Driften im Schnee

Porsche-Fahrtraining im Winter: Lustgewinn mit Gegenpendler

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Der Schnee spritzt meterhoch, in elegantem Drift schiebt sich das Sportcoupé quer durch die Kurve: Porsche ist nicht der einzige Hersteller, der Winter-Fahrtrainings organisiert, aber die Zuffenhausener haben dafür einen der angesehensten Lehrer unter Vertrag. Und den schon seit mehr als 25 Jahren.

„Der Walter“ ist verschnupft

Selbst vor einem Rallye-Weltmeister und „Rennfahrer des Jahrhunderts“ (diesen Titel verliehen ihm Kollegen) haben die Bazillen keine Achtung. Mit geröteten Augen und verstopfter Nase tritt Walter Röhrl vor seine Zuhörer, denn es ist ihm wichtig, persönlich seine Erfahrungen und Tipps weiterzugeben. „Wir wollen nicht schnell fahren“, erklärt der 70-jährige Ex-Champion zur Verblüffung aller das Lernziel, „wir wollen spektakulär fahren“. Jeder weiß aber, was damit gemeint ist: den Porsche im 45-Grad-Winkel zur Richtung, möglichst geschmeidig und ohne Verlust der Fahrzeugbeherrschung manövrieren. „Nur quer is' ma wer“, lautet ein geflügeltes Wort.

Für manche Teilnehmer ist es das erste Mal, dass sie auf einer präparierten Piste aus Schnee und Eis unterwegs sind, auf der Böschungen aus Schnee und rot gestreifte Pylonen den Weg markieren. Dass sie für die erwartete Rutschpartie nigelnagelneue Sportwagen von Porsche benutzen sollen – nur vereinzelt unter 100 000 Euro teuer – macht die Sache für sie nicht einfacher. Entsprechend groß ist ihr Respekt, als der Instruktor die ersten Kommandos durch die Walkie-Talkies schickt.

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„Drauf, drauf, drauf, drauf“, bellt Reini Sampl ins Funkgerät

Er meint das Gaspedal, denn die ersten Versuche einer gestellten Ausweichsituation – scharf anbremsen, einlenken und geschickt die Pylonen umrunden – gehen ihm noch zu verhalten vonstatten. Langsam tastet sich jeder heran, und muss mitunter feststellen, dass schon fünf Stundenkilometer Unterschied über Erfolg und Scheitern entscheiden können. „Auch ein Profi kann die Physik nicht außer Kraft setzen“, weiß Walter Röhrl, und Amateure tun sich mit dem Erkennen der Grenzen schwer.

Wichtige Parameter, die in der Balance zu halten sind, werden von Einschlagwinkel des Lenkrades und der Drehzahl der Antriebsräder bestimmt. Kompliziert wird es aber erst recht, wenn verschiedene Antriebskonzepte am Start sind. Historisch gesehen kommt Porsche vom Hinterradantrieb, heute sind aber allradgetriebene Fahrzeuge wie der Macan oder der Cayenne die Verkaufsschlager. Seit 30 Jahren gibt es auch den 911 Carrera mit 4x4-Schub. Zum Mittelmotor-Coupé Cayman hat Walter Röhrl eine ganz dezidierte Meinung: „Der ist schon brutal, wenn Du das Gas nur anschaust, geht der schon weg“.

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Mit der Übung kommt das Gespür für das Fahrzeug

So schlimm ist es in der Praxis natürlich nicht, denn die Teilnehmer der Wochenend-Trainings bringen ihrem Porsche den nötigen Respekt entgegen. Die dritte und vierte Runde fällt schon leichter, der Parcours ist verinnerlicht, die Reaktion des Wagens vorhersehbar. Wenn jetzt noch das Gefühl im Gasfuß und die möglichst damit synchronisierte Bewegung der Lenkhände stimmen, ist der Erfolg nah. Die Instruktoren versuchen, per Funk zu dirigieren, doch nicht immer ist der Geheimcode der PS-Branche auf Anhieb hilfreich: „Den Gegenpendler mitnehmen“, ruft Reini Sampl, ein anderes Mal „in die Linie investieren!“ Wenn das Heck mal zur einen, und grad, wenn die Kurve geschafft zu sein scheint, wieder kräftig in die andere Richtung ausbricht, bleibt der Instruktor gelassen: „Gib dem Auto die Chance dahin zu fahren, wo wir hinwollen“.

Was sich mit zunehmender Trainingsdauer zur fidelen Schneegaudi auf vier Rädern entwickelt, hat einen ernsten Hintergrund. Fahrsicherheit und Unfallvermeidung bei winterlichen Verkehrsbedingungen. Walter Röhrl findet es „vorbildlich“, dass in Österreich für Fahranfänger im ersten Jahr die Teilnahme an einem Sicherheitstraining obligatorisch ist. Viele lernen ein instabiles Auto erst kennen, wenn es zu spät ist. „Wenn ein Fahrer auf dem sicheren Parcours erlebt, plötzlich als Passagier unterwegs zu sein, dann lernen die meisten ihre Lektion. Im realen Verkehr kann das erste Mal auch das Letzte sein“.

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Grenzen erkennen und beherrschen

Die Gewöhnung an Grenzsituationen und ihre Beherrschung ist es, was die Instruktoren vermitteln wollen. Sollte dabei noch ein bisschen Spaß rüberkommen, umso besser. Wenn Reini Sampl seine Kursteilnehmer zu beherztem Umgang mit Pedalen und Lenkrad ermuntert, tut er das häufig vom Rollstuhl aus. Seit einem Skiunfall ist der 44-jährige darauf angewiesen. Auf seine Fähigkeiten hinterm Steuer hat das keinen Einfluss. Gekonnt lässt er das Heck seines Porsche GT3 RS wedeln, wenn er die Übungen mit der Gruppe in Kolonne abfährt.

„Der Walter“ steigt indes zum einen oder anderen auf den Beifahrersitz, kommentiert live das Geschehen und hat eine Sekunde später auch gleich die Fehleranalyse parat. Im vergangenen Jahr hat der Altmeister den runden Geburtstag gefeiert, der der Firma, für die er arbeitet, 2018 noch bevorsteht. Seine Expertise ist über jeden Zweifel erhaben, weshalb es an Wünschen, ihn einzuspannen, nicht mangelt. „Wenn ich wollte, könnte ich jedes Wochenende unterwegs sein“, sagt die Rallye-Ikone. Doch so sind seine wertvollen Hilfestellungen, die er gern mit einer Prise Humor gewürzt aus dem Motorsport-Chinesisch in anschauliche Bilder übersetzt, nur sorgsam dosiert zu haben.

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Weicher Lenken, weicher Bremsen, sanfter Beschleunigen

Einer seiner wichtigsten Ratschläge für alle, die unangenehme Überraschungen bei Schnee und Eis entgegen wirken wollen: „Wegen der deutlich herabgesetzten Reibwerte mit noch mehr Gefühl fahren: weicher Lenken, weicher Bremsen, sanfter Beschleunigen“. Angepasstes Tempo gehört dazu, ebenso wie die richtigen Reifen, also gute Winterreifen mit entsprechendem Profil. „Keine Panik beim Rutschen“, rät Röhrl, am besten sei, vorher zu üben, da wo es ungefährlich ist – zum Beispiel bei einem Winterfahrttraining, wie es viele Veranstalter anbieten. Doch eines könnten die Teilnehmer nur selbst regeln, damit es nicht zum Crash-Kurs wird: „Seid vorsichtig und überschätzt Euch nicht“.

Sorgen, in solch einen Fahrtraining mit Begriffen aus dem Wörterbuch von Fahrdynamik und Physik überfordert zu werden, brauche niemand zu haben. Walter Röhrl zum Beispiel kann Begriffe wie „Übersteuern“ oder „Untersteuern“ für jeden einleuchtend übersetzen: „Wenn Du den Baum siehst, in den du reinfährst, hast Untersteuern, wenn du ihn nur hörst, hast Übersteuern“.

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