Umweltbundesamt mit Sicherheitsbedenken bei Pkw-Klimaanlagen
Umweltbundesamt mit Sicherheitsbedenken bei Pkw-Klimaanlagen Bilder

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Schwere Sicherheitsrisiken bei einem neuen Kältemittel für Pkw-Klimaanlagen hat das Umweltbundesamt (UBA) nun festgestellt. Mit dem Untersuchungsergebnis schaltet sich die Behörde in einen schwelenden Streit zwischen Umweltschützer, Autoherstellern und Chemieindustrie ein. Es geht dabei um die Suche nach dem Kühlmittel der nächsten Generation.

Das neue Kältemittel wird eigentlich bereits im kommenden Jahr nötig. Denn dann will die EU die aktuell verwendeten klimaschädlichen Stoffe verbieten und nur noch Kältemittel mit einem geringen Treibhauspotential zulassen.

Im Prinzip gibt es nur zwei Alternativen: CO2 und den teilfluorierten Kohlenwasserstoff 1234yf. Gegen letzteren mehren sich nun die Bedenken. Der Stoff ist laut UBA brennbar und enthält zudem das giftige Fluor. Im Brandfall und bei Kontakt mit heißen Oberflächen bildet sich stark ätzende, giftige Flusssäure. Außerdem birgt 1234yf laut Untersuchungen eine hohe Explosionsgefahr, wenn zusätzlich Benzin- oder Öldämpfe in der Luft sind. Im Gegensatz dazu ist der zweite Stoff CO2 vergleichsweise ungefährlich.

Die Probleme sind seit längerem bekannt. Trotzdem hat sich die Automobilindustrie noch nicht endgültig auf einen der beiden Stoffe festgelegt. „Es hat sich noch nie ausgezahlt, bei Umweltinnovationen im Automobilbereich zu warten und EU-Regelungen nicht ernst zu nehmen“, warnt UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Pkw-Klimaanlagen mit CO2 als natürlichem Kältemittel seien serienreif entwickelt.

Grund für die zögerliche Haltung der Industrie könnten die hohen Kosten der CO2-basierten Technik sein. Denn für den Einsatz müssten komplett neue Klimageräte entwickelt und auch in die Fahrzeugearchitektur integriert werden. 1234yf hingegen kann ohne große Änderungen auch in aktuellen Geräten verwendet werden.

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Gast auto.de

Februar 21, 2010 um 10:08 pm Uhr

Antwort an Frechdax: Hallo Frechdax! Ich glaube auf keinen Fall, dass die Experten den schon seit etwa 30 Jahren üblichen Gebrauch von Propan als Kältemittel nicht kennen sollten. Propan wird unter der Handelsbezeichnung R 290 zum Beispiel zum Kühlen von Flüssigkeiten oder auch heute noch in Haushaltskühlschränken benutzt. Ein Nachteil, darum auch keine Verwendung in Autoklimaanlagen, liegt im relativ hohen Siedepunkt von flüssigem Propangas (je nach Reinheit etwa -6°C bis -10°C). Moderne Kältemittel, wie zum Beispiel R 407C oder R 422 haben Siedepunkte unter -40°C. Das bedeutet, dass diese Kältemittel bei 1030 mbar bereits in den dampfförmigen Zustand übergehen (Wasser z.B erst bei 100°C). Je höher nun der Siedepunkt eines Kältemittels ist, desto grösser muss der Verdampfer ausgelegt werden und umso grösser auch die Antriebsleistung des Verdichters. Also spielen hier wohl wieder einmal die Kostenfaktoren die ausschlaggebende Rolle. Es ist doch wahrscheinlich wie immer. Nicht die Techniker haben das letzte Wort, sonder die Kaufleute. Mit freundlichem Gruß …. Wolli

Gast auto.de

Februar 21, 2010 um 7:46 pm Uhr

Nein, Autofan vom 21.2.2010, 2:42 Uhr, ich bin Elektronikingenieur. Aber warum willst Du das wissen? Wolli

Gast auto.de

Februar 21, 2010 um 2:42 am Uhr

Hey Wolli! Bist du eigentlich Kälte und Klimatechniker oder woher hast du dieses enorme Fachwissen?

Gast auto.de

Februar 19, 2010 um 7:00 am Uhr

Die extreme Umweltschädlichkeit von Klimaanlagen ist eigentlich nur den Kältetechnikern klar. Um einmal etwas Licht in dieses unbekannte Gebiet zu bringen, hier ein paar Anmerkungen. Die Einführung von Kohlendioxyd ermöglichte ab etwa 1880 den Bau von leistungsstarken Kühlanlagen für die Schifffahrt. Doch ab 1930 lösten fluorierte chlorierte Kohlenwasserstoffe (FCKW) wegen ihrer besseren thermodynamischen und toxikologischen Eigenschaften, einer besseren chemischen und thermischen Stabilität CO2 und Ammoniak als Kältemittel ab und führten zu einer wesentlich verbesserten Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit von Kompressor-Kältemaschinen. Heute weiß man, dass FCKW in der Troposphäre (15 Km Höhe) weder photolytisch noch chemisch nennenswert abgebaut wird (Verbleib hier etwa 10 Jahre). Erst in der Stratosphäre werden die FCKW-Moleküle von der hier schon sehr energiereichen UV-Strahlung der Sonne aufgebrochen. Das hierdurch aus dem FCKW freigesetzte Chlor baut nun das als UV-Schutzschild notwendige dreiatomige Sauerstoffmolekül Ozon zum zweiatomigen Sauerstoff ab. Durch die lange Lebensdauer der Chloratome können diese bis zu 10000 Ozonmoleküle abbauen, bevor sie selber chemisch gebunden werden. Das bedeutet also, dass ein Liter FCKW-Gas 10 Kubikmeter Ozon zerstören kann. Dabei geht hier keine so grosse Gefahr von stationären Kälte- und Klimaanlagen aus, sondern gerade von Automobilen. Hier sind statt der üblichen Stahlrohre viele Kunststoffschläuche verbaut, und flexible Kugelköpfe werden oft nur durch eine einzige Schelle gehalten. Deshalb verliert ein Auto oft in einem Zeitraum von vier Jahren seine komplette Kältemittelfüllung (stationäre Anlagen etwa 0,3% pro Jahr). Und das sind etliche Kubikmeter Gas. Ich persönlich würde allerdings ein anderes, weil umweltfreundlicheres Kältemittel empfehlen: Propangas! Wolli

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