Nur Fliegen ist schöner

Mazda MX-5 RF: Antidepressivum auf Rädern
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Geringes Gewicht plus Hinterradantrieb und Saugmotor: Dieses Rezept hat den Mazda MX-5 im zurückliegenden Vierteljahrhundert zum meistverkauften Sportwagen der Welt gemacht. Nur zu verständlich, denn der Zweisitzer bietet seit jeher großen Fahrspaß ohne viel Leistung und damit auch ohne übermäßigen Verbrauch. Von Verzicht kann also trotz der „nur“ 160 PS in der getesteten RF-Variante mit Klappdach – das in 13 Sekunden auf Knopfdruck öffnet und schließt – keine Rede sein.

Fast Perfekt

Ganz im Gegenteil, der sympathische Japaner macht für puristisch veranlagte Autonarren sogar die morgendliche Fahrt zur Arbeit zur Lustpartie - es sei denn zu viel Verkehr macht dem Fahrer einen Strich durch die Rechnung. Bei freier Fahrt auf der Landstraße aber ist der aktuelle MX-5 der aktuell vierten Generation wie schon seine Vorgänger ein wahres Antidepressivum auf Rädern. Ist der MX-5 RF also das perfekte Auto? Natürlich nicht. Auch er hat seine "Schwächen" - so etwa das doch sehr begrenzte Platzangebot im Innen- und Kofferraum (127 Liter) oder die starken Windgeräusche bei mehr als Tempo 100.

Und auch die Materialanmutung im Innenraum ist bei zahlreichen Wettbewerbern um eine bis zwei Klassen besser. Aber Freunde dieses Fahrzeugkonzepts kann das nicht stören. "Wenn du Platz brauchst, kauf dir nen Kombi" oder "das Material am Lenkrad und Schalthebel und auch die Sitze sind tipptopp" könnten die mit Fug und Recht entgegnen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass etwas stämmiger gebaute Zeitgenossen besser die Standard-Sitze als die im Sportpaket erhältlichen Recaros wählen. Die geben zwar im Prinzip keinen Anlass zur Kritik, bieten viel Seitenhallt, sind aber doch sehr eng geschnitten.

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Alles ist an seinem Platz

Das Interieur wirkt schick und modern, etwas weniger Hartplastik würde ihm aber guttun. Die Ergonomie ist dagegen sehr gut, der freistehende zentrale Touchdisplay relativ hoch angebracht, alle Schalter sind gut erreichbar, die Instrumente gut ablesbar. Der Drehzahlmesser ist mittig platziert, der Tacho rechts, ein Display mit allen Infos links davon - gut so.

Die Kernkompetenzen eines sportlichen und auf Fahrspaß ausgelegten Autos beherrscht der MX-5 - vor allem subjektiv - ganz hervorragend. Warum subjektiv? Weil sich die Fahrt generell rasanter anfühlt, als sie tatsächlich ist. Objektiv ist der 0-100-km/h-Sprintwert von 7,5 Sekunden für einen Sportler nicht sonderlich beeindruckend. Aber die Beschleunigung - und die Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h sowieso - reißt dennoch vom sprichwörtlichen Hocker, nicht zuletzt, weil der Wagen den Fahrer so gut in das Geschehen miteinbezieht.

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Getriebe ist unübertroffen

Einer der Hauptgründe dafür ist das manuelle Sechsgang-Getriebe - eine Automatik ist erhältlich, aber in diesem Auto fast eine Sünde. Denn zum einen passt die Handschaltung schlicht deutlich besser zum aktiven Fahrerlebnis, auf das der MX-5 ausgelegt ist. Zum anderen gibt es - wenn überhaupt - nur wenige Hersteller, die hinsichtlich Präzision und kurze Schaltwege auch nur in die Nähe der Mazda-Lösung kommen. Hier passt einfach alles, die sehr kurz ausgelegten Gänge flutschen in Windeseile fast wie von alleine hinein, und so mancher Fahrer ertappt sich dabei, diese ohne wirklichen Anlass zu wechseln - nur aus Freude daran, wie gut es funktioniert.

Prinzipiell kommt der 2,0-Liter-Saugbenziner mit bescheidenen 118 kW/160 PS und 200 Newtonmeter maximalem Drehmoment nämlich auch wunderbar mit wenig Drehzahl zurecht. Ohne Rucken und Murren lässt sich der MX-5 im Stadtverkehr im fünften oder gar sechsten Gang bewegen, im zweiten einmal kurz beschleunigen, dann zwei oder drei Gänge überspringen und dann gemütlich cruisen - auch das ist kein Problem und spart Sprit. Aber überhaupt ist der Mazda-Roadster der Sportler mit dem grünen Herzen.

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Sehr drehzahlfreudig und sparsam

Dem Autogott sei Dank, dass die Japaner bei dem Spaßgerät auf das immer mehr um sich greifende Downsizing verzichtet haben und den Motor nicht aufladen, sondern frei atmen lassen. Und das gilt in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist das Ansprechverhalten deutlich besser als bei jedem Turbomotor, zum anderen senkt (!) das in der Praxis den Verbrauch deutlich, wenn der Fahrer hin und wieder auch mal etwas mehr Gas gibt.

Im Test schaffen wir es trotz so mancher Drehzahl-Orgie nicht, den Bordcomputer zur Anzeige von deutlich mehr als sieben Liter Verbrauch im Schnitt zu bewegen, der Normwert beträgt 6,6 Liter und ist im Alltag sogar problemlos realisierbar. Zum Vergleich: So mancher 1,0-Liter-Dreizylinder mit 100 oder weniger Pferdestärken genehmigt sich bei forcierter Gangart auch mal einen bis zwei Liter mehr - ohne einen Funken Dynamik zu versprühen wohlgemerkt.

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Lenkung: präziser geht es nicht

Ebenfalls sehr gut gefallen beim MX-5 die direkte und präzise Lenkung und das zwar straffe, aber dennoch ausreichend komfortable Fahrwerk. Bei Kurvenfahrten muss man es schon sehr übertreiben, um das Heck ausbrechen zu lassen, aber selbst wenn das geschieht, bleibt der Wagen beherrschbar und jeder halbwegs sportlich orientierte Fahrer dürfte das Gegenlenken und wieder in die Spur bringen hinbekommen. Legt man es drauf an, lässt sich der MX-5 herrlich leicht quer fahren, wer sich an das Driften heranwagen möchte sitzt hier im richtigen Auto.

Reichlich Komfort bereits in der Basis-Version

Neben den sportlichen Qualitäten spielen im Alltag aber auch Komfort und Sicherheit eine wichtige Rolle. Hier punktet der MX-5 RF in der Basis Exclusive Line ab 29.890 Euro bereits mit Annehmlichkeiten wie Sitzheizung, Klimaautomatik und Lederausstattung sowie Licht- und Regensensor und Spurhalte-Assistent. Bei der empfehlenswerten Sports Line ab 32.090 Euro kommen unter anderem LED-Scheinwerfer, Navigationssystem, eine Bose Audioanlage mit neun Lautsprechern eine Ein- und Ausparkhilfe und ein schlüsselloses Zugangssystem dazu.

Hier wird auf den ersten Blick klar: Das lohnt sich. Auf der sehr kurzen Aufpreisliste stehen dann nur noch das Sportpaket mit den erwähnten Recaro-Sitzen, Domstrebe und Sportfahrwerk (1.800 Euro), verschiedene Lackierungen (520-750 Euro) und Nappa-Leder-Sitzbezüge (400 Euro) - das wars.

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Fazit

Der Mazda MX-5 ist ein Auto für jeden Tag und dank Klappdach als RF auch uneingeschränkt für jede Jahreszeit. Der Spaß liegt fast auf Porsche-, der Verbrauch hingegen auf Kleinwagen-Niveau, das muss man erst mal hinbekommen. Kleinere Schwächen verzeiht man ihm gerne. Und daher wird die aktuelle Generation den Erfolg der Vorgänger mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fortsetzen – völlig zu Recht.

Technische Daten

Mazda MX-5 RF i-Eloop Zweitüriger Roadster mit zwei Sitzplätzen
Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter 3,92/1,74/1,24/2,31,
Leergewicht (ohne Fahrer) 1.055 kg
Zuladung 250 kg
Kofferraumvolumen 127 l
Wendekreis 10 m, Tankinhalt
Antrieb Vierzylinder-Saugbenziner
Hubraum 1.998 ccm
Leistung 118 kW/160 PS bei 6.000 U/min
max. Drehmoment 200 Nm bei 4.600 U/min
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 7,5 s
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h
Normverbrauch 6,6 l/100 km
CO2-Ausstoß 154 g/km
Testverbrauch 7,0 Liter/100 km
Übertragung Sechsgang-Handschaltung,
Antrieb Hinterradantrieb
Preis ab 29.890 Euro.

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