Gaffer

Verkehrspsychologe: Darum wird bei Unfällen gegafft
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Copyright: Christian Arndt - Feuerwehr

Auf der einen Seite der Autobahn hat es gekracht, aber in beiden Richtungen gibt es Stauungen und lange Schlangen. Unfall-Gaffer sind ein besonders unangenehmes und lästiges Phänomen im Straßenverkehr. Die Sensations-Gier ist scheinbar auch durch teilweise massives Einschreiten der Polizei nicht in den Griff zu bekommen.

Woran liegt das?

Verkehrspsychologin Susanne Nitzsche vom TÜV Thüringen hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Bei ihren Untersuchungen ist Nitzsche auf drei Schlüsselbegriffe gestoßen: Neugierde, Sensationslust und Anerkennung. „Das Neugier-Verhalten ist uns faktisch von der Natur in die Wiege gelegt. Man schaut unweigerlich hin“, so die Verkehrspsychologin. „Bei einem Gaffer ist zudem die Sensationslust stark ausgeprägt. Das heißt, er möchte den Nervenkitzel, will schockiert sein, will die Information aus erster Hand.“ Und die Anerkennung holt sich der Unfall-Spanner hinterher als ideelle Belohnung bei Freunden und Kollegen, wo er sich mit Informationen aus erster Hand wichtig tun kann. Am besten auch noch mit selbstgedrehten Unfall-Videos oder mit per Smartphone fabrizierten Fotos.

Die Suche nach Anerkennung und Belohnung motiviert Menschen zu einem Verhalten, das sie unter normalen Umständen selbst strikt ablehnen würden. Der Zeitverlust durch den Stau wird dabei als Rechtfertigung für das Gaffen gewertet. Bei einer zügigen Vorbeifahrt müsste das Stau-Opfer ja auf seine „Entlohnung“ für die Verzögerung verzichten.

Dieser spontanen Neugier-Reaktion könne man nur durch eine ganz bewusste Entscheidung entgegenwirken, so die Verkehrspsychologin: „Zu einer solchen reflektierten Haltung sind nicht alle Menschen in der Lage. Aufklärung kann aber einen wesentlichen Beitrag leisten.“ Das Phänomen des Gaffens werde man aber nie vollständig lösen können.

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