Parkplatznot – Trucker auf der Suche nach Ruheplätzen
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Ihre Beliebtheit liegt irgendwo zwischen Reifenpanne und Kolbenfresser. Lkw-Fahrer haben es schwer, wenn sie über die  Straßen rollen – und zunehmend auch auf den Rastplätzen, wenn sie ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten wollen. Der Bau entsprechender Anlagen hinkt weit hinter dem Bedarf der Branche hinterher, und so kommt es regelmäßig zu Verteilungskämpfen um die begehrten Plätze.

Uwe Siery, seit 28 Jahren für eine Spedition im Westerwald auf den Autobahnen in Deutschland und Benelux unterwegs, wählt die drastische Sprache seiner Branche, um seinem Ärger Luft zu machen: „Die Situation ist unter aller Sau.“ TÜV und ADAC, die gemeinsam während des Truck Grand Prix auf dem Nürburgring ein Symposion zu diesem Thema veranstalteten, drücken sich zwar gewählter, aber ähnlich deutlich aus: „Wir fordern“, heißt es in einer gemeinsamen Entschließung, „das derzeitige Parkdefizit von 14.000 Stellflächen an den deutschen Fernstraßen möglichst kurzfristig und nachhaltig zu beseitigen.“ Adressat ist die Bundesregierung, die aktuell angekündigt hat, bis zum kommenden Jahr 5.500 neue Lkw-Parkplätze zu schaffen.

Außerdem fordern TÜV und ADAC, das Ruhebedürfnis der Fahrer mehr in den Mittelpunkt der Planungen zu stellen und beim Bau neuer Anlagen darauf zu achten, dass die Parkplätze so angelegt sind, dass die Fahrerkabine „auf der vom Straßenlärm abgewandten Seite steht. Schließlich können die Trucker nur dann sicher und konzentriert fahren, wenn sie während ihrer Pausen tatsächlich zur Ruhe kommen.

Vor allem die Einführung des digitalen Tachos, so Siery, hat die Lage der Fernfahrer verschärft. „Früher, als es noch die Tachoscheiben gab, drückten die Polizisten schon mal ein Auge zu, doch heute wird alles ausgelesen und auf die Minute genau festgehalten. Da gibt es kein Verhandeln mehr.“ Also wird geparkt, wo gerade noch etwas Platz ist, mit immer wieder fatalen Folgen wie zuletzt auf der A3 bei Wörth an der Donau. Von dem völlig überfüllten Parkplatz Tiefenthal ragten Fahrzeuge bis auf die Fahrbahn. Am frühen Morgen raste ein Sattelschlepper in zwei Lkw, wobei der Unglücksfahrer in seinem Führerhaus verbrannte. „Leider“, so Professor Jürgen Bruckmann, Vorstand Mobilität beim TÜV Rheinland, „ist dies kein Einzelfall. Immer wieder kommt es zu solchen gefährlichen Szenarien.“ In der beginnenden Sommer-Reisewelle wird sich die Situation weiter verschärfen.

Während sich die Lastwagen immer komfortabler und in Richtung rollende Wohnung entwickelt werden, fühlen sich die Fahrer in ihren Komfort-Kabinen alles andere als sicher. „Viele Lkw-Parkplätze sind schlecht ausgeleuchtet. Wenn ich da stehen muss, sichere ich meine Kabine mit zwei gut verknoteten Seilen, sodass niemand reinkommen kann. Einem Kollegen  ist vor kurzem der halbe Wagen ausgeräumt worden als er in seiner Kabine schlief.“ Der Mann von der Basis fordert daher auch eine Videoüberwachung und außerdem die Freigabe der Pkw-Parkplätze von 20 Uhr an.

Außerdem bittet Siery die Verantwortlichen, bei der Planung, mehr an die Bedürfnisse der Lkw-Fahrer zu denken. „An der A61 ist die Rastanlage Brohltal neu gebaut worden. Alles prima, Plätze ohne Ende, doch für 150 Lkw gibt es gerade drei Toiletten, und wenn dann noch ein Reisebus kommt, ist alles vorbei.“

Unterstützung fand Siery auch beim Bundesverband Güterfernverkehr Logistik und Entsorgung. Claus O. Herzig sieht den Staat in der Pflicht, diese Missstände abzustellen. „Leider stand in der Vergangenheit dem Anstieg des Lkw-Verkehrs im Transitland Deutschland kein entsprechender Ausbau der Autobahnrastplätze gegenüber.“ Allerdings gibt es ein Hoffnungszeichen: Um den Bedarf an Lkw-Parkplätzen dem Anstieg des Güterverkehrs anzupassen, lässt der Bund gemeinsam mit den Ländern jetzt jene Streckenabschnitte auf den Autobahnen ermitteln, auf den entsprechende Kapazitäten benötigt werden. Bis das so weit ist, wird Uwe Siery noch viele Suchrunden drehen müssen.

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