Opel KAD

Oldtimer Fahrbericht: Opel KAD A – Ganz schön (ober)klasse

Vor 50 Jahren kam die Opel KAD-A-Reihe auf den Markt, also jene Oberklasse-Familie mit den Mitgliedern Admiral, Kapitän und Diplomat. Bilder

Copyright: Patrick Broich/SP-X

Mit der 1964 eingeführten so genannten KAD-Reihe (verschiedene Modellnamen, gleiche Karosse) gab es sogar erstmals Achtzylinder-Versionen für Kunden mit dem Wunsch nach höchstem Antriebskomfort. Bilder

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Beim Admiral rasten die Fahrstufen per Lenksäulen-Hebel ein – dem Diplomat haben die verantwortlichen eine breite Mittelkonsole samt Wählhebel spendiert. Bilder

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Oldtimer-Fans, die kurz vor dem Kauf eines alten Autos stehen, haben oft ähnliche Kriterien im Kopf, nach denen der fahrbare Untersatz ausgewählt werden soll: Bekanntheitsgrad, alte Erinnerungen und manchmal auch Prestige. Die Opel-KAD-Reihe ist zweifellos eher der Exot unter den Kult-Oldtimern, wenngleich bei Markenfans durchaus bekannt und auch beliebt. Was selbst viele autointeressierte Menschen heute nicht mehr wissen: Opel war bis in die Siebziger in der automobilen Oberklasse unterwegs.

Erstmals Achtzylinder

Mit der 1964 eingeführten so genannten KAD-Reihe (verschiedene Modellnamen, gleiche Karosse) gab es sogar erstmals Achtzylinder-Versionen für Kunden mit dem Wunsch nach höchstem Antriebskomfort. Und der Erfolg der Modell-Linie war seinerzeit beachtlich. Zum Vergleich: Mercedes konnte vom - allerdings auch teureren - Vorläufer der S-Klasse wenige tausend absetzen, während die gesamte KAD-Baureihe Mitte der 1960er-Jahre mit fünfstelligen Zulassungszahlen in der Bundesrepublik glänzen konnte; zweifellos war der Sechszylinder die häufigere Variante und mit 2,8 Litern Hubraum gut unterwegs. Auch die stattliche Erscheinung - das Trio aus Kapitän, Admiral und Diplomat war 4,95 m lang - passt zum Oberklasse-Flair. Somit fällt der Rüsselsheimer auch heute noch auf beim Flanieren durch die City und vermittelt Prestige eher durch seinen Auftritt als durch den Blitz auf dem Kühlergrill.
Ein vielfältiges Motorenprogramm sowie das edle Coupé machen das Baumuster zum interessanten Objekt für Oldtimer-Freunde.

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Opel Admiral und Diplomat

Und bei den beiden hier eingesetzten Testkandidaten mit Chevy-Achtzylinder kommt auch noch der mächtige Sound dazu. Es handelt sich um einen Admiral, von dem in Top-Ausführung nur einige hundert Fahrzeuge gebaut wurden sowie um das - mit kaum mehr als 300 gebauten Exemplaren - hochexklusive Coupé, das die Hessen in Osnabrück bei Karmann herstellen ließen. Die damaligen Kunden konnten beim Achtzylinder zwischen zwei Hubraumstufen wählen - 4,6 und 5,4 Liter. Der Zweitürer wurde ausschließlich mit dem 169 kW/230 PS starken Topmotor ausgeliefert, während man bei der Diplomat-Limousine wählen konnte. Kapitän und Admiral wiederum gab es nur mit dem kleineren Achtzylinder, der 143 kW/190 PS in den Wandler der obligatorischen Zweigangautomatik pumpte und es heute noch immer tut.
Der Admiral V8 ist mit 15.950 Mark im Jahr 1965 auch kein billiges Vergnügen – immerhin ist die, wenn auch gefühllose Servolenkung frei Haus.

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Noblesse aus jeder Pore

Ein Faszinosum besonderer Art geht zweifellos vom Coupé aus, das Noblesse aus jeder Pore atmet. Fein belederte Sessel mit Einzelsitzcharakter im Fond erinnern von der Machart an die Mercedes-Coupés der Baureihe 126. Sobald der Blick jedoch in die restlichen Winkel des Interieurs schweift, kommt der typische Sechziger-Geist zum Vorschein: Bandtacho, viel Chromzierrat und das riesige Lenkrad mit spindeldürrem Kranz (teils in Bakelit gehalten) wirken nicht nur zeitgeistig, sondern lassen auch Erinnerungen an den amerikanischen Automobilbau jener Epoche anklingen.

Für lange Geraden ausgelegt

Dieses Gefühl setzt sich später fort. Beim Admiral rasten die Fahrstufen per Lenksäulen-Hebel ein – dem Diplomat haben die verantwortlichen eine breite Mittelkonsole samt Wählhebel spendiert. Beide Exemplare heben sich weit aus den Federn beim kräftigen Beschleunigen; die 40 Zusatzpferdchen unter der Haube des Coupés machen sich bemerkbar – er tritt ein Quäntchen giftiger, wenngleich keinen Deut weniger sanft an. Die alte GM-Automatik wechselt die Fahrstufe, man beachte den Singular, nahezu ruckfrei und sorgt für immerzu flauschiges Anfahren. Man merkt den Autos an, dass sie für lange Geraden ausgelegt sind. Zügiges Cruisen, wenn es sein muss auch mal mit 160 km/h, ist die Welt des KAD. Kurven hingegen mag der Jubilar aus Rüsselsheim so gar nicht. Schon beim Autobahnzubringer ist Vorsicht angesagt: Nur nicht zu schnell in die Kehre einfahren bitte, sonst besteht die Gefahr des Leitplanken-Kontaktes. Windungsreiche Landstraßen werden mit jeder Menge Seitenneigung begleitet. Dafür gibt es massenhaft Platz vorn und hinten.

Gut für eine ausgiebige Deutschland-Reise

Wenn es nicht zu schade wäre wegen der Abnutzung, könnte man den Oberklässler gut für eine ausgiebige Deutschland-Reise einsetzen – den nötigen Fahrkomfort bietet er gewiss. Doch perfekt ist er nicht, das muss auch so sein für den Charme.

Dauergrinsen garantiert

Da wären die konturlosen Stühle, die zwar weich und daher kommod sind, auf denen die menschliche Fracht aber hin- und her rutscht. Auch die Bremsen mag man nicht allzu sehr belasten, obwohl das heckgetriebene Modell immerhin mit Scheiben an den Vorderrädern aufwartet. Viele amerikanische Straßenkreuzer hingegen mussten mit Trommeln rundum auskommen. Die Klimaanlage fehlte auch an diesem heißen Sommertag, als fragwürdige Entschädigung bei über 30 Grad gibt es halbwegs nützliche Dreieck-Fenster, welche die Wärme aus der Fahrgastzelle ziehen. Das Coupé bietet diese Art der Fenster ebenso plus elektrische Scheibenheber für alle vier Seitenscheiben. Hinzu kommen großzügige Holztäfelungen - ein bisschen darf man schließlich auch erwarten angesichts 25.500 Mark Neupreis. Der Admiral V8 ist mit 15.950 Mark im Jahr 1965 auch kein billiges Vergnügen - immerhin ist die, wenn auch gefühllose Servolenkung frei Haus. Gegen 485 Mark wanderte ein mechanisches Schiebedach an Bord, welch ein Luxus vor fünfzig Jahren. Doch man braucht in diesen Autos gar keine technischen Gimmicks, um glücklich zu werden. Wenn der Smallblock-V8 unter der mächtigen Haube seine Arbeit aufnimmt, ist Dauergrinsen garantiert - heute genauso wie in den Sechzigern.
Die Opel-KAD-Reihe ist zweifellos eher der Exot unter den Kult-Oldtimern, wenngleich bei Markenfans durchaus bekannt und auch beliebt.

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Chronik

1964: Die erste Generation Kapitän, Admiral und Diplomat (KAD) kommt auf den Markt1965: Umstellung von 2,6 auf 2,8 Liter-Reihensechszylinder bei Kapitän und Admiral, außerdem Einführung der V8-Versionen

1966: Diplomat-Limousine optional mit 5,4 (statt 4,6)-V8 lieferbar

1967: Einführung der stärkeren Sechszylinder-Version mit zwei Vergasern und 103 kW/140 PS statt 125 PS

1968: Die KAD A-Baureihe läuft aus

Opel KAD A – Technische Daten

Oberklasse als Limousine und Coupé erhältlich
Länge/Breite/Höhe (m): 4,95/1,90/1,45 (1,43 Coupé)
Radstand (m): 2,85
Motor ( Je nach Version): 2,8-l-Reihensechszylinder-Otto mit Solexvergaser, 92 kW/125 PS, maximales Drehmoment: 206 Nm bei 3.500 U/min, Vmax 170 km/h, 0-100 km/h in 14 s4,6-l-V-Achtzylinder-Otto mit Vierfach-Vergaser (Rochester), 140 kW/190 PS, maximales Drehmoment: 347 Nm bei 3.000 U/min, Vmax 198 km/h, 0-100 km/h in 11 s

5,4-l-V-Achtzylinder-Otto mit Vierfach-Vergaser (Rochester), 169 kW/230 PS, maximales Drehmoment: 426 Nm bei 3.100 U/min, Vmax 206 km/h, 0-100 km/h in 10 s

Ehemaliger Neupreis (1965): ab 11.300 DM
Heutiger Marktpreis nach Classic Data:
Diplomat Coupé: Note 1:  65.000 EuroNote 2:  44.000 Euro

Note 3:  28.000 Euro

Admiral V8: Note 1:  24.900 EuroNote 2:  17.500 Euro

Note 3:  11.200 Euro

Ersatzteilpreise: Bremsbeläge Hinterachse, Satz: etwa 80 EuroRadlager vorn, Satz: etwa 70 Euro

Reparaturblech Radlauf: etwa 90 Euro

 

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Paul

Juli 6, 2015 um 7:18 pm Uhr

Wen das nicht bewegt, der soll besser Tram fahren.

Paul

Juli 6, 2015 um 7:15 pm Uhr

Ja, ja, heute weinen wir diesen schönen Autos hinterher.
Dabei waren nicht nur Managefehler für den Untergang der Marke verantwortlich. Man hat diese Modelle nicht rechtzeitig weiterentwickelt. Sondern 12 Jahre so gebaut. In dieser Zeit sind die Kunden zu MB und BMW abgeändert, die hatten schön Zeit nachzuziehen. Und zeitgleich die Abwanderung im unteren OPEL Wettbewerb mit dem Aufkommen der fernöstlichen Krücken. Die Lopez Affäre mit enormen qualitätsproblemen und folgende hässliche Kisten besorgten den Rest. Warum muss man eigentlich studiert haben um eine solche Marke zu ruinieren,
Das kann doch ein dummer Mensch auch. Gleiches gilt für die Banker, deren Krise hätte auch deren parkplatzwächter herbeiführen können, aber der hätte nicht gewusst was er tut.
Hier noch allen vielen Dank, die mit Begeisterung und völliger ignorants für die heimische Wirtschaft das Geld nach fernost geschaufelt haben. Ich wünsche diesen Mitmenschen, dass sie bald dahin arbeiten fahren dürfen, weil hier alles zerstört wird. Weil Geiz geil ist, oder war. Geiz ist eine Krankheit, genau wie die Eifersucht. In diesem Sinne, unseren Enkelkindern wird einmal der Karl als OPEL Oldtimer präsentiert….
Und der KIA XXXL +

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