Schönheit ist nicht alles – Schlauer Sitz, bequemer Sitz
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So sitzt man richtig, aufrecht, mit dem Rücken an der Lehne und nicht zu weit von Lenkrad und Pedalerie entfernt Bilder

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Neben ihren Standardsitzen haben viele Hersteller auch besonders leistungsfähige Aufpreismodelle, hier etwa VW Bilder

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Künftig werden sich Sitze den Körpern der Insassen anpassen, so sieht es zumindest Mercedes Bilder

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Ein Auto braucht Räder, einen Motor natürlich – und es braucht Sitze. Irgendwo müssen Fahrer und Insassen schließlich untergebracht werden. Doch gerade beim Thema Sitze beschränkt sich das Interesse meist auf die Wahl der Bezugsfarbe und die Entscheidung zwischen Stoff und Leder. Die eigentlich wichtigste Frage wird kaum gestellt: Wie körpergerecht ist der Sitz, wie gut fühlt der Mensch sich nach langer Fahrt darauf? Künftig könnten rund um den Sitz noch weitere Fragen hinzukommen – etwa die, mit welchem Smartphone der Sitz denn kompatibel ist.

Warum sich kaum ein Käufer mit dem Sitzkomfort beschäftigt ist ein Rätsel. Schließlich machen sich die Folgen suboptimaler Sitzgelegenheiten im Auto ähnlich wie im Büro unangenehm bemerkbar: Nackenbeschwerden, Rückenschmerzen, Verspannungen, Kopf- und Schulterschmerzen.
 
Autositze bieten viele Auslöser für solche Beschwerden, erklärt Georg Stingel von der Aktion gesunder Rücken (AGR). Mal ignoriert die Form der Rückenlehnen die S-Form der menschlichen Wirbelsäule, mal finden Schulterblätter des sitzenden Menschen keinen stützenden Kontakt. Oder die Sitzflächen sind zu kurz, es gibt eine Sitzneigungsverstellung ebenso wenig wie eine Sitzhöhenverstellung. „Auch viele Kopfstützen lassen sich nach wie vor nicht ausreichend einstellen.“ Jeder dieser Mängel hat Folgen, alle gemeinsam führen zu einem ziemlich verspannten Fahrer.
 
Trotzdem ist es bis heute so, dass der Einbau körper- und vor allem rückengerechter Sitze bei der Konstruktion von Autos nicht höchste Priorität hat. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: So lobt die AGR etwa Marken wie Opel, Mercedes und Volkswagen dafür, dass sie sich mit dem Thema beschäftigen und ergonomisch geformte Sitze anbieten. Aber das gilt eben längst nicht für alle Marken und auch nicht für alle Modelle.
 
Es versteht sich von selbst, dass die Sitz-Konstrukteure eine etwas abweichende Meinung vertreten. „In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Ergonomie der Sitze massiv zum Besseren entwickelt“, betont Recaro-Sprecher Tilman Schäfer. Die Marke stellt sowohl Sitze für Erstausstattung von Serienmodellen wie auch nachrüstbare Sitze her. Es gibt aber auch laut Schäfer weiterhin ein Problem, das Sitze mit sich herumschleppen: „Viele Sitze verfügen nicht über genügend Einstellmöglichkeiten.“ Vor allem Menschen mit Körperproportionen abseits des Üblichen haben es daher schwer, wenn sie die Polster ihren Bedürfnissen entsprechend einstellen wollen. Das gilt für über 2,00 Meter große oder auch unter 1,60 Meter kleine Personen, für solche mit breitem Körperbau oder auch für Träger besonders langer Beine. Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass sich die Form der Sitze in Serienmodellen an einem Durchschnittsmenschen orientieren.
 
Außerdem haben die Autobauer den Sitz derzeit ohnehin nicht allein als bequeme Unterbringungsmöglichkeit im Visier, sondern als Quelle möglicher Gewichtsreduktion. „Man kann an wenigen Stellen eines Autos soviel Gewicht einsparen, wie bei den Sitzen“, so Tilman Schäfer. Demnach wiegt ein Sitz in einem Personenwagen um die 20 bis 25 Kilogramm. Allein mit einer neuen Generation von Lehneneinstellung werden laut Schäfer 2,5 Kilogramm abgespeckt. Das sind im Autobau Welten.
 
In Zukunft sollen aber auch die Ergonomie beziehungsweise die Verstellbarkeit von Sitzen auf ein neues Niveau gehoben werden. Mittel zum Zweck ist jenes Gerät, das eigentlich ständig erwähnt wird, wenn es um technologischen Fortschritt geht: Das Smartphone. Dem Sitz sollen solche Mobiltelefone künftig zu ungekannter Schläue verhelfen.
 
Unter dem Oberbegriff des Smart Seating stellt man sich bei Recaro etwa die Möglichkeit vor, dass der Sitz sich in vorauseilendem Gehorsam auf den Körper der Telefon-Eigners einstellt. Eine App auf dem Smartphone wird mit wichtigen Daten gefüttert, übermittelt dem Sitz dann, was auf ihn zukommt – und schon bevor der Fahrer Platz nimmt, hat die Elektronik die entsprechenden Einstellungen vorgenommen. Eine andere Variante des intelligenten Sitzes könnte demnach auch ein Möbel sein, unter dessen Bezug diverse Sensoren warten. Nimmt jemand Platz, erkunden die Sensoren die Körperproportionen, stellen die Sitzkomponenten entsprechend ein.
 
Abgesehen von falschen Formen und fehlenden Einstellungsmöglichkeiten gibt es laut dem AGR-Experten Georg Stingel beim Sitzen im Auto noch ein grundsätzliches Problem: Das Sitzen eben. Zu Verspannungen und anderen körperlichen Problemen führt nämlich allein schon die Tatsache, dass ein Fahrer oft über Stunden nahezu regungslos an seinem Platz verharrt.
 
Stingel berichtete daher von Entwicklungen, die dem Stillsitzen ein Ende bereiten sollen – und zwar, indem der Sitz selbständig immer mal wieder leichte Veränderungen an den Einstellungen vornimmt und so für immer wieder neue Sitzpositionen sorgt. Der Haken an der Sache sind allerdings gerade die vielleicht unerwarteten Bewegungen. Sie müssen so erfolgen, dass der Fahrer nicht erschrocken zusammenzuckt, weil beispielsweise die Rückenlehne gerade mal kurz nach hinten rückt.

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