Moment im Leben eines Automessemitarbeiters.

Im Nachhinein hat es fast doch ein bisschen Spaß gemacht – das
Hostessen-Dasein.

 

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