Safety-Car-Pilot Peter Lux: Der unbekannte Führende

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(adrivo.com) Wenn die 20 DTM-Boliden von ihren Startplätzen losschießen, gibt es nur zwei Dinge, die die 10.000 PS stoppen können: Die Zielflagge und das Safety-Car.

Die Saison 2007 war auch für Peter Lux aufreibend – erlangte doch zumindest sein Dienstwagen noch mehr Berühmtheit als in den Jahren zuvor. Lux ist Fahrer des Safety-Cars in der DTM, das mit seinen zahlreichen Einsätzen in der abgelaufenen Saison gelegentlich für Gesprächsstoff sorgte. Lux‘ Einsatzgebiete sind vielfältig: Ein Streckenabschnitt, der nach einem Unfall von unzähligen Karbonscherben befreit werden muss; ein verunglückter Fahrer, dessen Bergung Zeit in Anspruch nimmt – oder schlicht und einfach ein starker Regenschauer, der für die 20 DTM-Piloten zum unkalkulierbaren Risiko wird: Peter Lux‘ große Stunde schlägt dann, wenn es gilt, die Sicherheit aller Beteiligten auch unter widrigen Bedingungen sicherzustellen. Dass sich das Safety-Car 2007 nicht immer an der korrekten Position einfädelte, war nicht in Lux‘ akribischer Vorbereitung begründet…

Schon am Donnerstag trifft Lux an der Rennstrecke ein und checkt die beiden Einsatzfahrzeuge, die im Wechsel von Audi und Mercedes zur Verfügung gestellt werden. Nach einer allgemeinen Sichtkontrolle widmet sich Peter Lux ausführlich der Installation des Funkgeräts, um Kommunikationspannen von Beginn an auszuschließen: „Die Frequenz der Rennleitung kann von Rennstrecke zu Rennstrecke variieren. Das prüfe ich sehr genau, denn mein Ansprechpartner in der Rennleitung muss mich an jedem Punkt der Strecke erreichen können.“

Besagter Ansprechpartner ist in erster Linie Uwe Frumolt, Sicherheitsbeauftragter der DTM und Leiter der DMSB-Staffel. Frumolt teilt Lux die Entscheidungen der Rennleitung mit – und wie diese auf der Strecke umzusetzen sind. Ein Prozedere, das freitags und samstags jeweils in den Morgenstunden ausgiebig trainiert wird. „So üben wir das Zusammenspiel zwischen Streckenposten rund um die Strecke, lokaler Rennleitung und dem DMSB-Team, das bei allen DTM-Rennen für die Sicherheit und die sportlichen Abläufe zuständig ist“, erläutert Peter Lux.

Nicht nur während der DTM-Rennen muss Lux darauf gefasst sein, ins Steuer des Safety-Cars zu greifen. Auch bei den Läufen der zahlreichen Rahmenserien sind er und sein Dienstwagen einsatzbereit – stets mit denselben Ritualen. Frumolt: „Safety-Car vorbereiten!“ – Lux: „Safetycar ist vorbereitet.“ Der Motor des Mercedes C 63 AMG oder des Audi RS4 läuft während des gesamten Rennens. „Safety-Car vorziehen!“ – „Safety-Car vorgezogen.“ Die Rundumleuchten des Safety-Cars flammen auf, Lux geht auf der Start-Ziel-Geraden in Position. „Spitze kommt.“ Der routinierte Safety-Car-Pilot beschleunigt voll, zunächst auf 80 bis 100 km/h, auf den Geraden deutlich schneller.

Die Wahl der richtigen Geschwindigkeit erweist sich immer wieder als Balanceakt: „Die Fahrzeuge hinter mir sollen keine Kühlprobleme bekommen. Andererseits kann Tempo 100 bei Regen manchmal schon zu schnell sein.“ Damit das Safety-Car immer die optimale Geschwindigkeit hat, beobachten Peter Lux und sein Beifahrer – beide mit eigener Rennerfahrung gesegnet – im Rückspiegel die nachfolgenden Fahrzeuge. Ist es nicht gelungen, das Safety-Car vor dem Führenden zu platzieren, sortieren die beiden das Feld, indem sie peu à peu alle Fahrzeuge durch ein kurzes Aufblinken der grünen Lampe im Lichtbalken auf dem Dach zum Überholen auffordern. „Dieses Einfädeln vor dem richtigen Fahrzeug ist der schwierigste Teil des Einsatzes“, spricht Lux aus Erfahrung – misslang es 2007 doch gleich zwei Mal, den Führenden einzufangen.

Insbesondere der folgenreiche Fauxpas auf dem EuroSpeedway Lausitz sorgte in der abgelaufenen Saison für Konfusion: So reihte sich das Safety-Car in Klettwitz nicht vor dem Führenden Mika Häkkinen, sondern vor dem Drittplatzierten ein – und würfelte so die Positionslisten durcheinander. Mit einer zweiten Safety-Car-Phase versuchte die Rennleitung zwar mit fragwürdigem Erfolg, die korrekte Reihenfolge wiederherzustellen. Doch der DMSB zog die Konsequenzen – und tauschte nach ausführlichen Untersuchungen mit sofortiger Wirkung die Spitze der Rennleitungsmannschaft um Roland Bruynseraede aus. Auch die neue Rennleitung um Renndirektor Sven Stoppe blieb bei der Handhabung der Safety-Car-Phasen nicht frei von Missgeschicken: Auf dem Norisring platzierte sich das Safety-Car erneut nicht vor dem abermals führenden Häkkinen, sondern vor dem überrundeten Mathias Lauda.

Die Pannen in Klettwitz und Nürnberg dürften auch für Peter Lux wenig angenehm gewesen sein – Vorwürfe muss er sich allerdings nicht machen. „Es wäre völlig verrückt, wenn ich selbst entscheiden sollte, wann ich losfahre“, kann Lux glaubhaft versichern, „denn ich kann nur aus dem Fenster gucken, während die Rennleitung auf unzähligen Monitoren das gesamte Renngeschehen verfolgen kann. In der Lausitz zum Beispiel steht mein Einsatzfahrzeug in einer Senke, so dass ich von den heranbrausenden DTM-Autos bestenfalls die Dächer sehen kann.“ Entscheidungen für oder wider einen Einsatz des Safety-Cars ändern sich zuweilen auch kurzfristig. Löst sich eine Gefahrensituation schneller auf als erwartet, kann die Einsatzorder an Lux auch zurückgenommen werden: „Das alles könnte ich niemals entscheiden, weil mir im Auto schlicht die Informationen fehlen.“

Einmal auf der Strecke angekommen, kann Peter Lux seine langjährige Erfahrung ausspielen. „Ich bin Deutschlands dienstältester Safety-Car-Fahrer“, berichtet der inzwischen Grauhaarige nicht ohne Stolz, „bei den ersten Grand-Prix-Einsätzen in Hockenheim wollte mich der damalige Formel-1-Renndirektor Roland Bruynseraede als Fahrer für das Safety-Car. Damals war das ein Ford Escort RS Cosworth. Im Laufe der Jahre bin ich dann bei allen möglichen Veranstaltungen dabei gewesen – von der DTM über die Tourenwagen-WM und die FIA-GT-Meisterschaft bis zu den Rennen der Top 10.“ Vor zweieinhalb Jahren gab der heute 67-Jährige seinen Hauptberuf auf – die Einsätze im Safety-Car lässt sich der Pensionär vorerst jedoch nicht nehmen.

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